Angehörige der Geiseln in Gaza

»Wir können hier nicht mehr rumsitzen«

Sie haben genug herumgesessen – 39 Tage und Nächte lang. Dieser Meinung sind die Angehörigen der mindestens 239 Geiseln, die in Gaza verschleppt sind. Jetzt wollen sie nicht mehr tatenlos zusehen.

Am Dienstagnachmittag marschierten die Familien gemeinsam vom Vorplatz des Kunstmuseums in Tel Aviv, den sie in den vergangenen Wochen zu ihrem Hauptquartier gemacht hatten, in Richtung Jerusalem.

Ziel des Marsches ist es, von Premierminister Benjamin Netanjahu und dem Kriegskabinett Antworten zu erhalten. »Erklären Sie uns Israels Forderungen für einen Geiseldeal«, so das Forum für die Geisel- und Vermisstenfamilien, das die Angehörigen vertritt. Der Marsch wird über mehrere Stationen führen, darunter Be’er Yaakov und die Latrun Kreuzung, und am Samstagabend vor dem Büro des Premierministers enden, wo eine Kundgebung stattfinden soll.

Die Familien rufen alle israelischen Bürger, das Kriegskabinett und Jugendvereinigungen auf, sich dem Marsch der Familien und ihrer Forderung anzuschließen, dass alle Gefangenen sofort freigelassen werden müssen.

Israelische Beamte gaben am Montag bekannt, dass eine der Geiseln, die während des mörderischen Angriffs der Hamas am 7. Oktober entführt wurde, wahrscheinlich in Gefangenschaft ihr Kind zur Welt gebracht hat. Die Vermutung, dass die Frau, die im neunten Monat schwanger war, entbunden hatte, beruhte auf der seitdem verstrichenen Zeit und nicht auf der Grundlage konkreter Informationen, betonten die Beamten.

39 Tage und Nächte, in denen alles nichtig ist

»Sagen Sie uns, was Sie auf den Tisch gelegt haben, um einen Deal zur Freilassung der Geiseln aus Gaza umzusetzen«, fragte Yaela David, die Schwester von Evyatar David, als sie auf das Foto ihres Bruders in ihrer Hand zeigte. Sie wolle ihren Bruder zurück und endlich sein »wunderschönes Lächeln« wiedersehen. »39 Tage – und alles, was wir über Evyatar wissen, stammt aus Videos der Hamas. Nichts von der Regierung.«

Sie habe darin gesehen, wie ihr Bruder brutal entführt wurde, als er auf einer Party das Leben feierte, und sich in der Hölle wiederfand. »39 Tage lang haben wir unseren Stimmen Gehör verschafft, jetzt wollen wir Antworten.« Dies sei nicht nur ein Krieg der IDF-Soldaten und der Geiselfamilien, »dies ist der Krieg von uns allen. Schließen Sie sich uns an und helfen Sie uns, die Geiseln jetzt nach Hause zu bringen«, bat David inständig.

»Ich verlange von Benjamin Netanjahu und dem gesamten Kabinett, dass sie uns Antworten geben. Geben Sie unsere Kinder zurück! Wir bitten nicht, wir verlangen es!«

shelly shem tov, omers mutter

Shelly Shem Tov, die Mutter von Omer Shem Tov, der ebenfalls vom Nova-Festival entführt wurde, sprach nicht, sie weinte und rief flehend: »39 Tage, in denen Omer in den Händen der Hamas ist. 39 Tage, in denen ich nicht weiß, was mit meinem Sohn passiert. Ich weiß nicht, ob er isst, ob er schläft, ob sie ihn schlagen. Ich weiß nicht, ob er seine Medikamente bekommt, er hat Asthma und kann nicht gut atmen.«

Shem Tov verlangt von Netanjahu und dem gesamten Kabinett, »dass sie antworten, weil wir keine Kraft mehr haben. Wir wollen Antworten, wir brauchen endlich Antworten!« Sie wisse nicht, ob sich die Menschen vorstellen können, wie es ist, wenn man als Mutter nichts für den eigenen Sohn tun könne. 39 Tage und Nächte, in denen sich alles nichtig anfühle, nichts mehr Sinn habe. »Es gibt keinen Tag mehr für uns, keine Nacht. Es gibt nichts mehr, nichts! Wo seid ihr? Wo seid ihr?«, rief sie schluchzend. »Ich verlange von Benjamin Netanjahu und dem gesamten Kabinett, dass sie uns Antworten geben. Geben Sie unsere Kinder zurück! Wir bitten nicht, wir verlangen es!«  

Keine Zeit mehr zum Warten

Auch der Bruder von Adi Shoham, die zusammen mit ihrem Ehemann Tal und ihren beiden Kindern Yahel (3 Jahre) und Nave (8 Jahre) entführt wurde, will nicht weiter »rumsitzen«. Jeden Moment erlebten sie den Schmerz, »und ich kann nicht länger hier sitzen und warten. Wie ist es logisch, dass 39 Tage vergangen sind und jeder Tag, der vergeht, ihr Leben gefährdet? Wir müssen sie jetzt nach Hause bringen, das haben wir Keine Zeit mehr zum Warten.«

Der Bruder von Itzik Elgart, Danny Elgart, beklagte, dass man ständig von der Terrororganisation Hamas höre und genau wisse, was sie will. »Aber wir wissen nichts vom Staat Israel! Die Regierung liefert keine Antworten, obwohl sie diejenige ist, die sie liefern muss.« An Netanjahu gerichtet sagte er: »Er ist derjenige, der diese Katastrophe zugelassen hat. Er ist derjenige, der Antworten geben muss.«

Außerdem verlangte Elgart, wie alle anderen Angehörigen, dass alle Geiseln zusammen freigelassen werden. »Es darf keine Teilvereinbarung geben. Sie haben uns am 7. Oktober genug getrennt. Sie müssen alle zurück nach Hause! Und zwar jetzt!«

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