Israel

Was Heimat bedeutet

Das Cameri-Theater in Tel Aviv Foto: Flash 90

Der Geruch des regennassen Asphalts im Sommer, der Geschmack einer bestimmten Speise, das Rauschen der Blätter in einem Herbststurm, die Sehnsucht nach einem bestimmten Ort – Heimat bedeutet für jeden etwas anderes. Der Begriff ist verbunden mit Geborgenheit und Ankommen, aber auch mit Enge, Beschränktheit, Vorurteilen und Ausgeschlossensein.

All diese Facetten von Heimat werden derzeit bei den fünften deutsch-israelischen Literaturtagen in Tel Aviv beleuchtet. Dazu gibt es sieben Einzelveranstaltungen, die jeweils einen eigenen Aspekt in den Mittelpunkt rücken. Sie sind überschrieben mit »Zugehörigkeit«, »Sünde«, »Über-Setzen«, »Familie« und »Wanderung«.

Es ist ein Thema, das lange als verstaubt galt. »Heimat war Synonym für Schundromane und Kitschfilme aus den 50er-Jahren«, sagte die Journalistin Gisela Dachs, die den Auftaktabend der Literaturtage im Cameri-Theater moderierte. Das ist heute nicht mehr der Fall, aufgrund von Migration ist Heimat aktueller denn je. Spannend dabei ist die unterschiedliche Wahrnehmung und Interpretation des begriffs durch israelische und deutsche Autoren. Das wurde bereits am Auftaktabend mit der deutschen Schriftstellerin Dea Loher (Bugatti taucht auf) und dem Israeli Assaf Gavron (Auf fremdem Land) deutlich.

Sehnsucht Bei Loher geht es um einen grausamen Mord, der die Heimat des Protagonisten in Verruf bringt. Er sieht die Erhabenheit der Berge beschädigt und den See verunreinigt. Die Deutsche schreibt vom Verlust eines Gefühls, der Israeli dagegen von der Sehnsucht nach einem Land. In seinem Buch geht um radikale Siedler, die sich um Gesetze nicht scheren, deren Beweggründe für Außenstehende meist unverständlich sind. Sie betrachten ihr Leben als Erfüllung eines göttlichen Befehls. Gavron ist dazu zwei Jahre lang in solche Siedlungen im Westjordanland gefahren, hat mit den Leuten gesprochen. Heraus kam ein Buch, das die Menschen und ihre Beweggründe nicht verurteilt, sondern beschreibt. Und es geht um politische Realitäten, die Deutschen gänzlich fremd sind.

Veranstaltet werden die Literaturtage vom Goethe-Institut Tel Aviv, von der Heinrich-Böll-Stiftung in Israel und von der Nationalbibliothek in Jerusalem. Noch bis Freitag treffen Autoren beider Länder aufeinander, darunter Eva Menasse und Matan Hermoni.

Mentale Gesundheit

Die Einsamkeit wiegt am Schwersten

Fast eine Million Israelis suchten seit Kriegsbeginn Hilfe bei der psychischen Notfall-Hotline Eran

von Sabine Brandes  07.10.2026

Porträt

Nach der Musik das Essen

Der Norden war von Terror und Krieg besonders geschunden. Aber auch Absagen aus dem Ausland beendeten Shachar Bers Karriere als Drummer. Mit einer eigenen Aufstrich-Marke wagt er den Neuanfang

von Sabine Brandes  07.10.2026

Nachrichten

Massage, Kibbuz, Opposition

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  07.10.2026

Kommentar

Wenn Chuzpe Leben rettet

Die bemerkenswerte Abwesenheit von Scham, Vorsicht und Selbstzweifel ist eine israelische Eigenart. Im Fall des Flydubai-Fluges half sie, eine Katastrophe zu verhindern

von Sabine Brandes  07.10.2026

Kfar Aza

»Die Angst steckt noch immer im Rucksack«

Shachar Tzuk überlebte das Hamas-Massaker. Drei Jahre später hat sie ein Zuhause, eine Verlobte und ein neues Leben – aber noch immer eine gepackte Fluchttasche

von Sabine Brandes  07.10.2026

Terror

Flydubai-Copilot wollte offenbar Tel Aviver Flughafen treffen

Was war das Ziel des mutmaßlichen Angreifers beim Flydubai-Flug nach Tel Aviv? Die Ermittlungen dazu laufen noch, doch immer mehr Informationen sickern an die Öffentlichkeit

 07.10.2026

Libanon

Hisbollah bezeichnet Hamas-Massaker als »Akt des Widerstandes«

Die Hisbollah hält am dritten Jahrestag an ihrer Rechtfertigung des Angriffs vom 7. Oktober 2023 fest. Seitdem haben die Kämpfe auch im Libanon Tausende Menschen das Leben gekostet

 07.10.2026

Krieg

Israels Armee hat seit Hamas-Massakern 100.000 Ziele angegriffen

Vor drei Jahren ermordeten Hamas-Terroristen rund 1.200 Menschen in Israel. Der Überfall löste den Gaza-Krieg aus. Israel hat seither Zehntausende Ziele in der Region angegriffen

 07.10.2026

Jahrestag der Massaker

Israel gedenkt der Opfer des 7. Oktober

Drei Jahre nach den blutigen Massakern im Süden Israels gedenkt das Land der Opfer. Präsident Herzog findet berührende Worte. Am Abend sollen Zehntausende in Tel Aviv zusammenkommen

 07.10.2026 Aktualisiert