Belgien

85 jüdische Grabmale geschändet

Foto: IMAGO/Steffen Unger

Entsetzen in Belgien: Wie der Bürgermeister von Charleroi, Paul Magnette, am Donnerstag mitteilte, wurden auf dem jüdischen Teil eines Friedhofs im Stadtteil Marcinelle 85 Gräber geschändet. Charleroi liegt im Süden des Landes.

Es bestünden kaum Zweifel, dass es sich um eine antisemitische Tat handele, sagte Magnette, der auch Vorsitzender der Sozialistischen Partei im französischsprachigen Landesteil ist. Zahlreiche auf Grabsteinen angebrachten Davidsterne seien gestohlen worden. Einige von ihnen wurden unweit des Friedhofs wiedergefunden.

Einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Senders RTBF zufolge wurden auf dem Friedhof in Marcinelle auch Metallkreuze gestohlen. Die Vandalen hätten sie hinter der Friedhofsmauer zurückgelassen, offenbar, nachdem sie festgestellt hatten, dass es sich um Bronze und nicht um Kupfer handelte. Abgesehen von dem Diebstahl der Bronzen seien auf dem jüdischen Areal des Friedhofs keine weiteren Beschädigungen festgestellt worden, so die RTBF. Die Polizei prüfe deshalb auch, ob es sich möglicherweise um einen Metalldiebstahl gehandelt habe.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die Grabschändungen wurden schon am Mittwoch entdeckt. Man sei dabei, die betroffenen Familien zu informieren, erklärte Bürgermeister Magnette weiter. »Ich möchte den Familien, die von diesen unsäglichen Taten betroffen sind, meine Solidarität und Unterstützung aussprechen. Antisemitismus ist ein Übel, das wir weiterhin mit aller Kraft bekämpfen müssen«.

Belgiens Außenministerin Hadja Lahbib nannte die Tat in einem Posting auf X »beschämend und schockierend«, und fügte hinzu: »Diejenigen, die bei uns die Saat des Nahostkonflikts säen, tragen eine große Verantwortung für den Anstieg von Antisemitismus, Rassismus und Hass. Die Zeit ist reif für Einheit und Dialog.« Andere Politiker äußerten sich ähnlich.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die Tat sei ein »Angriff auf die Werte einer ganzen Gesellschaft«, so der Vorsitzende des Koordinationskomitees der jüdischen Organisationen Belgiens (CCOJB), Yves Oschinsky. »Die Schändung eines Grabes ist ein Angriff auf das Heiligste, was die jüdische Gemeinschaft hat, nämlich den Respekt vor den Toten. Den Davidstern abzureißen bedeutet, dass man den Juden ihre Identität nimmt, auch im Tod.«

Die Stimmung in Belgien seit dem Hamas-Terrorangriff am 7. Oktober sei zusehends von Israelfeindlichkeit geprägt, schrieb Oschinsky vor einigen Tagen in einem Gastbeitrag für die Zeitung »La Libre Belgique«. mth

Österreich

Bericht: Wien wird zur Anlaufstelle für deutsche Juden

Wien als sicherer Hafen für Juden? Immer mehr jüdische Familien zieht es dem Vernehmen nach aus Deutschland in die österreichische Hauptstadt. Antisemitismus nimmt aber auch hier zu

 20.09.2026

Weimar

Gedenkstätte Buchenwald bittet um Spenden für Kyryl Romantschenko

Die Familie Romantschenko ist der Gedenkstätte Buchenwald seit Jahrzehnten eng verbunden. Nun benötigt der 18-jährige Kyryl Romantschenko Unterstützung

 19.09.2026

Ranking

Das sind die 50 einflussreichsten Juden weltweit

von Michael Thaidigsmann  19.09.2026

Großbritannien

Burnham will Beschränkungen für katholische und jüdische Premiers abschaffen

Die Regierung in London legt einen Gesetzentwurf zur Aufhebung religiöser Beschränkungen vor, die aus dem 19. Jahrhundert stammen

 18.09.2026

Synagoge in Mailand (Archiv)

Mailand

»Niemand wird mich hier erniedrigen«

Nach antisemitischer Attacke durch arabische Männer: Jetzt spricht der angegriffene Rabbiner

 17.09.2026 Aktualisiert

Nachruf

Peter Max: Der Künstler hinter den bunten Bildern der Hippie-Ära

Peter Max Finkelstein ist tot. Er wurde in Berlin geboren. Seine Familie und er flohen vor den Nazis nach Shanghai und kamen später über Israel nach Amerika.

 17.09.2026

München

Rabbiner: Plan gegen islamistischen Terror ist Vorbild für Europa

Mit einem Zehn-Punkte-Plan sollen in Deutschland Radikalisierung und islamistischer Terror bekämpft werden. Zustimmung kommt von Rabbinern, die über die Landesgrenzen hinaus denken

von Leticia Witte  17.09.2026

Hilfe in Zeiten des Krieges

Wie geht es Juden in der umkämpften Ukraine und im angrenzenden Rumänien? Unser Autor begleitete eine ZWST-Delegation auf ihrer Reise nach Czernowitz und Suceava

von Michael Thaidigsmann  17.09.2026

Der jüdische Kardinal

Den einen zu jüdisch, den anderen zu katholisch: Heute vor 100 Jahren wurde Aron Jean-Marie Lustiger geboren

von Andrea Krogmann  16.09.2026