Europa

Allianz der Israelhasser

Relativiert den 7. Oktober 2023: Fouad Ahidar Foto: picture alliance/dpa/Belga

Gewalttätige Proteste, Kampagnen von Organisationen wie »The Muslim Vote« sowie Drohungen gegen Abgeordnete haben den Gaza-Krieg ins Zentrum des britischen Wahlkampfes befördert. Konservative Politiker sahen die Unabhängigkeit des Parlaments bedroht. Die politische Stimmung ist so aggressiv wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Aber nicht nur im »Mutterland der Demokratie« geht die Angst um. Denn auch auf dem Kontinent haben sich Parteien formiert, die mit einer antizionistischen Agenda Wahlkampf betreiben – beispielsweise die Free Palestine Party (FPP), eine Allianz propalästinensischer und muslimischer Parteien in Europa, die mit Israelhass Wähler mobilisieren wollen.

Lesen Sie auch

Anlässlich der Europa-Wahl hatte die FPP im März in Brüssel ihr Programm vorgestellt. Die Hauptstadt der Europäischen Union selbst hat einen muslimischen Bevölkerungsanteil von rund 20 Prozent. Dort agiert auch das Team Fouad Ahidar (TFA), eine Partei, die bereits unmittelbar nach ihrer Gründung bei der Parlamentswahl in der Region Brüssel-Hauptstadt beachtliche 16,5 Prozent der flämischen Stimmen erhielt. Die laut dem liberalen Abgeordneten Guy Vanhengel »stark auf die Scharia fokussierte« TFA landete auf dem zweiten Platz und gewann drei Sitze.

In einem Interview sprach Ahidar vom 7. Oktober 2023 als »kleine Antwort eines Teiles der Hamas gegen die Aktionen Israels«, bezeichnete Juden generell als »Psychopathen«. Israel warf er einen »Genozid« vor: »Ich kann diesen Begriff verwenden, weil ich nach Auschwitz gefahren bin, um zu sehen, was Völkermord ist, was ein Massaker ist. Ich stelle heute fest, dass praktisch die gleichen Methoden angewandt werden.« Mehrere jüdische Organisationen reichten Klage ein.

Einfluss nicht unterschätzen

Neben TFA sind fünf weitere Parteien in der FPP organisiert: die Union des Démocrates Musulmans Français (UDMF), die niederländische NIDA, die Andalusi Party (PA) aus Spanien, Nuance aus Schweden und das Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit (BIG) aus Deutschland. Während die UDMF, Initiatorin dieses Bündnisses, sich als islamisches Gegenstück zu den konservativen, eher christdemokratischen Parteien positioniert, gibt sich NIDA progressiver: Forderungen nach einem Blasphemieverbot und dem Recht zum Tragen religiöser Symbole im Staatsdienst werden mit populären Ideen wie Diversität, Grundeinkommen oder Vermögenssteuer verknüpft.

Ein Bündnis mit linken und grünen Parteien in Rotterdam scheiterte, nachdem ein Mitglied in einem Tweet Israel mit dem Islamischen Staat gleichsetzte. Parteichef Nourdin El Ouali hat nachweislich Verbindungen zur Muslimbruderschaft, zur Hamas und zur Union türkischer Demokraten, dem europäischen Zweig der AKP.

Auch die BIG gilt als AKP-Ableger. Bilal Uwe Wilbert aus dem Parteivorstand trat bei Al-Quds-Tag-Demonstrationen als Haupt-
redner in Erscheinung. Der stellvertretende Bundesvorsitzende Ismet Misirlioglu ist im Moscheeverein Inssan und war bei Islamic Relief Deutschland aktiv. Beide Organisationen stehen der Muslimbruderschaft nahe. Ob konservativ oder links, das Programm dieser Gruppierungen liest sich wie ein Wunschkatalog des BDS: Handelsembargo, Stopp der Waffenlieferungen, Schließung des europäischen Luftraums und der Häfen, Ausschluss von Israelis bei internationalen Wettbewerben.

Auch wenn der Erfolg der FPP bei den EU-Wahlen recht bescheiden ausfiel, darf man den außerparlamentarischen Einfluss ihrer Akteure nicht unterschätzen. Sollte das Beispiel Großbritannien, wo Personen mit einer »propalästinensischen« Agenda bereits politische Ämter erobern konnten, auch auf dem Kontinent Schule machen, dürfte das Phänomen FPP nicht so schnell wieder verschwunden sein.

Schweiz

Den eigenen Weg gehen

Kollektive Begeisterung macht blind und dumm, ganz gleich, ob sie von rechts oder links kommt, findet Berns Botschafter in Israel. Und liefert literarische und filmische Quellen als Inspiration für das Schwimmen gegen den Strom

von Simon Geissbühler  11.08.2026

Frankreich

Schrecken der Milliardäre

Der jüdische Ökonom Gabriel Zucman fordert eine stärkere Besteuerung der Superreichen. Beim Geldadel stoßen seine Ideen jedoch auf heftigen Widerstand

von Christine Longin  11.08.2026

Österreich

Zwei Israelinnen in Wien vermisst

Die israelische Botschaft vor Ort bittet die Öffentlichkeit um Hilfe

 11.08.2026 Aktualisiert

Österreich

Drei orthodoxe Familien mit Hubschrauber gerettet

Ein hochalpiner Ausflug von drei jüdischen Großfamilien in Tirol endete mit einer Helikopterbergung. Auf über 2300 Metern waren sie auf Hilfe angewiesen.

von Nicole Dreyfus  11.08.2026

Flüge

US-Airline nimmt Route Tel-Aviv-New York wieder auf

Pünktlich zu Rosch Haschana gibt es wieder Direktflüge zwischen New York und Tel Aviv von anderen Anbietern als El Al

 09.08.2026

Großbritannien

Verdacht: Britische Hilfsorganisation könnte Hamas unterstützt haben

Die Anti-Terror-Polizei Londons untersucht, ob eine muslimische Hilfsorganisation von der Terrorfinanzierung mit ihren Spenden wusste oder nicht

 09.08.2026

Griechenland

Warnung an Israelis in Griechenland

Weil »propalästinensische« Organisationen zu einem »Tag des Zorns« aufgerufen hätten, sollen sich Israelis bedeckt halten, warnt das israelische Außenministerium

 09.08.2026

Jerusalem

Großeltern umgebettet: Theodor Herzls letzter Wille ist erfüllt

Die Überreste von Schimon und Rikva Herzl, Vorfahren väterlicherseits des Zionismus-Begründers und prägende Gestalten in Theodor Herzls Jugend, wurden von Serbien nach Israel überführt und auf dem Herzlberg beigesetzt

 06.08.2026

Palma

Michael Douglas ist Ehrenbotschafter Mallorcas

Der Hollywood-Star mit jüdischem Familienhintergrund wird für seine enge Verbindung zu der spanischen Insel und sein Engagement für deren kulturelles Erbe geehrt

 06.08.2026