Corona-Krise

Weitere Restriktionen in Israel

Ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes Magen David Adom auf dem Weg zu einem Patienten in Safed, der auf das Coronavirus getestet werden soll. Foto: Flash 90

Die israelische Regierung hat die Restriktionen wegen des Ausbruchs des Virus Covid-19 weiter verschärft. Alle Bürger sind aufgerufen, ihre Häuser nicht mehr zu verlassen, außer, wenn es absolut nötig ist. 324 Infizierte sind bestätigt, fünf von ihnen befinden sich in kritischem Zustand. Das palästinensische Westjordanland gab 41 Fälle an. Rund 50,000 Menschen sind in Heimquarantäne.

Notstand Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte am Dienstag für den öffentlichen Sektor den Notstand, wodurch 80 Prozent oder mehr Angestellte nicht zur Arbeit gehen werden. Für den privaten Sektor rief er ein reduziertes Handeln aus. Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitern können weiter operieren, alle weiteren müssen die Zahl ihrer Beschäftigten um 70 Prozent reduzieren.

Notwendige Betriebe wie Supermärkte, Lebensmittelproduktion, Banken und Tankstellen sollen weiterhin relativ normal geöffnet sein. Nachts und am Wochenende wird sämtlicher öffentlicher Nahverkehr eingestellt. Die Menschen dürfe sich lediglich zu zehnminütigen Spaziergängen draußen aufhalten und müssen strikt sozialen Abstand von mindestens zwei Metern zueinander einhalten.

Für das Brechen der Quarantäne können Strafen bis zu 1200 Euro verhängt werden.

Die Polizei gab an, sie hoffe, dass sich die Menschen freiwillig an die Erläuterungen aus dem Gesundheitsministerium halten werden. »Es handelt sich um eine juristische Instruktion, nicht um eine verbindliche Regulation, daher werden wir sie nicht durchsetzen«, so eine Erklärung der Sicherheitsbehörde.

Für das Brechen der Quarantäne jedoch können Strafen bis zu 1200 Euro verhängt werden. Die Weigerung, bevölkerte Orte zu verlassen, kostet bis zu 750 Euro.

Heimatorte Palästinensische Arbeiter aus dem Westjordanland dürfen nur noch dann in Israel angestellt werden, wenn sie sich verpflichten, mindestens zwei Monate in Israel zu bleiben, ohne zwischendurch in ihre Heimatorte zurückzukehren.

Das Coronavirus belastet nicht nur das Gesundheitssystem, sondern die komplette Wirtschaft. Am Montag gab das Finanzministerium eine Schätzung heraus, dass der Schaden für Israels Markt mehr als zehn Milliarden Euro betragen und jegliches Wachstum zunichtemachen wird.

Mehr als 100.000 Menschen haben in den vergangenen Tagen versucht, sich für Arbeitslosengeld online zu registrieren. Lediglich 12.000 waren erfolgreich, weil die Websites des Arbeitsamtes zusammenbrachen.

Mehr als 100.000 Menschen wollten sich online für Arbeitslosengeld registrieren.

Netanjahu traf sich mit Vertretern des Gesundheitsministeriums, um sich über die Situation des Testens auf COVID-19 zu informieren. Am Mittwoch wird die erste Drive-Through-Teststation in Tel Aviv eröffnen.

Fünf weitere sollen folgen in Jerusalem, Haifa, Petach Tikwa, Rischon LeZion und Beer Schewa. Sie sollen rund um die Uhr geöffnet sein. Unterdessen beklagen viele Ärzte und medizinische Angestellte, dass sie nicht ausreichend Schutzkleidung haben, während sie mit Patienten zu tun haben, die den hochansteckenden Virus haben könnten.

Präsident Reuven Rivlin rief seine Landsleute am Dienstag dazu auf, die Restriktionen nicht als Feiertage anzusehen.

Eltern »Ich verlange, dass Sie alle gut auf sich aufpassen. Ich weiß, dass es nicht leicht ist, im Haus zu bleiben. Ich verstehe auch, dass Kinder nach draußen müssen, und auch Eltern Freiräume brauchen. Aber dennoch dürfen wir diese Tage nicht als Spaßtage ansehen. Ich höre, dass die Strände und Naturparks voll sind. Bitte beachten Sie die Regeln des sozialen Abstands. Die Gefahr ist real.«

Verteidigungsminister Naftali Bennett nannte junge Leute, die auf den Straßen herumlaufen, »tickende Zeitbomben«.

Am Mittwoch wird die erste Drive-Through-Teststation in Tel Aviv eröffnen.

Israelis dürfen die Häuser nur noch verlassen, um Essen oder Medikamente zu kaufen oder zur Arbeit zu gehen.

Um dem zu begegnen, können die Sicherheitsbehörden jetzt Strafen von bis zu 1200 Euro verhängen, wenn jemand sich nicht an die Regeln hält. Ab Dienstag dürfen Israelis ihre Häuser nur noch verlassen, um Lebensmittel oder Medikamente einzukaufen oder zur Arbeit zu gehen. Jegliche Freizeitausflüge sind untersagt.

Schutzkleidung Währenddessen kritisierte der Vorsitzende der Partei Israel Beiteinu, Avigdor Lieberman, Netanjahus Vorgehen in Sachen Coronavirus und vor allem einen Mangel an ausreichenden Tests, Schutzkleidung für medizinisches Personal sowie die unzureichende Vorbereitung für Massen von Arbeitslosen.

»Wer ist verantwortlich für all das? Wer war in den vergangenen zehn Jahren Ministerpräsident?«, schrieb Lieberman auf Facebook. »Ein Mann, dessen Name Benjamin Netanjahu ist. Der, statt uns mutig in die Einheit zu lotsen, um aus der Krise herauszukommen, uns in den Zusammenbruch führt.«

Wirtschaft

Israel hofft auf mehr Touristen

Kriege und Konflikte in der Region haben den Israel-Tourismus einbrechen lassen. Nun hofft das staatliche Tourismusbüro auf steigende Nachfrage. Es wertet aktuelle Zahlen als positiven Trend

 13.01.2026

Verkehr

Eine Stadt tritt auf die Bremse

Im Kampf gegen Staus führt Tel Aviv die 30er-Zone fast im gesamten Stadtgebiet ein

von Sabine Brandes  13.01.2026

Ehemalige Geiseln

»Es war ganz und gar unmenschlich«

David Cunio wusste zwei Jahre lang nicht, ob seine Brüder noch leben. In einem Interview erzählt er jetzt ausführlich über den Horror in Gaza

von Sabine Brandes  13.01.2026

Meinung

Die Hamas muss sich entscheiden: Deal or no deal?

Die Terrororganisation hält sich nicht an das Waffenstillstandsabkommen mit Israel und verzögert so dessen Umsetzung. Der Druck auf die Hamas muss nun unbedingt erhöht werden

von Sarah Cohen-Fantl  13.01.2026

Jerusalem

Ehemalige Geisel warnt: Die Hamas gibt nicht auf

»Sie sind regelrecht besessen von uns – das ist der Sinn ihres Lebens«, sagt Eitan Mor

 13.01.2026

Hintergrund

Hamas will angeblich Verwaltung in Gaza abgeben

Die Terrorgruppe signalisiert Bereitschaft zur Übergabe von zivilen Einrichtungen – doch weigert sich nach wie vor, die Waffen niederzulegen

von Sabine Brandes  12.01.2026

Beerscheba

Plünderer vom Nova-Festival zu Haftstrafen verurteilt

Nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 gab es viele Beispiele von Mut und Solidarität. Drei Männer dagegen plünderten am Schauplatz des Massakers. Nun gibt es ein Urteil

 12.01.2026

Kommentar

Wir müssen unsere Kinder schützen

In Israel wurde ein 14-jähriger Junge bei Protesten gegen die Wehrpflicht von einem Bus erfasst und getötet. Hier reflektiert ein orthodoxer Rabbiner aus Jerusalem, was sich ändern muss

von Rabbiner Raphael Evers  12.01.2026

Nahost

Rubio telefonierte mit Netanjahu über mögliche US-Intervention

Vor dem Hintergrund der Proteste wächst in Israel die Sorge vor einer regionalen Eskalation

von Sabine Brandes  12.01.2026