USA

Bidens Nahost-Kurs könnte Wahl-Weichen in Florida stellen

Präsident - und ein echter Mentsch für die Israelis: Joe Biden Foto: Flash90

Nördlich von Miami Beach liegt die Synagoge von Bal Harbour, im Herzen der jüdischen Gemeinde von Südflorida. Zumindest beim Rabbiner schlägt das Herz politisch eher aufseiten der Republikaner: Er ist ein bekannter Unterstützer von Floridas Gouverneur Ron DeSantis und dessen konservativem Kurs.

Für die Demokraten ist der Rückhalt in diesem Teil des Landes geschwunden. Früher war es eine Hochburg der Partei, doch inzwischen ist die Wählerschaft nach rechts gerückt und hat dazu beigetragen, dass Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl 2020 Florida für sich verbuchen konnte und DeSantis im vergangenen Jahr klar als Gouverneur des US-Staates im Amt bestätigt wurde.

Doch Bidens bisherige Reaktion auf den eskalierenden Nahost-Konflikt und seine Unterstützung für Israel bringt dem Demokraten jetzt in Bal Harbour Punkte ein. »Ich finde, er hat eine starke Botschaft gesendet«, sagt Gemeindemitglied Georg Lipsztein bei einem Gespräch an der Synagoge über den Krieg zwischen Israel und der Hamas. »Das ist sehr wichtig.« Andere bei dem Treffen stimmen ihm zu.

»Der Trost und die Entschlossenheit, die er gezeigt hat, sind in einer Zeit, in der die Menschen wirklich verzweifelt sind, von entscheidender Bedeutung«, erklärt die demokratische Abgeordnete Debbie Wasserman Schultz die Wirkung von Bidens Haltung und Worten – und die Notwendigkeit, dass der Präsident sein Mitgefühl und sein Entsetzen zum Ausdruck bringt. »Ich habe in meinen 30 Jahren im politischen Amt noch nie ein solches Ausmaß an Schmerz, Schock und Wut gesehen, die in den Herzen aller Juden brennen.«

In Südflorida könnte die positive Aufnahme von Bidens Israel-Haltung den Demokraten Stimmen zurückbringen. In Michigan hingegen, einem weiteren wahlentscheidenden Staat, sieht die Sache anders aus. Dort sind viele arabisch-amerikanische und muslimische Gemeinden verärgert über den Rückhalt der Regierung für die israelische Gaza-Offensive. In Reihen der Demokraten wird zudem mit Sorge beobachtet, wie sich der Nahost-Krieg auf die jüngeren Wähler auswirken könnte – die Umfragen zufolge mehr Sympathien für die palästinensischen Probleme zeigen als die ältere Wählerschaft.

Die Regierung bringt dies politisch von beiden Seiten unter Druck. Sie müsse die schwierige Balance finden zwischen der Unterstützung Israels und dem Bemühen, die humanitäre Krise in Grenzen zu halten, erklärt Eric Lob von der Florida International University und Mitarbeiter der Denkfabrik Middle East Institute in Washington.

In Südflorida ist es der Rückhalt für Israel, der zählt. Hier gebe es eine große orthodoxe Gemeinde und ganz besonders starke Verbindungen zu Israel, sagt Jacob Solomon, der Präsident des Jüdischen Verbandes von Greater Miami. »Wir gehören zu den israelfreundlichsten zionistischen Gemeinden in Nordamerika«, erklärt er.

Rabbiner und Gemeindeleiter stehen in ständigem Kontakt mit Angehörigen und Freunden in Israel. Über Zoom bleiben sie auf dem Laufenden. Rabbiner Andrew Jacobs leitet eine Synagoge in Fort Lauderdale und sagt, er ermutige seine Gemeindemitglieder, sich zu informieren und sich bei politischen Entscheidern dafür zu bedanken, dass sie an der Seite Israels stehen. Er ist sich aber auch bewusst, dass mit zunehmenden zivilen Opfern im Gazastreifen die Rückendeckung schwinden könnte, »wenn die Hässlichkeit des Krieges zum Vorschein kommt«.

Doch Jacobs sieht keine andere Option als die Offensive: »Wir müssen wachsam sein gegenüber allen Aufrufen und Rufen nach Waffenstillstand oder Schuldzuweisungen an Israel, denn diese Arbeit muss ein für alle Mal erledigt werden, um der Region Frieden zu bringen«, betont er. »Präsident Biden hat eine starke Unterstützung für Israel zum Ausdruck gebracht, und diejenigen von uns, die hinter dem jüdischen Staat stehen, erwarten das auch weiterhin von ihm.«

Berlin

Daniel Libeskind warnt vor Judenhass und AfD-Erfolgen

In einem Interview kritisiert der Architekt die israelische Regierung und äußert Sorgen in Zusammenhang mit dem Erstarken der AfD in der Bundesrepublik. Auch spricht er über jüdische Identität

 08.05.2026

Comedy-Legende

Don Rickles: Meister der Beleidigungen

Heute wäre der große Stand-Up-Comedian 100 Jahre alt geworden. Seine Spezialität: Er zog sein Publikum durch den Kakao

von Imanuel Marcus  08.05.2026

Prag

Jüdischer Protest gegen Kanye-West-Konzert

Der US-Rapper Kanye West ist wegen wiederholter Äußerungen zu Hitler und der NS-Zeit höchst umstritten. In Prag formiert sich nun Widerstand gegen ein geplantes Konzert - insbesondere von jüdischer Seite

 07.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 18 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

80 Jahre

Was unsere Leser sagen

Die Jüdische Allgemeine hat auch im Ausland Fans. Um unsere Leser besser kennenzulernen, haben wir unter anderem in Finnland, Malta, der Schweiz, Spanien, Israel und in den USA nachgefragt

 07.05.2026

Kanada

Festnahme nach Schüssen auf Synagogen im Raum Toronto

Eine Aufklärung der Anschläge auf die Synagogen Beth Avraham Yoseph und Shaarei-Shomayim-Synagoge könnte damit näher gerückt sein

 07.05.2026

Jubiläum

Starke Stimme

Vor 80 Jahren erschien die erste Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen. Mehr denn je braucht es eine präsente und selbstbewusste jüdische Zeitung in Deutschland

von Philipp Peyman Engel  07.05.2026

Brit Mila

»Belgien wird nun in der ganzen Welt als antisemitisch gelten«

Die geplante Anklage von zwei jüdischen Beschneidern führt wieder zu schweren politischen Verwerfungen: Israels Außenminister Gideon Sa’ar und US-Botschafter Bill White sprechen von einem »Schandfleck«

von Michael Thaidigsmann  06.05.2026

Großbritannien

Geschworene sprechen »Palestine Action«-Aktivisten schuldig

Die Mitglieder der mittlerweile als terroristisch eingestuften Organisation hatten eine Niederlassung des israelischen Konzerns Elbit Systems in Bristol verwüstet und eine Polizistin schwer verletzt

 06.05.2026