Gesundheit

Weg mit dem Fett!

Wenn schon ungesund, dann wenigstens viel: typische israelische Mahlzeit Foto: Flash 90

Genüsslich beißt Alon Nir in die prall gefüllte Pitatasche. An den Seiten quillt die fettige Sauce heraus, rinnt über die Finger des jungen Mannes. Es stört ihn herzlich wenig. »Lecker«, bringt er mit vollem Mund heraus und grinst. Nir hat Mittagspause, aber wenig Zeit. Wie ihm geht es vielen im hektischen Nahoststaat, Fast Food steht regelmäßig auf dem Speiseplan. Doch immer mehr Israelis sind übergewichtig. »Schluss mit dem Fett!«, meint die Regierung und erwägt einen Steuerzuschlag für die schnelle, ungesunde Küche.

Der soll aber mitnichten nur in den für ihre wenig nahrhaften Speisen bekannten Ketten wie McDonald’s oder der heimischen Burger Ranch wirken. Auch nahöstliche Snacks wie Falafel oder Burekas fallen unter die Bezeichnung »Junk Food« und sollen nach Regierungsmeinung ihr Fett wegkriegen.

Nir findet das unerhört. »Mündige Bürger können selbst entscheiden, was sie essen. Das muss uns der Staat nicht vorgeben. Sollen sie meinetwegen die Steuer für irgendwelche Luxusartikel erhöhen. Aber doch nicht für Falafel. Das ist israelisches Grundnahrungsmittel.«

Nationalgerichte Der Verkäufer im »Schawarma ba Schdera« in Herzliya ist derselben Meinung. »Die da oben in Jerusalem sind wohl übergeschnappt. Haben wahrscheinlich zu viel Körnerzeugs gegessen, und das ist ihnen nicht bekommen.« Neben Falafel gilt Schawarma als eines der Nationalgerichte – wie Döner besteht es aus klein geschnittenem Fleisch in einer hellen Brottasche. »Nur weil man es schnell isst, ist es doch nicht ungesund«, wettert der Verkäufer weiter. Es sei Geflügelfleisch, hochwertiges Brot und Salat. »Die Politiker wissen einfach nicht, was gut ist.«

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums aber lassen sich die Damen und Herren im jüdischen Staat allzu oft die leckeren Fettmacher schmecken. So sind heute bereits mehr als 37 Prozent der Israelis übergewichtig, weitere 15 chronisch fettleibig. Und auch die Jugend bringt bereits mit 14 Prozent dicker Jungs und Mädchen plus sieben Prozent adipöser Teenager viel zu viel auf die Waage. Fast 1,2 Milliarden Euro kostet deren medizinische Versorgung den Staat jährlich.

Geld, das besser für andere Zwecke verwendet werden könnte, meinen Regierungsvertreter einstimmig. Das Finanzamt soll helfen, die Bewohner zu einem gesünderen Lebensstil zu bewegen. »Stimmt«, sagt Eran Jakov, Sprecher der Steuerbehörde. »Wir befürworten eine extra Abgabe auf krankmachende Speisen und rufen ein Komitee ins Leben, das dies unterstützt.« Zudem sei auch das Bildungswesen gefragt, damit bereits Schulkinder über die Risiken von Zucker, Salz und Fetten aufgeklärt werden, wie Jakov betont. Allerdings lehnt das Finanzministerium es ab, die zusätzlichen Einnahmen im Steuersäckel für die Behandlung von Übergewichtigen oder die Verbilligung gesunden Essens aufzuwenden.

Israel wäre nicht der erste Staat, der gewisse Speisen zusätzlich besteuert. Sonderabgaben an den Fiskus für Schokolade und Bonbons gibt es in Frankreich. Dänemark und Finnland besteuern ebenfalls Süßigkeiten, und in Österreich soll auf diese Weise den sogenannten Transfetten der Garaus gemacht werden.

Eine weitere Maßnahme soll die Kalorienangabe auf den Speisekarten der Restaurants von Naharija bis Eilat sein. Und zwar in derselben Schriftgröße wie die Bezeichnung der Speisen selbst. Außerdem will der Gesundheitsminister mehr Vollkornbrot auf israelischen Tischen sehen. Aufkleber mit dem Text »Dieses Brot entspricht den Empfehlungen des Gesundheitsministeriums für gesunde Ernährung« sollen den Verbrauchern die Vorteile des nahrhafteren Backwerks nahebringen.

Geld Doch ob die viel beschäftigten Menschen in Israel dadurch mehr zugreifen, ist fraglich. Denn zwar haben sie Hunger, aber wenig Muße. Vor Buden, in denen die Falafelbällchen ins siedende Öl plumpsen, bilden sich zur Mittagszeit lange Schlangen. Zwar sei die Grundzutat dieses Snacks – Kichererbsen – durchaus gesund, sind sich Ernährungswissenschaftler einig. Die Zubereitung indes ist es nicht. Beim Frittieren saugen die kleinen Bällchen große Mengen schädlicher Transfette auf, und auch das Servieren in Brot aus Weißmehl macht sie nicht gerade zur Gesundheitskost.

Sivan Levy steht vor einem kleinen Lokal auf der Allenby Street in Tel Aviv. Um sie herum vermischen sich die Gerüche des heißen Fettes mit denen der Autoabgase. Gesunde Ernährung? »Naja, wohl eher nicht«, gibt die Angestellte eines Modegeschäfts zu. Sie würde gern bewusster essen, findet jedoch kaum eine Möglichkeit.

Morgens müssen die Kinder versorgt werden, da fehlt die Zeit, mittags hat sie nur eine halbe Stunde, um den knurrenden Magen zu besänftigen, und zudem herrscht Ebbe im Portemonnaie. Gute Salate und vollwertiges Essen seien viel teurer als der Snack an der Ecke. »Das kann ich mir nicht jeden Tag leisten. Oft ist einfach nicht mehr drin als etwas Schnelles«, sagt sie und gießt Sesamsauce über ihre Falafel. »Aber wenigstens schmeckt’s.«

Natur

Die Kraniche sind da!

Im Hula-Tal hat der alljährliche Herbstzug begonnen – Millionen weiterer Zugvögel werden in den kommenden Wochen erwartet

von Sabine Brandes  06.10.2026

Israel

Netanjahu: »Es wird keine Hamas-Herrschaft geben«

Bei dem Gedenken der Opfer des Hamas-Massakers vor drei Jahren droht der Ministerpräsident den an dem Überfall beteiligten Terroristen

 05.10.2026

Terroranschlag

Rückholflüge aus den Emiraten haben begonnen

Aktion beginnt nach der Beilegung eines Streits über Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen von Dubai

von Sabine Brandes  05.10.2026

Luftfahrt

Rücktritt von Transportministerin Regev gefordert

Oppositionspolitiker wollen, dass Miri Regev wegen des »Flydubai-Desasters« Verantwortung übernimmt und ihren Posten räumt

von Sabine Brandes  05.10.2026

Fußball

Irischer Fitness-Trainer wirft Israel Spuckattacke vor

Irland gegen Israel war eine Nations-League-Paarung, die seit der Auslosung für viel Unruhe gesorgt hat. Beim Rückspiel gibt es nun Vorwürfe zu einem extrem unsportlichen Verhalten

 05.10.2026

Shelly Meyer

Kommentar

Wer tatsächlich vom »Judenfetisch« profitiert

150 Juden in Berlin haben mit einem Offenen Brief die Linkspartei unterstützt - das sind etwa 0,4 Prozent der Berliner jüdischen Stimmen. Doch sie könnten für die breite Öffentlichkeit kaum wertvoller sein

von Shelly Meyer  04.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Terror

Held von Flug FZ1073: Jetzt spricht erstmals der Flydubai-Pilot

Der bei dem Messerangriff in einer Flydubai-Maschine von Dubai nach Tel Aviv verletzte Flugkapitän äußert sich zu den Vorgängen im Cockpit. Er berichtet auch, was ihm Mut gegeben hat

 02.10.2026

Nahost

Flydubai-Drama: Auch VAE-Vertreter spricht von Terror

Aus Israel kam schon früh die Einschätzung, dass es sich bei dem Vorfall um einen Anschlagsversuch handelte. Nun äußert sich ein emiratischer Regierungsvertreter ähnlich

 02.10.2026