Ukraine

Der Oligarch als Philanthrop

Einer der reichsten Männer der Ukraine: Viktor Pintschuk (54) Foto: dpa

Ukraine

Der Oligarch als Philanthrop

Viktor Pintschuk unterstützt Reformen

von Nina Jeglinski  09.03.2015 18:39 Uhr

Eine »Agentur zur Modernisierung der Ukraine« soll demnächst ein Reformkonzept für das osteuropäische Land erarbeiten. Zu ihren Beratern gehört auch der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Finanziert werden soll die Agentur von ukrainischen Geschäftsleuten. Bereits zugesagt hat unter anderem der Oligarch Viktor Pintschuk. Er wurde 1960 in Dnepropetrowsk geboren. Dorthin waren seine Eltern gezogen, weil sie als Juden nicht in Kiew studieren durften.

Vor einigen Wochen wurde Pintschuk von der jüdischen Gemeinde und der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche für sein soziales Engagement mit der Andrej-Scheptyzkyj-Medaille ausgezeichnet. Der Namensgeber, der frühere Lemberger Erzbischof, sei eine umstrittene Figur gewesen, sagte Oberrabbiner Yaakov Bleich bei der Preisverleihung, »doch er hat Leben gerettet, ist gegen den Strom geschwommen und hat Mut bewiesen. Das war niemals leicht.«

zivilgesellschaft Pintschuk entgegnete: »Ich habe versucht, die Annäherung innerhalb der ukrainischen Gesellschaft zu verstärken. Heute sehen wir, dass es wichtig ist, eine Zivilgesellschaft zu haben. Ich möchte, dass sich unser Land zu einem modernen, offenen, toleranten Staat entwickelt.«

Viktor Pintschuk taucht seit 2004 in den Listen der reichsten Menschen der Ukraine auf. Der studierte Ingenieur hat in den vergangenen Jahren mehr als eine Milliarde US-Dollar seines Vermögens in verschiedene, zum Teil philanthropische Stiftungen gesteckt. Vor neun Jahren finanzierte er Steven Spielbergs Dokumentarfilm Spell your name. Darin erzählen osteuropäische Juden ihre Geschichte von Vertreibung und Holocaust.

Nomenklatura In den 90er-Jahren gehörte Pintschuk zur postsowjetischen Nomenklatura. Als Ingenieur hatte er seit den 80er-Jahren Techniken entwickelt, mit denen sich Rohre billiger herstellen ließen. 1990 gründete er das Unternehmen Interpipe und verdiente an den Patenten.

2007 schlossen sich rund 20 von Pintschuk kontrollierte Unternehmen zum Firmenverbund EastOne-Group zusammen. Außer auf das traditionelle Röhren- und Metallgeschäft konzentriert sich die in London ansässige Gruppe auf den Investment- und Immobilienbereich. Zudem gehören ihr eine Reihe ukrainischer Fernsehsender und Verlagshäuser.

»Menschen, die mehr Geld und mehr Glück haben als andere, haben die Verantwortung, davon etwas zurückzugeben«, sagte Pintschuk bereits vor etlichen Jahren. Seit Jahren finanziert er mehrere demokratische Politik-Projekte. Die Proteste auf dem Maidan im Winter 2013/2014 unterstützte er mit großen Summen, wandte sich in einem öffentlichen Brief gegen die damalige Regierung von Wiktor Janukowitsch und sprach sich für einen pro-europäischen Kurs des Landes aus.

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