Zürich

Auf der Suche nach einer neuen Bleibe

Mädchenschule in Zürich Foto: Peter Bollag

Rund 160.000 Schüler sind im größten Kanton der Schweiz, in Zürich, im obligatorischen Schulalter, also zwischen sechs und 16 Jahren alt. Rund 1000 von ihnen besuchen eine jüdische Privatschule. Fast die Hälfte davon, alles Mädchen, besucht die Jüdische Mädchenschule, eine der zahlreichen orthodoxen jüdischen Privat­schulen der Stadt. Betrieben wird sie vom Jüdischen Schulverein Zürich (JSZ).

Die Schule ist seit acht Jahren im Zürcher Stadtteil Wiedikon untergebracht. Ginge es allerdings nach dem Eigentümer der Liegenschaft, die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), wäre die Schule längst ausgezogen. Die EKZ hatten mit der Jüdischen Mädchenschule die Überlassung der Liegenschaft als Zwischennutzung definiert, das heißt, sie sollte zeitlich begrenzt sein.

Wohnraum Die EKZ möchten nämlich anstelle der Schule am gleichen Ort 70 Wohnungen bauen – in der größten Stadt des Landes, wo Wohnraum so begehrt ist wie kaum irgendwo in der Schweiz, eine ganz sichere Rendite.

Doch die Pläne der Elektrizitätsgesellschaft stoßen schon seit Längerem auf recht erbitterten Widerstand der Schule und auch der Politik. So forderte mehr als die Hälfte der Abgeordneten im Kantons­parlament von Zürich, die EKZ sollten auf einen Neubau verzichten und den Mietvertrag mit der Schule verlängern – eigentlich ein eindrückliches politisches Zeichen. Dies nicht zuletzt, weil die Pers­pektiven der Mädchenschule im Falle einer definitiven Kündigung nicht allzu gut sind.

Container Weil ein Schulhaus für die 450 Mädchen an zentraler Lage in Zürich kaum zu finden sein dürfte, müssten die verschiedenen Schulstufen wohl aufgeteilt und in Schulcontainern untergebracht werden. Da selbst dies schwierig ist, bliebe als letzte Lösung nur eine Integration der Schülerinnen in die öffentlichen Schulen der Stadt. Das ist in vielen Städten mit einer jüdischen Bevölkerung Alltag, wäre aber für die zumeist charedischen Eltern vieler Mädchen in Zürich wohl nur sehr schwer vorstellbar.

Zu stark liegen die Unterrichtsziele und -vorstellungen der beiden Schulsysteme auseinander, auch wenn die Stadt auf die jüdischen Schulfächer sicher Rücksicht nehmen würde. Kein Wunder, dass ein Mitglied des Jüdischen Schulvereins gegenüber einer Zürcher Tageszeitung schon vor einiger Zeit sagte, man hoffe in der ganzen Angelegenheit auf »göttlichen Beistand«.

Vielleicht kommt der auch; auf jeden Fall wollen zurzeit weder die EKZ noch Vertreter des Jüdischen Schulvereins öffentliche Aussagen machen, wie lange die Mädchenschule noch am aktuellen Standort bleiben kann.

Toraschule Bei einer anderen jüdischen Erziehungsinstitution der Stadt ist die Entscheidung hingegen gefallen: Die Jeschiwe Ketane (kleine Toraschule) im selben Quartier wird sich vermutlich zum Ende des jetzigen Schuljahres im nächsten Sommer auflösen oder allenfalls mit einer anderen jüdischen Privatschule fusionieren. An der Jeschiwe Ketane lernen zurzeit noch 13- bis 15-Jährige im Durchschnitt neun Stunden pro Tag. Und zwar sowohl jüdische als auch weltliche Fächer.

Hintergrund der möglichen Schließung ist eine Weisung des Zürcher Volksschulamtes: Das verlangte von vier der neun jüdischen Privatschulen eine stärkere Gewichtung der nichtjüdischen gegenüber den jüdischen Fächern. Die Schulen gingen gegen den Entscheid vor Gericht – und unterlagen.

Mit dem Resultat, dass die Leitung der Jeschiwe Ketane sich als einzige dieser Schulen weigerte, die jüdischen Fächer zugunsten der zweiten Landessprache Französisch (Englisch wird an der Schule unterrichtet) einzuschränken. Das widerspreche den Zielen der orthodoxen Institution.

In der »Neuen Zürcher Zeitung« sagt Schulleiter Josef Goldenberg, er verstehe den Entscheid der Zürcher Schulbehörden nicht, »denn die jüdisch-orthodoxe Gemeinde leistet einen Beitrag, indem sie Schüler für den Staat kostenlos ausbildet und zu rechtschaffenen Mitmenschen erzieht«. Die Zürcher Schulbehörden sehen das anders.

Irak

»Ich wurde von Idioten entführt«

903 Tage lang war die russisch-israelische Wissenschaftlerin Elizabeth Tsurkov als Geisel in der Gewalt pro-iranischer Terroristen. Dies ist ihre persönliche Feldstudie zur Brutalität autoritärer Regime

von Elizabeth Tsurkov  16.03.2026

Karin Prien

»Meine Großmutter war für die Nazis genau so eine Frau«

Die Bildungsministerin begegnet beim Besuch des Holocaust-Museums in Washington der Erinnerung an ihre eigene Familie. Und sie zieht Schlüsse für ihre heutige Aufgabe

 15.03.2026

Rotterdam

Brandanschlag auf Synagoge: Vier Personen festgenommen

Die niederländische Polizei hat am Freitag vier Personen im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf eine Synagoge festgenommen

 14.03.2026

Amsterdam

Explosion an jüdischer Schule

Nach einem nächtlichen Angriff auf eine jüdische Schule betonen Stadt und Regierung: Antisemitismus darf keinen Platz haben. Die Überwachung jüdischer Einrichtungen bleibt verstärkt

 14.03.2026

Rotterdam

Wieder Brandanschlag auf Synagoge - diesmal in Holland

Erneuter Terrorakt gegen die jüdische Gemeinschaft: Am Freitagmorgen wurde am Eingang des Gotteshauses der jüdischen Gemeinde Rotterdam ein Feuer gelegt

 13.03.2026

Michigan

Anschlag auf Synagoge: »Gezielter Gewaltakt gegen die jüdische Gemeinschaft«

Der Täter fährt mit einem Fahrzeug in die Synagoge »Temple Israel«. Dort wird er erschossen, bevor er Gemeindemitglieder ermorden kann

 13.03.2026

Trondheim

Vorfall vor Synagoge in Norwegen

Im norwegischen Trondheim drang ein bewaffneter Mann in die Synagoge ein. Die Polizei konnte ihn festnehmen

 13.03.2026 Aktualisiert

Michigan

Antisemitischer Anschlag: Amokläufer fährt mit Truck in Synagoge

Ein Amokläufer hat ein jüdisches Gemeindezentrum angegriffen, in dem sich auch ein Kindergarten befindet. Donald Trump spricht von einer »schrecklichen Sache«

 13.03.2026 Aktualisiert

Belgien

Steckt der Iran hinter dem Terroranschlag von Lüttich?

Ein Bekennervideo, das die Explosion vor der Lütticher Synagoge am frühen Montagmorgen zeigt, deutet auf einen islamistischen Hintergrund der Tat hin

 12.03.2026