Berlin

»Wir brauchen Taten«

Liran Berman mit einem Bild seiner in Gaza festgehaltenen Brüder Foto: Gregor Zielke

Herr Berman, Ihre Brüder Gali und Ziv sind am 7. Oktober aus dem Kibbuz Kfar Aza von Hamas-Terroristen entführt worden. Was wissen Sie über ihren aktuellen Zustand?
Als die ersten Geiseln im Rahmen eines Deals zurückkamen, sagten sie uns, dass sie die beiden lebend gesehen hatten. Sie seien am ersten Tag getrennt worden. Seitdem ist das die längste Zeit, die sie als Zwillinge in ihrem Leben getrennt waren. Sie haben eine besondere Verbindung, die nur Zwillinge haben. Sie können einander überall spüren, obwohl sie sich in getrennten Tunneln innerhalb von Gaza befinden. Ein zweites Lebenszeichen von beiden haben wir im Januar erhalten. Wir haben die Gewissheit, dass sie am Leben sind.

Befürchten Sie, dass die erneute Aufnahme der Kampfhandlungen im Gazastreifen Ihre Brüder gefährdet?
Ich hoffe sehr, dass die Rückkehr zu den Kämpfen eine strategische, taktische und richtige Maßnahme ist, um die Hamas wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Ich hoffe nicht, dass es erneut zu umfangreichen Kämpfen kommt und es dann wieder ein Jahr dauert, bis ein weiterer Geiseldeal zustande kommt. Diese Zeit haben meine Brüder nicht.

Staatspräsident Isaac Herzog hat am Dienstag gesagt, dass er schockiert sei, dass Israel den Fokus auf die Geiseln verloren habe, dass das Thema plötzlich nicht mehr ganz oben auf der Prioritätenliste stehe. Haben Sie den gleichen Eindruck?
Ja, das Thema ist nicht mehr oben auf der Tagesordnung. Wir müssen in unserem Land und in der ganzen Welt erklären, dass dies das wichtigste Thema in Israel ist. Es wird danach noch genügend Zeit geben, sich allen anderen Problemen zu widmen – nachdem die Geiseln zurückgekehrt sind.

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Sie sind mit einer Gruppe ehemaliger Geiseln und Angehörigen von Entführten diese Woche in Berlin. Sie haben Termine im Bundestag und im Auswärtigen Amt, außerdem ein Treffen mit dem Bundespräsidenten. Was wollen Sie erreichen?
Wir erwarten, dass die deutsche Regierung alles in ihrer Macht Stehende unternimmt, damit die israelischen Geiseln, die zugleich eine deutsche Staatsbürgerschaft haben, freikommen. Wir brauchen die Unterstützung dieses stärksten Landes Europas, um Druck auf die Hamas auszuüben.

Was ist Ihre Verbindung zu Deutschland?
Unsere Großeltern stammen von hier, sie haben das Land vor dem Krieg verlassen. Mein Großvater kommt aus Berlin und meine Großmutter aus Dessau.

Wie sind die Reaktionen bei Ihren Gesprächen in Berlin, beispielsweise mit Politikern im Bundestag?
Wir erhalten viel Sympathie, aber wir brauchen Taten. Wir wissen, dass wir auf der richtigen Seite stehen. Jetzt ist internationaler Druck notwendig, damit erneut ein Geiseldeal verhandelt wird.

Was ist jetzt Ihre Hoffnung?
Wir unternehmen alles, was wir können, um unseren Einfluss geltend zu machen. Das ist schwer, sehr schwer. Wir müssen wieder zu einem Geiseldeal kommen. Wir haben gesehen, dass militärischer Druck hilfreich ist, aber am Ende sind die meisten Geiseln nach Verhandlungen zurückgekehrt. Meine Hoffnung ist, dass nicht nur meine Brüder, sondern alle 59 Geiseln gemeinsam nach Hause zurückkehren. Und erst, wenn die letzten zurückkommen, werden wir als Nation eine Zukunft haben.

Mit dem Bruder der israelischen Geiseln Gali und Ziv Berman sprach Detlef David Kauschke.

Kommentar

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