Nachruf

Der Erfinder des »Bob«

Vidal Sassoon Foto: imago

Waschen, fönen, schütteln, los – was heute für Frauen auf der ganzen Welt eine Selbstverständlichkeit ist, war bis in die 50er-Jahre hinein undenkbar: praktische Frisuren, die es ihren Trägerinnen erlaubten, spontan auszugehen, ohne zuvor stundenlang beim Friseur zu sitzen.

Der Mann, der die Frauen von komplizierten Hochsteckfrisuren erlöste, wurde am 17. Januar 1928 geboren, seine Eltern waren Juden, die aus der Ukraine und Griechenland nach London ausgewandert waren. Und sehr arm waren. Nachdem der Vater die Familie verlassen hatte, mussten Vidal und sein jüngerer Bruder Ivor sieben Jahre lang in einem jüdischen Waisenhaus leben. Auf die Bedürfnisse von Kindern wurde damals kaum Rücksicht genommen, und so durfte Mutter Betty ihre Söhne dort nur einmal pro Monat besuchen.

Gruppe 43 Mit 14 begann Vidal Sassoon eine Friseurlehre, von der er zunächst nicht sehr begeistert war. Das sollte sich bald ändern, denn »ich wollte Dinge ändern und alles Überflüssige weglassen«. Dazu sollte es jedoch erst später kommen. Im Alter von 17 Jahren schloss sich Vidal der Gruppe 43 an, einer militanten jüdischen Untergrundorganisation, die unter anderem Versammlungen der Partei des britischen Naziführers Oswald Mosley attackierte. 1948 wurde der »antifaschistische Friseur«, wie ihn die Zeitung The Telegraph nannte, Mitglied der zionistischen Hagana.

Als er Großbritannien verließ, um nach Israel zu gehen, sagte seine Mutter, sie sei stolz auf ihn, er »tue das Richtige.« Es war »ein wundervolles Gefühl, nach 2.000 Jahren Unterdrückung plötzlich diese Nation entstehen zu sehen«, erinnerte er sich rückblickend in einem Interview über diese Zeit, in der er als Freiwilliger im Unabhängigkeitskrieg kämpfte. Sassoons Einheit besetzte damals einen strategisch wichtigen Hügel: »Wenn die ägyptische Armee ihn erobert hätte, hätte sie innerhalb weniger Stunden in Tel Aviv sein können. Unser Gegner erlitt fürchterliche Verluste – irgendein Mann an einem Schreibtisch hatte befohlen, diesen Punkt einzunehmen, dabei wären diese Männer sicher viel lieber zu Hause bei ihren Familien geblieben.«

Nein, das Töten habe ihn nicht belastet, sagte Sassoon, »ich hätte keinerlei Selbstrespekt, wenn ich nicht an diesem Kampf um die Unabhängigkeit teilgenommen hätte«.

Bauhaus 1950 kehrte Sassoon nach Großbritannien zurück, wo er seinen ersten Salon eröffnete. Rund zehn Jahre später kreierte er den Bob, den vom Bauhaus-Stil mit seinen klaren geometrischen Formen inspirierten Kurzhaarschnitt, der durch die Schauspielerin Nancy Kwan im Film Die Welt der Suzie Wong international bekannt wurde. Sassoon zog in die USA, wo er rasch zum Star wurde. Und wo er nicht nur seinen Namen als Label vermarketete, sondern auch politisch tätig war. 1982 gründete er das Vidal-Sassoon-Zentrum für Antisemitismusstudien, kurz SISCA.

Am 9. Mai ist Sassoon nach längerer Krankheit verstorben. Sein ehemaliges Model, die heutige Kreativdirektorin der amerikanischen Vogue, Grace Coddington, sagte in einem Nachruf: »Sassoon änderte alles. Zuvor musste alles künstlich sein, und plötzlich reichte es, sich mit den Fingern durch die Haare zu fahren, und schon war man fertig.«

Belarus

Die Kushner-Karte

Alexander Lukaschenko sucht die Nähe zu den USA und gibt sich philosemitisch

von Alexander Friedman  18.02.2026

Antisemitismus

In Andorra wird zum Karneval eine Israel-Puppe hingerichtet

In dem kleinen Fürstentum in den Pyrenäen wurde beim Karneval einer Puppe mit Davidstern der Prozess gemacht - die jüdische Gemeinschaft ist empört

 18.02.2026

Meinung

Eklat im Schweizer öffentlich-rechtlichen: Das RTS und der Israelhass

Der eigentliche Skandal ist die Rechtfertigung des öffentlich-rechtlichen Senders. Eine Rundfunkanstalt sollte ihre publizistischen Leitlinien immer einhalten und auch bei Israel keine Ausnahme machen.

von Nicole Dreyfus  17.02.2026

Der israelische Bobfahrer Adam Edelman nimmt die Hasstiraden gegen seine Person gelassen und will sich auf den Wettkampf konzentieren.

Olympische Winterspiele

Sender verteidigt »Genozid«-Kommentar, nimmt ihn aber offline

Die politischen Einordnungen eines Schweizer TV-Kommentators bei der Abfahrt des israelischen Bobfahrers Adam Edelman sorgen für Debatten. Der Sender verteidigt sich, der Sportler sieht es gelassen

 17.02.2026

Brüssel

Streit um Beschneider: US-Botschafter nennt Belgien »antisemitisch«

In mehreren X-Posts griff Bill White die belgische Regierung scharf an, die wiederum sich die Einmischung verbat. Hintergrund ist ein Strafverfahren gegen drei Mohelim in Antwerpen

von Michael Thaidigsmann  17.02.2026

Boston

Dokumentarfilm-Pionier Frederick Wiseman gestorben

»Dokumentarfilme sind wie Theaterstücke, Romane oder Gedichte – sie haben keine messbare soziale Nützlichkeit«, sagte der Verstorbene einst. Er wurde 96 Jahre alt

 17.02.2026

Österreich

Wiener Oberrabbiner wandert nach Israel aus

Sechs Jahre leitete der gebürtige Schweizer Engelmayer mit einer internationalen Berufsbiografie die jüdische Gemeinde in Wien. Jetzt siedelt er mit seiner Familie nach Israel über

von Burkhard Jürgens  16.02.2026 Aktualisiert

Trauer

»Teheran«-Produzentin Dana Eden stirbt mit 52 Jahren

Sie wurde tot in ihrem Hotelzimmer in Athen aufgefunden

 16.02.2026

Bosnien-Herzegowina

Jüdischer Protest gegen rechtsextrexmen Sänger Thompson

Vergangenes Jahr hatte der kroatische Sänger Thompson mit einem Megakonzert in Zagreb einen Zuschauerrekord gebrochen. Bekannt ist er für rechtsnationalistische Auftritte. Jetzt provoziert er erneut

von Markus Schönherr  16.02.2026