Kommunalpolitik

Wechsel im Rathaus

Bürgermeisterkandidat Moshe Abutbul feiert in Beit Schemesch Foto: Flash 90

»Die Wähler haben entschieden«, sagt Eli Cohen. »Beit Shemesch soll eine ultraorthodoxe Stadt sein.« Der leitende Angestellte der Wassergesellschaft Mekorot, Kandidat der säkularen Fraktion, die gegen den bisherigen Amtsinhaber Mosche Abutbul bereits bei den Wahlen im vergangenen Ok-tober in den Wahlkampf gezogen war, verlor vergangene Woche mit 18.643 Stimmen gegen den Kandidaten der ultraorthodoxen Schas-Partei Abutbul, der 19.401 (51,3 Prozent) Stimmen bekam. In Nazareth warf dagegen Ali Salam den seit 1994 regierenden Amtsinhaber Ramez Jaraisy aus dem Sattel. Er erreichte 27.666 Stimmen, Jaraisy dagegen nur 17.266.

Das Oberste Gericht hatte entschieden, dass die Wahlen in den beiden Städten wiederholt werden müssen. Der Grund waren Unregelmäßigkeiten bei den Kommunalwahlen im vergangenen Herbst. In Beit Schemesch ergaben die Ermittlungen, dass eine ganze Anzahl Personalausweise – zum Teil aus dem Ausland – für die Wahl genutzt worden waren. Die »Wähler« gaben ihre Stimmen alle Abutbul. Daraufhin hatte Eli Cohen mit Unterstützung des Generalstaatsanwalts Klage wegen Wahlbetrugs eingereicht.

Unregelmäßigkeiten In Nazareth hatte der bisherige Amtsinhaber Ramez Jaraisy seinen Herausforderer Ali Salam um nur neun Stimmen geschlagen. In der 82.000 Einwohner zählenden Stadt habe es laut Gerichtsurteil an insgesamt elf Wahlurnen Unregelmäßigkeiten gegeben. Demnach sollen Bürger gewählt haben, die sich aus unterschiedlichen Gründen gar nicht in der Stadt aufgehalten haben konnten. Aufgrund des äußerst knappen Ergebnisses ordnete Generalstaatsanwalt Jehuda Weinstein daher Neuwahlen an.

Beide Wahlergebnisse senden wichtige Signale aus. In der 100.000 Einwohner zählenden Stadt Beit Schemesch wird der Kampf zwischen ultraorthodoxen und säkularen Bürgern wohl weitergehen. Die Stadt teilt sich in etwa zur Hälfte in beide Lager auf. Die unterschiedliche Lebensweise führt seit Langem zu Spannungen, die sich bereits in mehreren zum Teil gewalttätigen Vorfällen entladen haben.

So wurde eine Neunjährige von Charedim bespuckt und mit Steinen beworfen, weil sie nicht »züchtig« genug bekleidet war. Und immer wieder gibt es Auseinandersetzungen in den Bussen, wenn etwa Frauen nicht hinten sitzen wollen. Nun fragen sich die säkularen Bürger, wie ihre Zukunft in der Stadt aussehen wird. Bislang hat Abutbul diese Probleme stets stillschweigend hingenommen.

In Nazareth dagegen wählten die Einwohner mit Salam einen Kandidaten, von dem sie hoffen, dass er Vetternwirtschaft und Korruption beendet. Der neue Bürgermeister steht für eine offenere Wirtschaftspolitik, die, wie Yedioth Ahronoth schreibt, »in der Lage wäre, die bisherigen Schwächen zu überwinden und eine Wende in der Stadt herbeizuführen«.

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  26.10.2026

26. Knesset

Nur noch ein Tag: Umfrage zu Israels Richtungswahl

Das Israel Democracy Institute befragte die Israelis zu ihren politischen Wünschen. Scheitert die Mehrheitsbildung, wollen die Israelis erneut wählen

von Sabine Brandes  26.10.2026

Korruptionsprozess

Der Milliardär und der Premier

Der australische Superreiche James Packer soll Netanjahu mit Luxus versorgt haben und kaufte eine Villa nebenan – nun floss mehr als eine Millionen Dollar an den Anwalt des israelischen Ministerpräsidenten

von Sabine Brandes  26.10.2026

Ben-Gurion-Universität

Israelische Studenten entwerfen Konzepte für kleine Atomkraftwerke

Sieht so die Zukunft der Energiegewinnung aus?

 26.10.2026

Jerusalem

Herzog: Trumps Einmischung in Wahlkampf hat keinen Einfluss auf Regierungsbildung

»Ich glaube nicht, dass der Präsident der Vereinigten Staaten oder irgendjemand sonst in meinen Ermessensspielraum eingreifen kann«, sagt das israelische Staatsoberhaupt

 26.10.2026

Jerusalem

Armeechef Zamir soll Befehle von Premier Netanjahu verweigert haben

Der Ministerpräsident soll eine bislang nicht näher beschriebene Militäraktion angeordnet haben, die nach Einschätzung von Sicherheitsvertretern eine neue Konfrontation mit dem Iran auslösen könnte

 26.10.2026

Wahl in Israel

Trump wirbt erneut für Netanjahu

»Wenn ihr zur Wahl geht, denkt bitte daran, dass Bibi ein herausragender Kriegsministerpräsident gewesen ist!«, schreibt Trump auf seinem sozialen Medium Truth Social

 26.10.2026

Zeitungsinterview

Ronald Lauder rechnet mit Netanjahu ab: »Er hat Politik über Frieden gestellt«

»Eines der Dinge, die Israel im Vergleich zu anderen Ländern so besonders gemacht haben, war seine echte Demokratie«, so der WJC-Präsident. »Was wir jetzt erleben, erinnert eher an eine Bananenrepublik«

 25.10.2026 Aktualisiert

Knessetwahl

Die Israel-Wahl in Zahlen

Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte, mehr als 12.000 Wahllokale und 450 Millionen Stimmzettel: Der Zentrale Wahlausschuss nennt Details zur Abstimmung am Dienstag

 25.10.2026