USA

Der falsche Ehemann

Zwei Wochen nach der Hochzeit entdeckte die orthodoxe Ehefrau, dass ihr Mann gar nicht jüdisch ist. Foto: malerapaso

USA

Der falsche Ehemann

In Brooklyn gibt sich ein muslimischer Palästinenser als orthodoxer Jude aus und heiratet eine sefardische Frau. Nun ermittelt das FBI

von Daniel Killy  18.11.2021 12:45 Uhr

Für viele Menschen, die die Glaubens- und Verhaltensregeln strenggläubiger Juden nicht kennen, mag es sich skurril oder komisch anhören – doch für die betroffene orthodoxe Familie ist es eine Tragödie und ein brutaler Anschlag auf das Leben einer Frau: Zwei Wochen nach ihrer orthodoxen Hochzeit in Brooklyn, so berichten es israelische und amerikanische Medien, entdeckte die frisch vermählte Gattin zu ihrem Entsetzen, dass ihr Ehemann ein muslimischer Palästinenser mit libanesischem Pass ist, der sich als Jude ausgegeben habe.

Wie die »Times of Israel« und »Yeshiva World News« berichten, lernte der Mann »sechs bis sieben Jahre« in einer Jeschiwa und nahm als Präsident einer ultraorthodoxen Studentenvereinigung auf dem Campus der texanischen A&M University ab 2018 mehrfach an den Schabbatgottesdiensten der dortigen Chabad-Studentengemeinde teil.

datingseite 2020 traf er die junge sefardische Frau aus Brooklyn auf einer jüdischen Datingseite im Internet und gab sich in der Anbahnung als streng religiös aus. Eliyah Haliwa, so der jüdische Tarnname, taucht auf Fotos im Vorfeld der Hochzeit in traditionellem ultraorthodoxen Outfit auf – allerdings, so die »Times of Israel«, gebe es auch Aufnahmen, die den jungen Mann im Umfeld seiner offensichtlich nichtjüdischen libanesischen Familie zeigen.

Was auch immer die Motive des Ehebetrügers gewesen sein mögen, unbegabt war er anscheinend nicht. Sein Hebräisch war so gut, dass es nicht als in irgendeiner Weise verdachterregend auffiel.

In einem der charedischen Nachrichtenseite »Kikar HaShabbat« zugespielten Video, das allerdings nicht veröffentlicht wurde, soll der Bräutigam laut einem Informanten der Website auf einer Verlobungsfeier »ein Hebräisch gesprochen haben, wie es für Jeschiwa-Studenten üblich ist«.

ZWEIFEL Rabbi Yossi Lazaroff, dem Campus-Rabbiner von Chabad an der Texas A&M University, kam die Sache jedoch von Anfang an nicht koscher vor. In einem Statement auf der Seite chabadinfo.com schreibt er, dass das »Rohr Chabad Jewish Student Center« allen jüdischen Studierenden und auch denen offenstehe, die »das Judentum entdecken« wollen.

Rabbi Lazaroff bestätigt, dass Eliyah Haliwa neben Schabbatgottesdiensten ab 2018 unregelmäßig auch einige Torakurse besucht hat. Als ihn die Familie der jungen Frau, die Haliwa datete, sowie die spätere Braut selbst um eine Einschätzung baten, sagte Lazaroff nach eigenen Angaben, »sein Verhalten entspricht nicht dem eines strenggläubigen Juden«.

Was auch immer die Motive des Ehebetrügers gewesen sein mögen, unbegabt war er anscheinend nicht.

Auch die Rebbetzin Lazaroff, die die Braut in jüdischen Ehegesetzen unterwies, versuchte laut »Times of Israel« einige Male, mit mehreren in die Eheschließung involvierten Rabbinern über ihre Zweifel an dem Bräutigam zu reden, sei aber dort auf taube Ohren gestoßen.

Rabbiner Lazaroff erwähnt dieses Engagement seiner Frau in seinem Statement auf chabadinfo.com nicht. Er sagt, dass ihn Rabbiner Ezra Zafrani, »ein hoch respektierter syrischer Rabbi aus Lakewood, New Jersey«, gefragt habe, ob jener Eliyah jüdisch sei. Lazaroffs Antwort: »Ich habe ihn explizit darüber informiert, dass ich genau dies nicht wüsste.« Die Hochzeit fand statt – die Ehe wurde von Rabbi Ezra Zafranis Sohn, Rabbi David Zafrani, geschlossen. »Und da wir aus anderen Gründen gerade in New York waren, fragte uns David Zafrani, ob wir an der Hochzeit teilnehmen wollten«, so Lazaroff.

KETUBA Da der Bräutigam – aus heutiger Sicht wenig überraschend – ohne Familie erschien, führten ihn die Lazaroffs zur Chuppa. Rabbi Lazaroff unterschrieb später dann noch die Ketuba, den Ehevertrag – »in der festen Überzeugung, dass Ezra und David Zafrani alle ihre Pflichten erfüllt hätten, zu bestätigen, dass der Bräutigam jüdisch ist«.

Doch das hatten sie nicht. Und so war es die frischgebackene Ehefrau, die schon nach kurzer Zeit des Zusammenlebens misstrauisch wurde. Ihre Brüder schauten sich in der Wohnung ihres neuen Schwagers Eliyah um – und fanden gleich drei Pässe.

Nun ermitteln das FBI und Antiterrorexperten gegen den Libanesen, der sich nach eigenen Angaben vom Judentum angezogen fühle und deshalb immer Ja gesagt habe, wenn man ihn um eine Bestätigung dazu bat. Für Außenstehende ist es eine Köpenickiade – doch lässt sie alle Seiten schwer beschädigt zurück und kann deswegen auch nicht komisch sein.

Österreich

Bericht: Wien wird zur Anlaufstelle für deutsche Juden

Wien als sicherer Hafen für Juden? Immer mehr jüdische Familien zieht es dem Vernehmen nach aus Deutschland in die österreichische Hauptstadt. Antisemitismus nimmt aber auch hier zu

 20.09.2026

Weimar

Gedenkstätte Buchenwald bittet um Spenden für Kyryl Romantschenko

Die Familie Romantschenko ist der Gedenkstätte Buchenwald seit Jahrzehnten eng verbunden. Nun benötigt der 18-jährige Kyryl Romantschenko Unterstützung

 19.09.2026

Ranking

Das sind die 50 einflussreichsten Juden weltweit

von Michael Thaidigsmann  19.09.2026

Großbritannien

Burnham will Beschränkungen für katholische und jüdische Premiers abschaffen

Die Regierung in London legt einen Gesetzentwurf zur Aufhebung religiöser Beschränkungen vor, die aus dem 19. Jahrhundert stammen

 18.09.2026

Synagoge in Mailand (Archiv)

Mailand

»Niemand wird mich hier erniedrigen«

Nach antisemitischer Attacke durch arabische Männer: Jetzt spricht der angegriffene Rabbiner

 17.09.2026 Aktualisiert

Nachruf

Peter Max: Der Künstler hinter den bunten Bildern der Hippie-Ära

Peter Max Finkelstein ist tot. Er wurde in Berlin geboren. Seine Familie und er flohen vor den Nazis nach Shanghai und kamen später über Israel nach Amerika.

 17.09.2026

München

Rabbiner: Plan gegen islamistischen Terror ist Vorbild für Europa

Mit einem Zehn-Punkte-Plan sollen in Deutschland Radikalisierung und islamistischer Terror bekämpft werden. Zustimmung kommt von Rabbinern, die über die Landesgrenzen hinaus denken

von Leticia Witte  17.09.2026

Hilfe in Zeiten des Krieges

Wie geht es Juden in der umkämpften Ukraine und im angrenzenden Rumänien? Unser Autor begleitete eine ZWST-Delegation auf ihrer Reise nach Czernowitz und Suceava

von Michael Thaidigsmann  17.09.2026

Der jüdische Kardinal

Den einen zu jüdisch, den anderen zu katholisch: Heute vor 100 Jahren wurde Aron Jean-Marie Lustiger geboren

von Andrea Krogmann  16.09.2026