Israel

Zwei Männer verschollen

Nachdem die Nachrichtensperre aufgehoben wurde, äußerte sich ein Familienmitglied Avraham Mengistos vor der Presse. Foto: Flash 90

Der aus Äthiopien stammende Israeli Avera Mengistu und ein Beduine aus dem Süden Israels werden offenbar von der Hamas im Gazastreifen festgehalten. Israelische Behörden gehen davon aus, dass beide am Leben sind. Die Hamas hüllt sich dazu bisher in Schweigen.

Wie es zu dem Verschwinden der beiden Israelis kam, ist höchst undurchsichtig. Der 28-jährige Israeli aus einem Armutsviertel in Aschkelon sei schon im September verschwunden. Mit richterlicher Verfügung wurde eine strenge Nachrichtensperre verhängt. Warum die ausgerechnet jetzt aufgehoben wurde, dazu gab es keine Angaben.

Geheimhaltung Israels Staatspräsident Reuven Rivlin war von der Aufhebung der Nachrichtensperre am Donnerstag »nicht überrascht«, da er von Anfang an eingeweiht gewesen sei. Er habe mit der Familie Kontakt gehalten. Diese habe jedoch den Wunsch geäußert, das Verschwinden Mengistus geheim zu halten. Gleichzeitig hieß es, dass die Behörden der Familie zur Geheimhaltung geraten hätten, um den Verbleib der verschwundenen Israelis mithilfe eines deutschen Vermittlers auszuloten. Es gab zudem Vermutungen, dass Mengistu an einer psychischen Erkrankung leide.

Gleichzeitig wurden zudem rassistische Vorwürfe laut. Mengistu habe militärische Absperrungen in Nähe des Gazastreifens nur deshalb ungestört überwinden können, weil er eine dunkle Hautfarbe habe. »Wäre er ein ›weißer‹ Israeli gewesen, hätte man ihn gestoppt«, hieß es aus der äthiopischen Community, die seinen Namen auch bei den Demonstrationen gegen Rassismus und Diskriminierung in den vergangenen Wochen erwähnt haben soll. Vorwürfe, Israel habe sich nicht wirklich um Mengistus Rettung und Rückkehr gekümmert, weil er dunkelhäutig sei, wurden von Staatspräsident Reuven Rivlin persönlich zurückgewiesen.

Geisel Die Vorwürfe, das Verschwinden Avera Mengistus werde in den Medien nicht so thematisiert wie das des entführten Soldaten Gilad Schalit, erklärten Sicherheitskreise damit, dass man die beiden Fälle nicht miteinander vergleichen könne. Schalit habe als Soldat im Auftrag seines Landes nahe der Grenze zum Gazastreifen gedient, als er von der Hamas entführt und anschließend fünf Jahre als deren Geisel in Gefangenschaft war. Avera Mengistu hingegen sei aus noch ungeklärten Gründen in den Gazastreifen gelangt.

Die Hamas hat bislang keine Forderungen gestellt. Das führende Hamasmitglied Hassan Jusuf sagte einem Reporter, dass die Hamas erst Informationen preisgeben werde, wenn alle im Tausch für Gilad Schalit freigelassenen Häftlinge, die inzwischen wieder verhaftet wurden, auf freiem Fuß seien. Zufällig wurde einer von ihnen am Donnerstag in Bethlehem verhaftet, weil er Steine auf israelische Soldaten geworfen habe.

Über den zweiten im Gazastreifen verschwundenen Israeli ist noch weniger bekannt, zumal dessen Name weiterhin nicht veröffentlicht werden darf. Angeblich handelt es sich um einen Beduinen aus dem Süden Israels. Er sei schon mehrmals im Gazastreifen gewesen.

Jerusalem

Benjamin Netanjahu bei Wahl vorn - aber ohne Mehrheit

Bleibt der heutige Ministerpräsident an der Macht? Oder kommt es zum Regierungswechsel? Der Politikveteran gibt sich in der Wahlnacht trotz unklarem Ausgang siegesgewiss

 28.10.2026

Analyse

Die Wahl bringt keinen klaren Sieger hervor - was nun?

Die Wahlbeteiligung war mit 77,7 Prozent die höchste seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Doch die richtungsweisende Wahl in Israel ergab zunächst kein klares Ergebnis. Wie geht es jetzt weiter?

von Sara Lemel  27.10.2026

Israel

Wahltag in Blau-Weiß

Bis zuletzt warben die Parteien vor den Wahllokalen um Stimmen - und von denen gab es viele zu holen: Die Wahlbeteiligung war so hoch wie seit 1988 nicht mehr. Ein 94-Jähriger gab seine Stimme mit letzter Kraft ab und starb kurz darauf

von Sabine Brandes  27.10.2026

Knesset-Wahl

Eisenkot will Netanjahu ablösen

Netanjahus Likud liegt zwar laut ersten Prognosen vorn, doch seinem Lager fehlen viele Sitze zur Mehrheit. Ex-Militärchef Eisenkot will die Regierung ablösen – doch gelingt ihm das?

 27.10.2026

Knesset-Wahl

Lapid: Öffentlichkeit hat Netanjahu-Lager »nach Hause geschickt«

Netanjahus Likud-Partei wurde zwar laut Prognosen stärkste Kraft im Parlament, kommt aber mit ihren Partnern nicht auf eine Mehrheit. Die Opposition sagt, seine Regierung sei damit »gefeuert«.

 27.10.2026

Israel

Eisenkot-Lager liegt vor Netanjahu-Lager

Die Likud-Partei des Premiers wurde allerdings ersten Prognosen zufolge stärkste Kraft. Der Wahlausgang ist alles andere als eindeutig

 27.10.2026 Aktualisiert

Entscheidung

Keine längeren Öffnungszeiten trotz hoher Wahlbeteiligung

15 Stunden haben die Israelis Zeit, ihre Stimme abzugeben. Ein Antrag, die Abstimmung zu verlängern, scheiterte

von Sabine Brandes  27.10.2026

Knesset-Wahl

Überschwemmungen behindern Wahl im Süden Israels

Überflutete Zufahrtsstraßen, abgeschnittene Orte: Im Süden Israels kamen manche Einwohner nicht zu ihrem Wahllokal. Reicht die Zeit noch, bevor die kleinen Wahllokale schließen?

 27.10.2026

Israel

Wer wählt wen und warum?

Von unerschütterlicher Bibi-Treue bis zur Sehnsucht nach einem Neuanfang: Wir haben Israelis gefragt, wem sie ihre Stimme gegeben haben

von Sabine Brandes  27.10.2026