Gesetz

Der Kampf geht weiter

Der Streit um ein mögliches Schächtverbot in den Niederlanden ist zu Ende: Eine Zweidrittelmehrheit des Senats lehnte vergangene Woche einen Gesetzesentwurf der Tierschutzpartei ab, unbetäubtes Schlachten zu verbieten. Das Parlament hatte vor einem Jahr mehrheitlich gegen das Schächten gestimmt. »Tierschutz oder Religionsfreiheit« – unter dieser Fragestellung hatte die Debatte in der niederländischen Öffentlichkeit für reichlich Aufregung gesorgt. Dass der Senat mehrheitlich für die Religionsfreiheit stimmen würde, war seit Langem bekannt.

Um den Konflikt zu lösen, hatte Landwirtschaftsstaatssekretär Henk Bleker einen Kompromiss initiiert: Mithilfe jüdischer und muslimischer Experten verfasste er eine Rahmenvereinbarung für das Schächten (hebräisch: Schechita). Diese sieht vor, dass das Tier 40 Sekunden nach dem Halsschnitt bewusstlos sein muss. Andernfalls wird es unter Betäubung getötet. Unterzeichnet wurde das Abkommen von der Nederlands-Israëlitisch Kerkgenootschap (NIK), dem Dachverband jüdischer Gemeinden, und dem muslimischen Contactorgaan Moslims en Overheid (CMO).

Kritik Die meisten Vertreter jüdischer Organisationen begrüßten den Kompromiss. Ronnie Eisenmann, Vorsitzender der Amsterdamer Gemeinde NIHS, sieht darin einen Sieg der Religionsfreiheit – »es geht um mehr als die Schechita«. Schon vor der Abstimmung aber regte sich in den Medien Kritik. Wie das »Reformatorisch Dagblad« berichtete, hat der Amsterdamer Oberrabbiner Aryeh Ralbag das Abkommen nur unterzeichnet, um ein vollständiges Schächtverbot zu verhindern. Er kritisiert, dass sich künftig eine wissenschaftliche Beratungskommission mit der Schechita beschäftigt.

Bedenken äußerte auch das Amsterdamer Rabbinatsgericht (Bet Din). Es fühlt sich bei der Entscheidung übergangen. Laut der Tageszeitung »Volkskrant« befürchtet es durch den Kompromiss ein langsames Ende der Schechita, da jetzt im Notfall ein betäubtes Schlachten zugelassen werde. Bet-Din-Mitglied Rabbiner Raphael Evers betonte indes gegenüber der Jüdischen Allgemeinen, das Gericht stehe hinter dem Abkommen; man sei in den Medien nur falsch verstanden worden.

Auch NIK-Sekretär Ruben Vis betont, die vermeintliche Uneinigkeit auf jüdischer Seite entspreche nicht der Realität. Einzig der Raad voor de Koosjere Slacht (RKS) sähe sich in dem Kompromiss nicht vertreten. Dessen Vorsitzender, Rabbiner Lody van de Kamp, sieht die Trennung von Staat und Religion gefährdet. Er kritisiert: »Erstmals bekommt der Staat die Möglichkeit, sich mit den Details des koscheren Schlachtens zu beschäftigen.«

Ungarn

Wer ist Péter Magyar?

Viktor Orbán hat die Wahl verloren. Sein Nachfolger strebt weitreichende Veränderungen an. Doch bei vielen Themen setzt auch Magyar auf Kontinuität

von Michael Thadigsmann  15.04.2026

Rom

Auch die »Trump-Flüsterin« Meloni fällt in Ungnade

Eigentlich gilt Italiens Ministerpräsidentin Meloni als Politikerin mit gutem Draht zu US-Präsident Trump. Nun attackiert er sie scharf. Der Schlagabtausch könnte für Meloni jedoch von Nutzen sein

von Robert Messer  15.04.2026

Statistik

Knapp 111.000 Holocaustüberlebende leben in Israel

Sie sind alt und sie werden weniger: Heute leben noch etwa 111.000 Holocaustüberlebende in Israel. Fast ein Drittel von ihnen ist über 90 Jahre alt, fast zwei Drittel von ihnen sind Frauen

 15.04.2026

München/Budapest

Europäische Rabbiner gratulieren Magyar zum Wahlsieg in Ungarn

»Das ungarische Volk hat eine klare Entscheidung für Demokratie, für Erneuerung und für ein zukunftsorientiertes Ungarn getroffen«, sagt Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt

 15.04.2026

Polen

Rechtsradikaler Politiker schockiert mit israelischer Hakenkreuzfahne

Am Holocaustgedenktag warf Konrad Berkowicz Israel im Sejm vor, das neue Dritte Reich zu sein

 14.04.2026

Warschau

Absage an Antisemitismus: Polnische Bischöfe besuchen Synagogen

Vor 40 Jahren umarmte Papst Johannes Paul II. in Roms Hauptsynagoge den dortigen Oberrabbiner. In Polen erinnern nun Bischöfe an diesen Meilenstein in den katholisch-jüdischen Beziehungen. Es gibt aber auch Misstöne

von Oliver Hinz  14.04.2026

Nordmazedonien

Brandanschlag auf Synagoge in Skopje

Zwei bislang unbekannte Täter verschafften sich Zugang zum Eingangsbereich des Gotteshauses und versuchten, ihn in Brand zu setzen

von Nicole Dreyfus  14.04.2026 Aktualisiert

Meinung

Israel, Ungarn und die Abwahl Viktor Orbáns

Mit dem langjährigen Ministerpräsidenten hatte der jüdische Staat einen Verbündeten in der EU. Dennoch könnte dessen Abwahl eine Chance sein, das ungarisch-israelische Verhältnis auf eine nachhaltigere Grundlage zu stellen

von Domokos Szabó  14.04.2026

Ungarn

Netanjahu gratuliert Wahlsieger Magyar – und lobt Orban

Israels Premier: »Orban ist ein wahrer Freund Israels, der fest an der Seite Israels stand angesichts ungerechter internationaler Verleumdungen«

 13.04.2026