Omikron in Israel

Vorsicht oder Hysterie?

Israel bereitet sich auf die vierte Impfung vor. Foto: Flash 90

Die Regierung in Jerusalem erwägt, neue Restriktionen wegen der Omikron-Variante des Coronavirus zu erlassen, ist jedoch uneinig, in welcher Form. Gesundheitsexperten sprachen bei der Kabinettssitzung am Mittwochabend von einem »Tsunami von Infektionen«, der in einigen Tagen durch die neue Variante in Israel ankommen soll. Finanzminister Avigdor Liberman allerdings sprach sich kategorisch gegen die Schließung der Wirtschaft aus und nannte die Sorgen »Hysterie«.

WELLEN »Diese Welle wird uns in zehn Tagen treffen. Es wird Masseninfektionen geben«, wird Premierminister Naftali Bennett zitiert. »Sie wird stärker, aber kürzer als die vorherigen Wellen sein und etwa acht bis neun Wochen dauern. Alles, was wir von früheren Wellen wussten, wird anders sein.«

Einen Tag zuvor hatte Gesundheitsminister Nitzan Horowitz bestätigt, dass Israelis über 60 Jahre ab Beginn der kommenden Woche eine vierte Spritze mit dem Coronavirus-Vakzin erhalten können – als erste weltweit. Außerdem wird der zweite Booster für Gesundheitspersonal und Risikogruppen empfohlen.

»Diese Variante ist wie ein Tsunami.«

Leiter expertenteam boaz lev

»Die Empfehlung wurde ausgesprochen, weil der Preis sehr hoch sein wird, wenn wir nicht impfen, schwere Morbidität und viel Quarantäne«, sagte Boaz Lev auf einer Pressekonferenz. Lev ist Leiter des Expertenteams, das die Empfehlung ausgesprochen hatte. »Diese Variante ist wie ein Tsunami«.

AUSWIRKUNGEN Tal Brosch, ein weiteres Mitglied, sagte jedoch ein, es sei schwierig war, die Entscheidung zu treffen, aufgrund fehlender Informationen über die Schwere von Omikron als auch über die Auswirkungen einer vierten Impfung. »Wir haben nicht viel Zeit, um Entscheidungen zu treffen, es ist wie ein Zug, der auf uns zurast, und wir müssen uns entscheiden, auch wenn wir nicht alles wissen.«

Fernsehkanal zwölf hatte berichtet, dass die Leiterin des Bereichs öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium, Sharon Alroy-Preis, der Regierung geraten hatte, die vierte Spritze erst dann zu verabreichen, wenn die Forschungen im Sheba-Krankenhaus dazu abgeschlossen sind – wahrscheinlich in zwei Wochen. Derzeit läuft dort eine Studie mit 200 Freiwilligen.

QUARANTÄNE Momentan muss jeder, der mit einer Person in Kontakt war, die mit der Omikron-Variante infiziert ist, in Quarantäne, unabhängig vom Impfstatus. Die Regierung befürchtet, dass demnächst Hunderttausende von Menschen in ihren Häusern eingesperrt sein könnten. Angeblich arbeite man derzeit daran, ein »logischeres« System zu entwickeln.

Am Dienstagabend war beschlossen worden, Schulklassen in Orten mit hoher Inzidenz, in denen weniger als 70 Prozent der Schüler eine Erstimpfung erhalten haben, in den Fernunterricht zu schicken. Zusätzlich soll es striktere Maßnahmen für Einkaufszentren geben. Die Anwesenheit an öffentlichen Arbeitsplätzen wurde auf die Hälfte reduziert. Während die Infektionsrate ansteigt, so ist die Zahl der schwerkranken Patienten in den Hospitälern mit um die 80 bislang gleich geblieben.  

»Meine Haltung ist klar: ja zu Impfungen, nein zur Schließung der Wirtschaft.«

Finanzminister avigdor liberman

Finanzminister Avigdor Liberman kritisiert die seiner Meinung nach extremen Beschränkungen. »Meine Haltung ist klar: ja zu Impfstoffen, nein zur Schließung der Wirtschaft«, machte er deutlich. »Das gefährlichste Virus der Welt ist nicht das Coronavirus, sondern Stress und Hysterie.« Zuvor hatte er zu Omikron gesagt, es sei »nicht schlimmer als die Grippe« und die Kritik von israelischen Gesundheitsexperten auf sich gezogen.

DELTA Liberman unterstrich seine Aussagen mit einem Verweis auf ein Interview, das die Medizinerin Angelique Coetzee im israelischen Fernsehen gegeben hatte. Sie ist die Vorsitzende der südafrikanischen Ärztevereinigung. »Die Menschen sterben nicht, wie wir es bei Delta gesehen haben«. Seit dem 9. Dezember gingen die Fälle in dem afrikanischen Land zurück, sagte sie und resümierte: »Delta ist ganz anders.«

Auch zwei Studien aus Schottland und England, bei denen die Raten der Krankenhausbehandlungen für mit Omikron Infizierte analysiert wurden, legen nahe, dass diese Variante eine weniger schwere Krankheit verursachen kann. Wissenschaftler warnen aber, dass mehr Forschung erforderlich ist, um sicherzugehen.

Teheran/Tel Aviv

Israel greift Chameneis unterirdischen Bunker an

Ein Bunker im Herzen Teherans, genutzt von Irans Elite - jetzt war er Ziel eines israelischen Angriffs. Damit will Israel laut eigenen Angaben Irans Führung und deren Fähigkeiten weiter schwächen

 06.03.2026

Jerusalem

Ministerin will Sanktionen gegen israelische Justiz von Trump

Die Leiterin des Umweltressorts, Idit Silman, wendet sich auf X an den US-Präsidenten

von Sabine Brandes  06.03.2026

Alltag

Die Sache mit dem Duschen im Krieg

Die Webseite »canishower.com« will berechnen, wann das Risiko eines Raketenalarms gering genug ist, das Wasser aufzudrehen

von Sabine Brandes  06.03.2026

Nord-Israel

»Wir lassen uns nicht unterkriegen«

Lior Shelef ist Tourguide im Norden Israels. Doch jetzt hat er wieder die Uniform angezogen und beschützt als Chef des Sicherheitsteams seinen Kibbuz und seine Familie

 06.03.2026

Interview

»Wir haben die Lufthoheit«

Oberstleutnant (Reserve) Oren Leshem über die Erfolge der israelischen Luftwaffe, die Herausforderung für die Piloten und die Ziele im Iran-Krieg

von Detlef David Kauschke  06.03.2026

Sicherheit

Israel sieht erhöhte Anschlagsgefahr für seine Bürger im Ausland

Tausende Israelis sind derzeit im Ausland gestrandet. In den vergangenen Tagen sollen bereits Anschläge auf israelische Staatsbürger verhindert worden sein. Das Land spricht deshalb nun Warnungen aus

 06.03.2026

Israel

Schulen bleiben geschlossen

Während Schüler online unterrichtet werden, dürfen Unternehmen wieder Präsenzarbeit zuzulassen – unter einer Bedingung

 06.03.2026

Tel Aviv

»Michelle«: Israel stellt seinen Eurovision-Song 2026 vor

Das von Noam Bettan gesungene Lied kann man nun auch hören

 06.03.2026

Jerusalem

Israel Katz: Entscheidung für Tötung Khameneis fiel im November

Der Zeitplan für die Operation sei beschleunigt worden, nachdem landesweite Anti-Regime-Proteste im Iran den strategischen Rahmen verändert hätten, sagt Israels Verteidigungsminister

 06.03.2026