Kurzmeldungen

Wahlsplitter

Am 17. März wird in Israel gewählt. Foto: Flash 90

Am 17. März wird in Israel über die Zusammensetzung des Parlaments abgestimmt. Lesen Sie in den »Wahlsplittern« regelmäßig alles rund um Kampagnen, Parteien, Kandidaten und Prognosen.

Propheten
Die Ergebnisse der prophetischen Oberschule liegen vor. Vor jeder Wahl werden an der Blich-Schule in Ramat Gan Wahlen abgehalten. Schüler der elften und zwölften Klassen sollen dann so tun, als dürften sie schon an die Urnen gehen. Die Bildungseinrichtung ist bekannt dafür, überraschende Wenden auf dem politischen Parkett vorauszusehen. Dieses Mal glauben die Jugendlichen, dass die Zionistische Union, angeführt von Isaac Herzog und Zipi Livni, mit 38 Sitzen allen anderen davonrennt. Und denen auf den Fersen sind nicht etwa Benjamin Netanjahu und sein Likud, sondern die Partei von Yair Lapid, Jesch Atid, mit sagenhaften 34 Sitzen. Der Likud kommt, geht es nach den Mädchen und Jungs aus Ramat Gan, nur auf den dritten Platz. Ganz abgeschlagen sind Avigdor Lieberman (Israel Beiteinu) und die ultraorthodoxen Parteien mit jeweils nur zwei Sitzen.

Sänger
Statt es beim Singen zu belassen, will sich Amir Benayoun auch politisch Gehör verschaffen. Nachdem er bereits vor drei Monaten wegen eines rassistischen Liedtextes von Staatspräsident Reuven Rivlin ausgeladen wurde, hat er es nun wieder getan. Er wandte sich an seine Zuhörer und nannte alle Linken in Israel »Teufel«. Zwar rief Benayoun nicht dazu auf, diese mit Gewalt auszutreiben, sondern stattdessen »mit den Waffen der Liebe«. Allerdings hört sich diese Zuneigung wenig versöhnlich an. Er wurde sogar ganz konkret und verdammte den Obersten Gerichtshof sowie die Medien, die angeblich alle zusammen einen »tiefen Hass gegen ihre jüdischen Brüder« hegen würden. Der hochgelobte Sänger und Songschreiber war vor einer Weile religiös geworden und hatte sich politisch nach Rechtsaußen gewandt. Die Mehrzahl seiner Fans auf Facebook sprachen sich gegen die wütenden Tiraden aus. Eine Frau schrieb: »Ich bin links, Amir. Und mein Judentum ist mir sehr wichtig. Ich hoffe, dass dieses Land Platz für jeden bietet. Es ist nicht ein Tropfen Hass in mir.«

Zuvor hatte sich der offen linke Aviv Geffen auf einem Konzert für die Absetzung Benjamin Netanjahus ausgesprochen. »Netanjahu hat Israel ausverkauft. Netanjahu schert sich einen Dreck um euch«, rief er. »Er hat die Beziehung mit den USA sabotiert und das halbe Land unter die Armutsgrenze gescheucht. Wir müssen ihn bei den Wahlen zur Hölle jagen.« Verkehrsminister Yisrael Katz vom Likud schrieb daraufhin: »Ein Wehrdienstverweigerer wiegelt gegen den Premierminister auf, und Herzog und Livni sagen nichts dazu. Es ist eine Schande.«

Stimmen
Die rechtsnationale Partei Jüdisches Haus rühmt sich damit, besonders eng mit Rabbinern in Verbindung zu stehen. Ein neuer Flyer der Führung um den Vorsitzenden Naftali Bennett listet gleich mehrere geistliche Oberhäupter auf, die ihre Anhänger auffordern, sich für Bennett zu entscheiden. Wer dem Jüdischen Haus indes wohl kaum Stimmen geben wird, sind die Homosexuellen. Nach Kommentaren von Abgeordneten der Partei gegen gleichgeschlechtliche Ehen und einigen, die sogar sagten, sie seien stolz darauf, »homophob« zu sein, wurde die Facebook-Seite des Jüdischen Hauses mit schwulenfreundlichen Kommentaren, Bildern und Liedern bombardiert.

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