Jerusalem

Zorn auf dem Tempelberg

Muslimische Gläubige versammelten sich am Freitag an verschiedenen Orten Jerusalems, um demonstrativ öffentlich zu beten. Foto: Flash 90

Nach dem muslimischen Freitagsgebet sind in Israel und im Westjordanland wieder palästinensische Proteste ausgebrochen. Am Grab Rachels in der Nähe von Bethlehem versuchten israelische Sicherheitskräfte am Nachmittag, einer Menge von 200 Demonstranten Herr zu werden. Weitere Proteste gab es auch an anderen Orten im Westjordanland.

Im arabischen Viertel Wadi Dschoz im östlichen Teil Jerusalems warfen Kinder bei Protesten Hunderter Bewohner unter anderem Wasserflaschen auf israelische Sicherheitskräfte.

Gebet Vorausgegangen war das Verbot für Männer unter 50 Jahren, den Tempelberg für das Freitagsgebet zu betreten, um weitere gewaltsame Ausschreitungen wie in den vergangenen Wochen zu unterbinden. Muslimische Gläubige versammelten sich daraufhin an verschiedenen Orten der Stadt – etwa vor den Toren der Altstadt, auf verschiedenen Hauptverkehrsstraßen und an mehreren Checkpoints, die in der Stadt errichtet worden waren – um demonstrativ öffentlich zu beten.

Vor einer Polizeibarrikade in der Salah-a-Din-Straße, die den Zugang zur Altstadt abriegelte, versammelten sich Hunderte junger Palästinenser und skandierten Parolen wie »Mit Blut werden wir Al-Aksa erlösen«. Etliche trugen Baseballkappen mit der Aufschrift »Ich bin Muslim und würde für Al-Aksa bluten«. Ähnliche Worte hatte der Mörder der Familie Salomon vor einer Woche benutzt.

Vorwand Unter den Personen, denen der Zugang zum Tempelberg untersagt wurde, war auch der Knessetabgeordnete Hanin Zoabi von der Vereinigten Arabischen Liste. Er rief den Sicherheitskräften zu: »Eines Tages werden wir in Jerusalem sein, und ihr seid draußen!«

Am Dienstag hatte Israel die umstrittenen Metalldetektoren am Tempelberg wieder abgebaut, die errichtet worden waren, nachdem am Freitag, den 14. Juli, zwei Grenzpolizisten vor dem Eingang des Tempelbergs von israelisch-arabischen Terroristen erschossen wurden. Diese Metalldetektoren wurden zum Vorwand für gewalttätige Proteste von Muslimen, die durch die Sicherheitsmaßnahmen ihre religiösen Gefühle verletzt sahen.

Mord Am vergangenen Freitag ermordete ein palästinensischer Terrorist drei Mitglieder der Familie Salomon in ihrem Haus in der jüdischen Siedlung Halamisch. Der Mörder hatte vorher auf Facebook gepostet, dass er »für Al-Aksa sterben« werde. Der Vater des Täters erklärte den Mord anschließend mit der Wut seines Sohnes über die Sicherheitsmaßnahmen am Tempelberg.

Bei einem Kondolenzbesuch bei der Familie der Opfer sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gestern, er wünsche sich, dass der Mörder hingerichtet werde, »damit er nie wieder lächeln kann«. Die Anwendung der Todesstrafe sei eine Entscheidung der Justiz, betonte Netanjahu, aber seiner persönlichen Meinung nach wäre sie in diesem Falle angebracht. Israel hat in seiner Geschichte bisher ein einziges Todesurteil gefällt und vollstreckt: 1962 gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann. ja

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