Israel

Wackelige Koalition steht

Naftali Bennett schraubte seine Forderungen während der Verhandlungen in die Höhe. Foto: Flash 90

Nur zwei Stunden vor dem Ablauf der Frist hat Premierminister Benjamin Netanjahu am Mittwochabend eine Koalition präsentiert. Er unterschrieb die letzte Vereinbarung mit dem nationalreligiösen »Jüdischen Haus« von Naftali Bennett. Mit nur 61 von 120 Sitzen in der Knesset hat er damit nur eine äußerst wackelige Mehrheit.

Netanjahu äußerte die Hoffnung, dass Israel eine starke, stabile Regierung habe, die bis Mittwoch mehr als 61 Sitze vereint. »61 Mandate sind eine gute Zahl. Mehr ist besser, doch alles beginnt mit 61. Wir haben viel Arbeit vor uns.«

Forderungen Der Unterzeichnung durch den letzten Koalitionspartner waren harte Verhandlungen vorausgegangen. Denn nach dem Rücktritt von Außenminister Avigdor Lieberman am Wochenbeginn war der Regierungschef in eine verzwickte Lage geraten.

Naftali Bennett nutzte das schamlos aus. Er schraubte seine Forderungen in die Höhe und verlangte neben dem Wirtschaftsministerium für sich selbst und dem Landwirtschaftsministerium für seinen Abgeordneten Uri Ariel zusätzlich das renommierte Justizministerium.

Das sollte Ayelet Shaked erhalten. Doch die einstige Sekretärin ist erst seit zwei Jahren in der Politik tätig und hat keinerlei Erfahrungen auf juristischem Gebiet. Netanjahu behagte das ganz und gar nicht. Er wand sich lange. Am späten Abend schließlich gab er der Forderung Bennetts nach – um seinen eigenen Posten als Ministerpräsident zu sichern.

Alternative Viele Oppositionspolitiker sind entsetzt über das Geschacher um die Posten. Isaac Herzog, Vorsitzender der Arbeitspartei, nannte die Koalition »ein nationales Desaster«. Es sei eine dünne und schwache Regierung, die durch Erpressung entstanden sei. »Sie wird nichts hervorbringen und sehr schnell durch eine verantwortliche und hoffnungsvolle Alternative ersetzt werden«, kommentierte er das Ergebnis in einem Fernsehinterview von Kanal 2.

Unterdessen munkeln die Medien, was Netanjahu bis kommenden Mittwoch, wenn er Präsident Reuven Rivlin die endgültige Regierung präsentieren muss, vorhaben könnte. Einige meinen, dass er das Außenministerium für sich behält, um Herzog mit ins Boot zu locken. Dafür müsste jedoch Bennett wieder gehen. Denn Herzog hat immer klargemacht, dass er nicht mit der nationalistischen Partei gemeinsam regieren würde.

Eine andere Alternative wären die elf Sitze von Yair Lapids Jesch Atid. Auch Lapid wäre definitiv ein Kandidat für den Sessel des Außenministers. Allerdings sind dieses Mal die ultraorthodoxen Parteien wieder dabei. Aber gerade die und Lapid sind sich spinnefeind.

Nachrichten

Eurovision, Syrien, Ehrung

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  27.01.2026

Nachkriegsordnung

Hamas will 10.000 eigene Polizisten im Gazastreifen

Die Terroristen begründeten ihre Forderung unter anderem damit, dass sich entlassene Polizisten so nicht zu Terrorgruppen zusammenschließen würden

 27.01.2026

Jerusalem

Rekord: Über 1000 Nieren-Spender auf einem Foto

Der Organisation Matnat Chaim zufolge ist Israel führend bei Lebend-Spenden. Das wird mit diesem Foto besonders deutlich

 27.01.2026

Nahost

Grenzübergang Rafah soll diese Woche geöffnet werden

Zunächst wird offenbar nur der zivile Personenverkehr passieren dürfen – zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren

 27.01.2026

Tel Aviv

»Die Leute weinten, wir umarmten uns«

Der Kommandeur der israelischen Such- und Rettungseinheit der Armee, Oberstleutnant Eliasaf V., spricht im Sender »Kan« über die Bergung der sterblichen Überreste der letzten Gaza-Geisel Ran Gvili

 27.01.2026

Sydney

Australien verweigert jüdischem Islamgegner die Einreise

Australien hat in der vergangenen Woche seine Gesetze gegen Hassverbrechen verschärft. Ein jüdischer Influencer, der ein »Islamverbot« fordert, darf das Land nicht betreten

 27.01.2026

Interview

»Es tut mir weh, so viel Antisemitismus zu sehen«

Die Schoa-Überlebende Zuzi Hamori spricht über die mutige Aktion, mit der ihre Mutter ihr das Leben rettete, den schweren Neuanfang in Israel und den Judenhass in der alten Heimat

von Sabine Brandes  27.01.2026

Interview

»Die AfD verrät immer wieder unsere nationalen Interessen«

CDU-Fraktionschef Jens Spahn über das Gedenken am 27. Januar, linken Lifestyle-Antisemitismus, die Frage nach einer Zusammenarbeit mit der AfD und Versäumnisse der CDU in der Migrationspolitik

von Philipp Peyman Engel  27.01.2026

Nahost

Israel bereitet Evakuierung Zehntausender Touristen für Ernstfall vor

Nach Angaben des Generaldirektors des israelischen Tourismusministeriums, Michael Izhakov, existiert ein detaillierter Notfallplan für den Fall, dass der Luftraum geschlossen werden muss

 27.01.2026