Corona-Pandemie

Zurück in den Alltag

Können wieder ihre Bahnen ziehen: Schwimmer im Gordon Pool in Tel Aviv Foto: Flash 90

Wieder einmal ins Kino gehen, im Fitnessstudio schwitzen oder zum Urlaub ins Ausland fliegen. Danach sehnen sich die Menschen während der Corona-Pandemie überall in der Welt. In Israel ist es seit Sonntag – teilweise – Realität. Die Menschen zeigen die »grünen Gesundheitspässe« und treten ein.

Diese Impfzertifikate unter dem Motto »Zurück zum Leben« sollen helfen, das öffentliche Leben zu normalisieren und die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Doch lediglich jenen, die vollständig immunisiert sind, wird der Pass von der Krankenkasse zugeschickt.

daten Neben Name, Personalausweisnummer und Geburtsdatum sind die Daten der beiden Impfungen im Pass gelistet. Er ist zunächst für sechs Monate gültig. Damit können Menschen schon jetzt wieder ins Schwimmbad gehen. Bald soll es Sport- oder Kulturveranstaltungen geben, werden Kinos und Hotels öffnen. Später soll darüber beraten werden, ob auch Besucher von Restaurants, Cafés und Bars den Pass benötigen.

Für die meisten Schüler gilt mittlerweile wieder der Präsenzunterricht.

Für die meisten Schüler gilt mittlerweile wieder der Präsenzunterricht. Seit vergangenem Sonntag lernen die Klassen eins bis sechs sowie elf und zwölf wieder in den Schulen. Mehrere Kommunen entschieden auf eigene Faust, es auch Schülern der Klassen sieben bis zehn zu erlauben, an die Schulen zurückzukehren. Das »Forum 15«, ein Zusammenschluss der 15 größten israelischen Städte, entschied, sämtliche Klassen wieder in die Gebäude zu lassen. Das Kabinett hatte dies erst für den 9. März angekündigt und untersagte den Bürgermeistern den Alleingang.

Nach fast zwei Monaten landesweitem Lockdown hatte das Kabinett in Jerusalem beschlossen, verschiedene Bereiche für die Bevölkerung zu öffnen. Der Eintritt in Geschäfte, Märkte, Museen ist für alle Israelis möglich.

Premierminister Netanjahu, der am Wochenende selbst seinen grünen Pass in einem Sportstudio zückte, forderte seine Landsleute auf, es ihm gleichzutun. Gleichzeitig brach die Website des Gesundheitsministeriums, die die Zertifikate ausstellt, zusammen. Auch wenn es anfangs technische Schwierigkeiten geben sollte, bat Netanjahu die Israelis, geduldig zu sein und den Pass zu nutzen. »Es gibt bereits Zehntausende, die ihn haben. Der Pass hilft dabei, das Land wieder zu öffnen.«

Masken »Ich habe meinen Gesundheitspass vor einigen Tagen bekommen und ihn gestern schon zum Eintritt ins Fitnessstudio benutzt«, freut sich Omer Rozen. Er habe sich gewundert, dass das Sportstudio mehr als halb voll gewesen sei. »Ich dachte, ich wäre der Einzige.« Auch auf den Straßen sieht man, dass die Israelis es kaum erwarten können, ins Leben zurückzukehren.

Zwar noch mit Maske über Mund und Nase und oft ausreichendem Abstand – dennoch möchten sie ihre wiedergewonnenen Freiheiten genießen. »Selbst wenn noch nicht alles geöffnet ist, können wir Geimpfte dazu beitragen, die Wirtschaft in manchen Bereichen zu unterstützen.« Das sei dringend notwendig, meint Rozen. »Vor allem, wenn man bedenkt, wie viele Geschäfte schließen mussten.«

Zwar noch mit Maske über Mund und Nase und oft ausreichendem Abstand – dennoch möchten die Israelis ihre wiedergewonnenen Freiheiten genießen.

Er ist zweifach mit dem Wirkstoff von BioNTech/Pfizer geimpft und findet es »total okay, dadurch gewisse Sonderrechte zu haben«. »Wir sind alle in derselben Situation in der Corona-Pandemie. Wer sich impfen lässt, geht ein gewisses Risiko ein, denn man weiß ja nichts über eventuelle Langzeitfolgen des Vakzins. Und wer bereit ist, dieses Risiko zu tragen, sollte dafür Privilegien bekommen. Es kann ja jeder beim Impfen mitmachen.«

tourismus Auch der Tourismus soll mithilfe des Zertifikats wieder angekurbelt werden. Hotels im ganzen Land bereiten ihre Zimmer zunächst noch für inländische Gäste vor, aber natürlich in der Hoffnung, bald wieder Touristen aus aller Welt beherbergen zu können. Das allerdings wird noch dauern.

Premierminister Benjamin Netanjahu unterschrieb bereits Abkommen mit Griechenland, Zypern, Estland und den Seychellen für gegenseitige Besuche von – geimpften – Touristen. Die Inhaber des Gesundheitspasses dürfen in die jeweiligen Länder reisen, ohne sich anschließend in Quarantäne begeben zu müssen. Allerdings ist der internationale Flughafen seit 25. Januar für sämtliche Flüge, außer für Cargo und Notfälle, gesperrt.

Zwar hat die Regierung vor, den Flugverkehr ab 6. März wieder zu erlauben, jedoch erwägt sie, lediglich Passagiere in die Maschinen zu lassen, die immunisiert sind. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass weitere Varianten des Coronavirus importiert werden.

reisebeschränkungen Bislang ist es 2000 Menschen gestattet, täglich ins Land zu kommen. Ab der kommenden Woche allerdings soll diese Zahl stark eingeschränkt werden. Die Minister des Corona-Kabinetts scheinen einig zu sein, die Reisebeschränkungen auszuweiten, um die Virus-Mutationen einzudämmen. Voraussichtlich werden dann nur noch 200 israelische Bürger am Tag akzeptiert.

Am Sonntag läuft die Frist für die Regelung ab, nach der sich alle Ankommenden für zwei Wochen in einem sogenannten Corona-Hotel in Quarantäne begeben müssen.

»Die 200-Menschen-Regel wird so lange bestehen, bis eine andere Lösung gefunden ist oder die Quarantäne in den Corona-Hotels wiederaufgenommen wird«, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Einreisen in humanitären Fällen werden trotz der Beschränkung weiterhin genehmigt. Tausende Israelis sind im Ausland gestrandet.

Impfung Mindestens rund 70 Prozent der Israelis ab 16 Jahren sind inzwischen geimpft worden. Knapp 4,5 Millionen Israelis hätten die Erstimpfung und mehr als drei Millionen bereits die Zweitimpfung erhalten, schrieb der israelische Gesundheitsminister Juli Edelstein am Dienstag. Etwa 30 Prozent der über neun Millionen Einwohner können derzeit noch keine Impfung erhalten, da sie unter 16 Jahre alt oder von einer Corona-Erkrankung genesen sind.

Cyber-Experten kritisieren, der Pass sei leicht zu fälschen.

Lob für die Impfkampagne gibt es aus der ganzen Welt, und auch in der Bevölkerung ist der grüne Pass begehrt. So sehr, dass Fälscher bereits Zehntausende Imitationen auf den Schwarzmarkt gebracht haben. Cyber-Experten kritisierten, er sei sehr leicht nachzumachen.

Gesundheitsminister Edelstein beruhigte, dass es sich bei der jetzigen Version um eine vorläufige handele, »um schnell zu reagieren«. Seine Behörde arbeite daran, einen sicheren Pass zu erstellen, der im Ausland anerkannt ist. Dann warnte er: »Wer meint, dies sei ein Kinderspiel, der irrt. Fälscher werden im Gefängnis landen.« Außerdem wird es mit einer Geldbuße von 1250 Euro für jeden, der mit einem Zertifikat erwischt wird, ohne geimpft zu sein, richtig teuer.

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