USA

Das Recht auf Abtreibung

Abtreibungsaktivistinnen vor dem Kongress Foto: IMAGO/UPI Photo

Der Supreme Court, der Oberste Gerichtshof der USA, hat am vergangenen Freitag das liberale Abtreibungsrecht gekippt. In der Hälfte aller Staaten wird die Abtreibung in Zukunft verboten werden. Damit endet jenes Recht der Frauen auf Selbstbestimmung, das seit fast 50 Jahren in Kraft war.

US-Präsident Joe Biden nannte das Urteil einen »tragischen Fehler« und sprach von »einem traurigen Tag für das Land«. Auch etliche jüdische Organisationen kritisierten die Entscheidung, da sie gegen die jüdische Tradition verstoße. Diese akzeptiere die Notwendigkeit einer Abtreibung.

Religionsfreiheit »Diese Entscheidung ist falsch, Punkt«, sagte Rabbi Jonah Dov Pesner, Leiter des Religious Action Center. »Den Zugang zur Abtreibung einzuschränken, untergräbt die Religionsfreiheit von Menschen, die, wie in der jüdischen Tradition, die Abtreibungsversorgung als medizinisch notwendiges und rechtschaffenes Verfahren aufrechterhalten.«

Der Jewish Council for Public Affairs pflichtete dem bei. Das Verbot des Zugangs zu Abtreibungen widerspreche dem jüdischen Gesetz, vor allem dem Gebot, Leben zu retten. Dabei handele es sich um spezifische religiöse Imperative, die im amerikanischen Recht verankert seien. Im Judentum gelte es, für alles Leben einzustehen. »Wir priorisieren das Leben und die Gesundheit einer schwangeren Person.«

In der Hälfte aller Staaten wird die Abtreibung in Zukunft verboten werden.

Auch die zionistische Frauenorganisation Hadassah bekräftigt ihre Unterstützung für den vollständigen Zugang zu reproduktiven Gesundheitsdiensten und das Recht, Entscheidungen auf der Grundlage der religiösen, moralischen und ethischen Werte jeder Frau zu treffen. Die Organisation werde sich auch künftig für Bundes- und Landesgesetze einsetzen, die reproduktive Rechte bekräftigen und schützen.

Republikaner Ganz anders hingegen äußerte sich der Abgeordnete Lee Zeldin, einer von zwei jüdischen Republikanern im Kongress. Der 42-jährige Politiker, der seit 2015 den Bundesstaat New York im US-Repräsentantenhaus vertritt, nannte das Urteil einen »Sieg für das Leben, für die Familie, für die Verfassung und für den Föderalismus«. Er begründete dies mit seiner persönlichen Erfahrung. Seine beiden Töchter seien 14 Wochen zu früh auf die Welt gekommen. Es gelte, das Leben zu respektieren und zu verteidigen.

Das Rabbinical Assembly, die Vereinigung konservativer Rabbiner (RA), empörte sich über die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, das verfassungsmäßige Recht auf Abtreibung zu beenden. Dies verwehre Millionen von Menschen in den USA den Zugang zu lebensrettenden medizinischen Verfahren, »was als einer der extremsten Fälle staatlicher Überdehnung in unserem Leben angesehen wird«.

Die Organisation Keshet, welche die Rechte der LGBTQ-Community vertritt, ging sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnete die Entscheidung des Supreme Cour als »Höhepunkt einer jahrzehntelangen Kampagne einer extremistischen, überwiegend weißen christlichen Minderheit, um der Mehrheit der Amerikaner, die Abtreibungsrechte unterstützen, ihre religiösen und kulturellen Überzeugungen aufzuzwingen.« Keshet werde auch weiterhin dafür kämpfen, die Gerichtsentscheidung rückgängig zu machen und den Zugang zur Abtreibung für alle sicherzustellen.

Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, eine glühende Verfechterin des Abtreibungsrechts, drückte ihre Enttäuschung über das Urteil auf ungewöhnliche Weise aus: Anders als erwartet, gab es keine schallende verbale Ohrfeige. Stattdessen trug sie das Gedicht »Ich habe kein anderes Land« des israelischen Dichters Ehud Manor vor. Darin heißt es: »Hier ist mein Zuhause/ Ich werde nicht schweigen/ Dass sich das Antlitz Meines Landes verändert hat/ Ich werde nicht aufgeben, sondern sie immer wieder daran erinnern.«
Diese Zeilen dürften viele als Kampfansage verstehen.

Polizisten und Demonstranten vor der US-Botschaft in London

Proteste

Erneut Hunderte Festnahmen bei Gaza-Demo in London

Seit dem Verbot von Palestine Action sind in Großbritannien Tausende Menschen festgenommen worden. Auch bei einer Kundgebung in London griff die Polizei ein

 01.11.2026

Italien

Mann in Mailand wegen Anschlagsplänen auf Synagoge festgenommen

Im Großraum Mailand stellt die Polizei einen 22 Jahre alten Mann, der Anschläge auf eine Synagoge und eine islamische Einrichtung geplant haben soll. Die Hintergründe sind noch unklar

 29.10.2026

»A young woman in a dress and a man in a plaid shirt sit at a small outdoor restaurant table at night, smiling and talking, with food and drinks on the table and city lights in the background.«

Hollywood

Nach dem Happy End ist davor

In der dritten Staffel der Erfolgsserie »Nobody Wants This« machen Joanne und ihr »Hot Rabbi« den Neben-Romanzen Platz. Und dann wird auch noch konvertiert. Spoiler Alert

von Sophie Albers Ben Chamo  29.10.2026

Frankreich

»Freiheit ist leicht zu verteidigen«

Der Philosoph und Fernsehmoderator Raphaël Enthoven über Verantwortung, Spinozas Erbe und das Einzige, was uns wahrhaft zu erfüllen vermag

von Ute Cohen  28.10.2026

USA

Mike Tyson will seine Flagge zurück

Der Ex-Boxweltmeister legt sich mit einer Streetwear-Marke an, die ein altes Design in seinem Namen politisiert hat. Dabei geht es auch um Israel

von Hanna Persson  28.10.2026

Showbiz

Noah Wyle ist der »Sexiest Man Alive«, meint das »People«-Magazin

Der »The Pitt«-Star darf sich über den Titel freuen, der einst auch Harrison Ford schmückte. Seine Kinder sticheln schon, sagt Wyle

 28.10.2026

Medien

BBC zahlt 480.000 Euro Entschädigung nach Antisemitismus-Vorwurf

Die entlassene Produzentin Lucie Kon erhält fast 500.000 Euro von der BBC nach Antisemitismus-Vorwürfen. Nach dem 7. Oktober 2023 wurde ihre Arbeit beim öffentlich-rechtlichen Sender unerträglich

von Jamie Shapiro  27.10.2026

San Francisco/New York

KI mit Elvis-Songs gefüttert: Millionenklage gegen Anthropic

»Return To Sender« und diverse weitere Lieder des King of Rock’n’ Roll sollen ohne Zustimmung ins KI-Training geflossen sein

 27.10.2026

Island

Wo die Mikwe eine heiße Quelle war

Seit diesem Jahr hat der Inselstaat erstmals ein jüdisches Gemeindezentrum. Juden spielten in der Geschichte des Landes allerdings eine wichtigere Rolle als bisher bekannt

von Elke Wittich  26.10.2026