Gazakrieg

»Wir bringen erneut unsere Empörung zum Ausdruck«

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock mit ihren Amtskollegen Jean-Noël Barrot (l), David Lammy (2.v.l) und dem Amerikaner Marco Rubio Foto: IMAGO/UPI Photo

Die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens haben in einer gemeinsamen Erklärung die israelische Regierung scharf kritisiert. Deren Entscheidung, die Einfuhr von Hilfsgütern in den Gazastreifen zu blockieren, bezeichneten sie als »nicht hinnehmbar«.

Die Bevölkerung in der Küstenenklave sei von Hunger, Epidemien und Tod bedroht, so die Erklärung weiter. »Lebensnotwendige Güter sind entweder nicht mehr verfügbar oder gehen schnell zur Neige.« Die Minister appellierten an Israel, seine Blockade des Gazastreifens aufzugeben.

Verteidigungsminister Israel Katz wird in dem Statement namentlich genannt und scharf kritisiert. »Die jüngsten Kommentare von Minister Katz, mit denen die humanitäre Hilfe politisiert wird, und die israelischen Pläne, nach dem Krieg in Gaza zu bleiben, sind inakzeptabel – sie schaden den Aussichten auf Frieden.«

Katz hatte vor rund einer Woche angekündigt: »Es kommt keine humanitäre Hilfe nach Gaza.« Damit will der Verteidigungsminister Druck auf die Hamas ausüben, die noch immer 59 Geiseln in ihrer Gewalt hat.

Lesen Sie auch

Humanitäre Hilfe dürfe »niemals als politisches Instrument eingesetzt werden, und das palästinensische Gebiet darf weder verringert noch einer demografischen Veränderung unterworfen werden. Israel ist nach dem Völkerrecht verpflichtet, die ungehinderte Durchleitung humanitärer Hilfe zu gestatten«, so die gemeinsame Erklärung, die am Mittwochnachmittag veröffentlicht wurde.

»Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen«

Weiter wird Israel darin aufgefordert, den Vereinten Nationen und anderen Hilfsorganisationen ungehinderten Zugang gewährleisten, damit sie im gesamten Gazastreifen sicher arbeiten können. Die Terrororganisation Hamas dürfe zudem Hilfslieferungen nicht umleiten, um daraus finanziellen Gewinn zu ziehen, und die zivile Infrastruktur nicht für militärische Zwecke nutzen, forderten die Minister. Wie dies durchgesetzt werden soll, erläuterten sie nicht. Auch im Hinblick auf die Umsetzung ihrer Forderung nach sofortiger Freilassung der israelischen Geiseln durch die Hamas wurden sie nicht konkreter.

Vor allem mit der Regierung von Benjamin Netanjahu und den israelischen Streitkräften (IDF) gehen die Außenminister ins Gericht. So heißt es in der Erklärung wörtlich: »Wir bringen erneut unsere Empörung über die jüngsten Angriffe israelischer Streitkräfte auf Personal, Infrastruktur, Räumlichkeiten und Gesundheitseinrichtungen der humanitären Hilfe zum Ausdruck.«

Israel müsse viel mehr tun, um zivile Ziele und humanitäre Helfer zu schützen. »Dazu gehört auch, Mechanismen für Konfliktentschärfung wiederherzustellen und so dem humanitären Personal Bewegungsfreiheit innerhalb des Gazastreifens zu ermöglichen.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die IDF müsse zudem verhindern, dass medizinisches Personal bei Militäreinsätzen zu Schaden kämen, hieß es mit Blick auf die von israelischen Soldaten am 23. März getöteten palästinensischen Sanitäter. Die israelische Armee hatte später Fehler eingeräumt und von einem »operativen Missverständnis« gesprochen. Verantwortliche Befehlshaber wurden entlassen, gegen andere folgten Disziplinarmaßnahmen.

Israel weist Kritik zurück

Eine Rückkehr zu dem im März ausgelaufenen Waffenstillstand sei unerlässlich, betonten Annalena Baerbock, Jean-Noël Barrot und David Lammy in ihrer gemeinsamen Erklärung.

Israel wies der Vorwürfe der drei europäischen Regierungen zurück. Ein Sprecher des Außenministeriums nannte sie auf der Plattform X »moralisch verdreht und falsch«. Israel ergreife im Kampf gegen die Hamas alle nötigen Vorsichtsmaßnahmen. »Wo es – wie in jedem Krieg – tragischerweise zu Vorfällen kommt, führt die IDF gründliche, transparente Untersuchungen durch und zieht Konsequenzen. Verurteilungen sollten sich auf Hamas richten – sie nutzt Krankenhäuser als Verstecke und missbraucht Zivilisten als Schutzschilde.«

Die Tatsache, dass die Geiseln der Hamas nur am Rande erwähnt worden seien, nannte der Sprecher »erschreckend«. Er fügte hinzu: »Der Versuch der E3, eine angebliche Gleichwertigkeit zwischen Israel und Hamas herzustellen, ist ethisch unerträglich.« mth

Israel-Hasserin El Hissy

Jüdische Gemeinde Frankfurt übt scharfe Kritik am Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Die Hintergründe

 04.09.2026

Bildung

Fragt mich!

Der deutsch-israelische Psychologe Ahmad Mansour besucht regelmäßig Schulen. Hier erzählt er, wie aus Sprachlosigkeit ein offener Austausch über Antisemitismus, Israel und den Nahostkonflikt entstehen kann

von Ahmad Mansour  04.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  04.09.2026

Jerusalem

Netanjahu: Sturz des Regimes im Iran »zentrale Mission« Israels

»Ich bin zuversichtlich, dass wir in der Lage sind, diese Bedrohung ein für alle Mal zu beseitigen«, sagt der Ministerpräsident

 04.09.2026

Knesset-Wahlen

Ein Wegweiser durch den Dschungel der israelischen Politik

Am 27. Oktober wählt Israel. Sie wollen mitreden, aber können die Parteien nicht auseinanderhalten? Willkommen im Klub. Die Israelis können es auch nicht

von Guy Katz  04.09.2026

Rehovot

Israelische Forscher melden Erfolg bei Krebsforschung

Forscher des Weizmann Institute of Science entdeckten gemeinsam mit amerikanischen Wissenschaftlern einen bislang unterschätzten Mechanismus bei der Entstehung genetischer Mutationen

 04.09.2026

Interview

»Die meisten arabischen Staaten wollen, dass Israel gewinnt«

Dan Schueftan gilt als wichtigster israelischer Sicherheitsexperte. Er sieht Jerusalem so stark wie nie zuvor – und Europa auf einem ideologischen Irrweg

von Detlef David Kauschke  03.09.2026

Umfrage

Umfrage: Netanjahu-Lager holt auf, beide Blöcke bei 53 Mandaten

Noch vor einer Woche hatte dieselbe Umfrage ein deutlich anderes Bild ergeben. Damals lag die Opposition mit 57 Sitzen vorn

 03.09.2026

Missbrauch

Razzia gegen Kinderehen

Die Polizei ermittelt gegen eine strengreligiöse sektenähnliche Gruppe wegen illegaler Hochzeiten von Minderjährigen

von Sabine Brandes  03.09.2026