Nachruf

Der Vater des Budget-Tourismus ist tot

Arthur Frommer (1929 - 2024) Foto: picture alliance / dpa | Chris Melzer

Für Amerikaner – und nicht nur für sie – galten Interkontinentalreisen in den 50er Jahren als unerschwinglich und daher als Traum, dessen Umsetzung sich lediglich überaus wohlhabende Zeitgenossen leisten konnten. Arthur Frommer, der mit dieser Einstellung aufräumte, ist nun im Alter von 95 Jahren gestorben.

Seine Idee, für 5 Dollar pro Tag durch Europa zu reisen, war 1957 ebenso revolutionär wie ansprechend. Es ist daher kein Zufall, dass sein Buch »Europe on 5 Dollars a Day« schnell zum Bestseller wurde.

Amerikanische Medien zitierten Frommers Tochter Pauline: »Mein Vater hat vielen Menschen die Welt geöffnet. Er war davon überzeugt, dass das Reisen eine erhellende Aktivität ist – und zudem eine, die kein großes Budget erfordert.«

Stationierung in der Bundesrepublik

Geboren wurde Arthur Frommer am 17. Juli 1929 in Lynchburg im amerikanischen Bundesstaat Virginia. Seine Eltern waren jüdische Einwanderer aus Österreich und Polen. Die Familie zog bald nach Missouri und schließlich nach New York.

Weder sein Politik- noch sein Jurastudium hatte viel mit Tourismus zu tun. Allerdings entdeckte er während dieser Zeit das Schreiben für sich. Als Redakteur war er für das Yale Law Journal tätig, als er in eben dieser »Ivy League«-Uni studierte.

Während des Korea-Krieges wurde Arthur Frommer einberufen, landete allerdings in Kasernen der US-Streitkräfte in der jungen Bundesrepublik Deutschland. Frommer wäre nicht Frommer gewesen, wenn er diese Gelegenheit nicht am Schopf gepackt hätte.

Lesen Sie auch

Version für Zivilisten

Der jüdische Soldat schrieb und veröffentliche das Buch »The GI’s Guide to Traveling in Europe« im Eigenverlag. Es enthielt Reiseempfehlungen für Soldaten auf dem Kontinent seiner direkten Vorfahren, den er offensichtlich sehr interessant fand. Eine Version für Zivilisten zu schreiben, war eine naheliegende Idee.

»Europe on 5 Dollars a Day« empfahl den Lesern große europäische Metropolen als Reiseziele und wurde aufgrund seines Konzeptes zu einem der meistverkauften Touristenführer aller Zeiten. Während Frommer nach seiner Rückkehr nach Amerika als Anwalt tätig war, baute er einen Verlag auf, der immer mehr Reiseführer publizierte.

Es dauerte nicht lange, bis Arthur Frommer auch noch Reiseveranstalter wurde. Diese Firma taufte er »5 Dollars-a-Day Tours, Inc.«. Sie wurde Teil seines Unternehmens »Arthur Frommer International«, dessen Präsident er bis 1980 war.

Goldwater und die Bibel

Neben Tourismus fand er als Buchautor andere Themen, die ihm am Herzen lagen: Er wandte sich gegen die Bibel-Lesepflicht an Schulen sowie gegen den republikanischen Präsidentschaftskandidaten von 1964, Barry Goldwater.

All dies reichte Arthur Frommer immer noch nicht. Also baute er Hotels in Amsterdam, Aruba, Curaçao und Kopenhagen, die er später verkaufte, ebenso wie seinen Verlag. Letzteren kaufte er allerdings im Jahr 2012 zurück. Zusätzlich gründete Frommer die Zeitschrift »Budget Travel«, die er später an »Newsweek« veräußerte.

Seine Webseite frommers.com wird weiterhin viel besucht und gelesen. Pauline Frommer leitet das Unternehmen, das aus dem ersten Bestseller ihres Vaters erwuchs.

Ihr zufolge starb Arthur Frommer am Montag an einer Lungenentzündung.

Klar ist: Ohne Arthur Frommer hätte Tourismus für Amerikaner in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts anders ausgesehen. Er wäre wohl weitaus eintöniger ausgefallen.

Belgien

Uni-Rektorin: »Haben bereits viele Partnerschaften verloren«

Die Besetzer verlangen einen vollständigen Boykott Israels und wollen weitermachen - obwohl die Uni-Leitung ihnen nun erneut entgegenkam

von Michael Thaidigsmann  15.05.2026

Jewrovision 2026

Die Nervosität steigt …

Schon bald gehen die Scheinwerfer an und 600 jüdische Jugendliche aus ganz Deutschland werden ihre Showacts zum Besten geben

von Nicole Dreyfus  15.05.2026

Genf

Ronald Lauder warnt vor Entfremdung zwischen Israel und der Diaspora

»Wir müssen bestehende Risse reparieren, bevor es zu spät ist«, sagt der Präsident des Jüdischen Weltkongresses

 15.05.2026

Nachruf

Mann mit Prinzipien

Ein halbes Jahrhundert lang stand »Abe« Foxman im Dienst der Anti-Defamation League, die Hälfte davon als ihr Chef. Nun ist der Schoa-Überlebende im Alter von 86 Jahren gestorben

von Michael Thaidigsmann  14.05.2026

Washington D.C.

Mehr als eine Million Dollar für Schutz jüdischer Einrichtungen in Los Angeles

Das Geld fließt ins Community Security Initiative Program. Das Projekt arbeitet mit jüdischen Einrichtungen zusammen und koordiniert Kontakte zu Sicherheits- und Rettungsbehörden

 12.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  12.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  12.05.2026

Runder Geburtstag

Meister der Linien: Architekt Daniel Libeskind wird 80

Er hat weltberühmte Gebäude entworfen – aber noch nie eines für sich selbst. Für den Architekten ist das gar kein Widerspruch, denn ihn interessiert ja etwas anderes

von Julia Kilian  11.05.2026