US-Wahlkampf

Chuzpe ist Trump

Träumt davon, 45. Präsident der Vereinigten Staaten zu werden: Donald Trump (69) Foto: dpa

Er ist Milliardär, berühmt für Finanzskandale und Prozesse – und vielleicht der einzige männliche Prominente, dessen Frisur in der Öffentlichkeit thematisiert wird. Jetzt will Donald Trump, der »berühmteste Vermieter der Welt«, Präsident der Vereinigten Staaten werden – und es sieht gar nicht einmal so schlecht für ihn aus.

In den zwei Monaten seiner Kampagne »Make America Great Again« hat er Umfragen zufolge im Rennen um die Nominierung zum offiziellen republikanischen Präsidentschaftskandidaten mit 25 Prozent der Stimmen bereits alle 19 (!) Wettbewerber abgehängt – trotz seiner rassistischen und frauenfeindlichen Kommentare, die seiner Beliebtheit nicht geschadet, ja diese offenbar noch angekurbelt haben.

Der volksnahe Trump provoziert, polarisiert und setzt sich mit unterhaltsamen Auftritten von den steifen, eher langweiligen Konkurrenten ab. Einer seiner Fans, der Geschäftsmann und Erfinder der Preisschildpistole Larry Spiewak, spricht aus, was viele denken: »Ich mag Trump, weil er redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, und auf niemanden Rücksicht nimmt.« Trump sei grob, aber integer, sagt Spiewak. »Die Leute mögen ihn, weil er die Wahrheit sagt.«

Mexiko Trump ist kein Ideologe. Ungeachtet seiner Absicht, das Problem der illegalen Einwanderung aus Mexiko durch den Bau einer Mauer zu lösen, hat Trump immer wieder auch liberale Ideen unterstützt – und sogar Hillary Clinton Geld für ihre Kampagne gegeben. Er ist auf keine politische Richtung festzulegen, hat als einziger Kandidat kein Programm auf seiner Webseite. Aber in offiziellen Reden hat er immer wieder seine Unterstützung für Israel proklamiert.

2013 machte er Werbung für Netanjahu, während er Obama als »schlimmsten Feind Israels« bezeichnete. Trumps jüngste Kritik an den Verhandlungen eines Atomabkommens mit Iran gipfelte in der Bemerkung, dieses sei gefährlich für Israel und könne zu einem »nuklearen Holocaust« führen.

Das kommt an – auch in der jüdischen Gemeinschaft. Sogar in orthodoxen Kreisen im New Yorker Stadtteil Brooklyn hat »The Donald« einige Fans gewonnen. Der republikanische Politiker Dov Zakheim bezweifelt allerdings, dass aus Bewunderern Wähler werden: »Obwohl einige Juden Trumps Stil mögen, werden sie nicht für ihn stimmen, weil er schlicht nicht wählbar ist«, sagte Zakheim der israelischen Zeitung Haaretz.

Laut aktuellen Umfragen unter jüdischen Wählern in New York und den USA bekäme Trump im Ernstfall nur magere 13 Prozent der Stimmen. Ein politischer Berater aus dem Lager der Republikaner hält Trumps Kandidatur für den Ausdruck der Frustration der jüdischen Wählerschaft mit der jetzigen Regierung: »Diejenigen, die Obama nicht mögen, werden für jeden republikanischen Kandidaten stimmen, auch wenn es (die Comicfigur) ›Barney der Dinosaurier‹ ist.«

Steuererklärung Da Trump seine Kampagne selbst finanziert, ist er nicht auf die Unterstützung wohlhabender Juden angewiesen – und würde sie auch nicht bekommen, sagt derselbe Berater, denn die seien alle im Lager von Jeb Bush. Trumps Sprecher, Hope Hicks, behauptete, Trump sei von mehreren jüdischen Organisationen »für seine Unterstützung ausgezeichnet worden«. Nachgewiesen ist aber nur seine Ernennung zum Ehrengast bei der Gala des Algemeiner, einer orthodoxen Publikation aus New York, im Februar. Laut Trumps Steuererklärung von 2013 gingen rund eine Million Spendendollar unter anderem an die Krebshilfe und die Kirche, nicht aber an jüdische oder israelnahe Organisationen.

Vergangenes Jahr soll Trump allerdings mehr als 100.000 Dollar an die israelische Rettungsorganisation United Hatzalah gespendet haben. Und er investiert in israelische Immobilien – in Millionenhöhe. Trump hat jüdische Geschäftspartner, einen jüdischen Anwalt und Kampagnenmanager – und seit einigen Jahren auch eine jüdische Tochter.

Ivanka, die zum Judentum übertrat, ist Trump zufolge nicht nur klug, schön und ein »wundervoller Mensch«, sondern auch seine Hauptberaterin in Frauenfragen. Trump selbst ist überzeugt, dass ihm seine »enge Beziehung zum Judentum und dem jüdischen Staat« einen Vorsprung gegenüber den anderen Bewerbern verschafft. »Meine Loyalität zu Israel begann mit der Geburt, schon mein Vater stand an der Seite Israels. Ich bin der einzige Kandidat, der Israel die Unterstützung geben wird, die es braucht«, sagte Trump in einem Interview.

Aussenseiter Trump hat »Chuzpe«, wie ein israelischer Journalist schrieb. Wenige glauben allerdings, dass der Außenseiter tatsächlich republikanischer Kandidat wird, geschweige denn Präsident. Aber er trifft den Nerv der Nation und macht den anderen Kandidaten Dampf. Der Comedystar Jon Stewart verglich Trump – auf das Ölwunder von Chanukka anspielend – mit einem jüdischen Feiertag, der nur auf seinen Beginn wartet: »Wir dachten, der Wahnsinn würde nur einen Tag andauern – stattdessen brennt er acht, zehn Tage lang – schöne Bescherung!«

Irak

»Ich wurde von Idioten entführt«

903 Tage lang war die russisch-israelische Wissenschaftlerin Elizabeth Tsurkov als Geisel in der Gewalt pro-iranischer Terroristen. Dies ist ihre persönliche Feldstudie zur Brutalität autoritärer Regime

von Elizabeth Tsurkov  12.03.2026

Belgien

Steckt der Iran hinter dem Terroranschlag von Lüttich?

Ein Bekennervideo, das die Explosion vor der Lütticher Synagoge am frühen Montagmorgen zeigt, deutet auf einen islamistischen Hintergrund der Tat hin

 12.03.2026

Supercentenarians

Älteste Holocaust-Überlebende Mollie Horwitz wird 110 - oder gar 113

Mit 110 Jahren steigen Hochbetagte auf in die Gruppe der »Supercentenarians«, von denen es nicht viele auf der Welt gibt. Gehört Mollie Horwitz jetzt dazu oder schon seit drei Jahren, wie Wissenschaftler vermuten?

von Christiane Laudage  11.03.2026

Brüssel

Belgische Juden fordern Antisemitismusbeauftragten

Nach dem Sprengstoffanschlag auf die Synagoge von Lüttich verlangt der jüdische Dachverband CCOJB größere Anstrengungen der Politik im Kampf gegen Judenhass

 10.03.2026

Antisemitismus

Schweiz: Dauerbelastung durch Judenhass

In seinem Jahresbericht zum Antisemitismus verzeichnet der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) zwar einen Rückgang bei tätlichen Angriffen - aber einen massiven Zuwachs im Online-Bereich

von Michael Thaidigsmann  10.03.2026

Polen

Wenige Juden, viele Debatten

Jüdisches Leben pendelt seit 1989 zwischen Sichtbarkeit und Verschwinden. Eine Begegnung mit dem früheren Dissidenten, Aktivisten und Publizisten Konstanty Gebert

von Nicole Dreyfus  09.03.2026

Chabad

Europäische Rabbiner tagen in Berlin

Die Hauptstadt ist seit Montag Treffpunkt von rund 180 Rabbinern aus ganz Europa

 09.03.2026

London

Iraner wegen Ausspähung jüdischer Einrichtungen verhaftet

Die Antiterroreinheit der Londoner Polizei hat in der Nacht zehn Personen festgenommen, darunter vier mutmaßliche Spione der Islamischen Republik

 06.03.2026

Großbritannien

Radikal pragmatisch

Ahmed Fouad Alkhatib arbeitet an einem palästinensischen Staat. Für den brauche es vor allem Frieden und Zusammenarbeit in der Region, sagt der Mann, der in Gaza und in den USA aufgewachsen ist

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  04.03.2026