Weissrussland

Bundespräsident eröffnet Gedenkstätte in Minsk

Raum zur Erinnerung an das Vernichtungslager Maly Trostenez im Staatlichen Museum des Großen Vaterländischen Krieges in Minsk Foto: dpa

Bundespräsident Frank‐Walter Steinmeier wird am 29. Juni in der weißrussischen Hauptstadt Minsk eine deutsch‐weißrussische Gedenkstätte zur Erinnerung an den NS‐Vernichtungsort Maly Trostenez eröffnen. Das deutsche Staatsoberhaupt wird dabei nach Angaben des Bundespräsidialamtes der mindestens 60.000 Opfer gedenken, die dort erschossen oder in mobilen Gaswagen getötet wurden.

Die Gedenkstätte an dem in Deutschland weitgehend unbekannten Schauplatz des Holocaust wurde auf Initiative des Internationalen Bildungs‐ und Begegnungswerks (IBB) aus Dortmund errichtet.

konferenz Die Organisation veranstaltet in Minsk am gleichen Tag eine Konferenz zum Thema »Gedenken für eine gemeinsame europäische Zukunft«, an der Steinmeier ebenfalls teilnehmen wird. Er führt außerdem ein Gespräch mit dem weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko. Steinmeier hatte sich schon als Bundesaußenminister für den Bau der Gedenkstätte eingesetzt und möchte mit der Eröffnung auf die Geschichte dieses kaum bekannten Ortes hinweisen.

2015 hatte sich die Bundesregierung in Minsk für die Verbrechen der deutschen SS und Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs in der damaligen Sowjetrepublik Weißrussland entschuldigt und um Vergebung gebeten. Maly Trostenez gilt als die größte unter deutschem Befehl betriebene Vernichtungsstätte in Weißrussland.

Weißrussische Historiker gehen davon aus, dass dort mindestens 200.000 Menschen getötet wurden. Zu den Opfern zählten Juden, die aus deutschen, österreichischen und tschechischen Städten deportiert wurden, sowie Menschen aus Mittel‐ und Osteuropa.

massenerschiessungen Die Massenerschießungen in Maly Trostenez, das heute auf dem Stadtgebiet von Minsk liegt, begannen im Frühjahr 1942. In 34 Massengräbern wurden die Leichen zunächst verscharrt. Damit wurde Maly Trostenez zu einem der Hauptschauplätze des Holocaust.

»Vom Baby bis zum Greis wurden die Leute erbarmungslos erschossen. Manchmal hat man bei Babys noch die Kugeln gespart und sie lebendig in die Grube geworfen«, sagt der Historiker und Direktor des Berliner Denkmals für die ermordeten Juden, Uwe Neumärker.

Als die sowjetische Rote Armee nach ihrem Sieg in der Schlacht von Stalingrad 1943 auf dem Vormarsch war, ordnete die deutsche Führung an, die Gräber auszuheben, die Toten auf letzte Wertsachen, etwa Zahngold, zu untersuchen und die Leichen zu verbrennen. Russische Gefangene, die dazu abkommandiert waren, wurden nach dieser sogenannten »Aktion 1005« ebenfalls erschossen.

Listen Über die Zahl der Opfer sind deutsche und weißrussische Historiker uneins. Deutsche halten aufgrund der Deportationslisten etwa 60.000 Tote für belegt, weißrussische gehen von mindestens 200.000 Toten aus. »Allein die Menge der Asche belegt, dass es so viele sein müssen«, sagt der orthodoxe Erzpriester von Minsk, Fjodor Powny.

Die deutsch‐weißrussische Organisation Internationales Bildungs‐ und Begegnungswerk (IBB) aus Dortmund setzt sich seit der Perestroika für Verständigung mit Weißrussland ein und hat nach Bekanntwerden der Verbrechen von Maly Trostenez den Bau einer Gedenkstätte angeregt.

2016 unterzeichneten das IBB und die Stadt Minsk eine Vereinbarung zur Errichtung des Mahnmals. Am 29. Juni wird Bundespräsident Frank‐Walter Steinmeier es nun einweihen. An der Finanzierung der Gedenkstätte haben sich auch das Auswärtige Amt, die Bethe‐Stiftung und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sowie private Spender, Kirchen und Kommunen aus Deutschland beteiligt. epd

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