Terror

Vier Tote in Tel Aviv

Sicherheitskräfte am Tatort im Herzen von Tel Aviv Foto: dpa

Fast jeder Israeli hatte entweder gedacht, geglaubt, gewünscht oder zumindest gehofft, die Terrorwelle der vergangenen Monate sei vorbei. Doch mit dem schrecklichen Blutbad im Herzen von Tel Aviv gestern Abend ist die Gewissheit da: Nichts und niemand kann komplett vor Attacken dieser Art schützen. Am Mittwochabend schossen zwei palästinensische Terroristen wahllos auf Passanten im beliebten Sarona-Markt. Vier Menschen starben, 16 wurden zum Teil schwer verletzt.

Die Angreifer hatten Zeugenberichten zufolge im Schokoladenrestaurant Max Brenner ein Dessert bestellt und dann begonnen, um sich zu schießen. Panik sei unter den Gästen ausgebrochen. Die Terroristen schossen auf der Straße weiter, heißt es. »Sie haben einfach ihre Waffen ausgepackt und losgeballert«, berichtete der Filialleiter des Restaurants sichtlich geschockt anschließend im Fernsehen. »Sie haben nichts gesagt, sondern einfach wahllos auf die Menschen überall gefeuert.«

sicherheitsbehörden Die beiden hätten dunkle Anzüge getragen, sagen einige, andere erklären, sie seien als ultraorthodoxe Juden verkleidet gewesen. Die Polizei bestätigte mittlerweile, dass es sich bei den Terroristen um zwei miteinander verwandte 21-jährige Männer aus dem Dorf Yatta im südlichen Westjordanland handele. Sie seien illegal nach Israel gereist. Die Sicherheitsbehörden prüfen derzeit, wie ihnen das gelingen konnte. Einer der Täter ist festgenommen worden, der andere wird mit schweren Schussverletzungen im selben Krankenhaus behandelt wie die Opfer, dem Ichilov-Hospital von Tel Aviv.

Unterdessen wurden die Namen der vier Getöteten veröffentlicht: Es handelt sich um Ido Ben Ari, einen 42-jährigen Mann aus Ramat Gan, der mit seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern in dem Restaurant Benedict speiste, als die Terroristen kamen. Seine Frau wurde verletzt. Ebenfalls ermordet wurde Ilana Neve (39) aus Tel Aviv, Mila Mishayev (32) aus Aschkelon und Michael Feige, ein 58-jähriger Professor der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva.

Trauer »Meine Gedanken sind mit den Familien der Ermordeten, die ihre Liebsten bei diesem verabscheuungswürdigen Attentat verloren haben«, sagte Staatspräsident Reuven Rivlin.

Obwohl die Sicherheitskräfte ihr Möglichstes getan hätten, um Terrorismus zu verhindern, konnten die Mörder ihre furchtbare Tat durchführen. »Wir haben keine Abwehr wie den ›Iron Dome‹ gegen diese Anschläge. Der Kampf gegen Terrorismus wird lang und schwer. Aber der Staat Israel wird sich davon nicht entmutigen lassen.«

Regierungschef Benjamin Netanjahu, der erst am Abend von einer Reise nach Moskau zurückgekehrt war, fuhr unmittelbar an den Ort des Attentats. Er sagte, dass es jetzt eine Reihe von offensiven und defensiven Maßnahmen geben werde, ohne dies jedoch weiter zu präzisieren. Für den heutigen Donnerstag hat er eine Dringlichkeitssitzung seines Sicherheitskabinetts einberufen.

reisegenehmigungen Dabei wird auch das erste Statement des neuen Verteidigungsministers Avigdor Lieberman zu den Geschehnissen erwartet. Statt sich zu äußern, hatte der prompt Tausende von Reisegenehmigungen von Westjordanland-Bewohnern zurückgenommen, die erteilt worden waren, um Palästinensern die Möglichkeit zu geben, im Fastenmonat Ramadan zur Al-Aksa-Moschee zu pilgern. Derweil wurde das Heimatdorf der Täter abgeriegelt, Angehörige werden verhört.

Ron Huldai, Tel Avivs Bürgermeister, der nach dem Anschlag zum Krankenhaus fuhr, um Opfer und Angehörige zu besuchen, machte deutlich, dass seine Stadt sich nicht einschüchtern lassen werde, obwohl dies bereits das dritte tödliche Attentat in diesem Jahr ist. Er rief die Einwohner dazu auf, ihrem normalen Alltag nachzugehen. »Wir werden weiter bauen, kreativ sein und abends ausgehen. Tel Aviv wird sich davon nicht unterkriegen lassen.«

Nachrichten

Universitäten, Sanktionen, Spende

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  18.05.2026

Diplomatie

Förderprogramm für Verlegung ausländischer Botschaften nach Jerusalem bereitgestellt

Kern des Programms ist ein Budgetrahmen, mit dem finanzielle Anreize für die Verlagerung von diplomatischen Vertretungen geschaffen werden sollen

 18.05.2026

Jerusalem/Marmaris

Israel will neue Gaza-Flottille abfangen

An Bord sollen sich auch der Palästinenser Saif Abu Keshek und der Brasilianer Thiago Avila befinden, die erst vor zweieinhalb Wochen aus Israel ausgewiesen worden waren

 18.05.2026

Jerusalem

Todesstrafengesetz für palästinensische Terroristen tritt in Kraft

Die neue Regelung betrifft Verfahren vor israelischen Militärgerichten gegen Palästinenser, die Israelis bei Terroranschlägen ermorden. Beim Obersten Gericht wurde Beschwerde gegen das Gesetz eingelegt

 18.05.2026

Nahost

Israel stellt sich auf Wiederaufnahme des Iran-Kriegs ein

Israel ist laut Netanjahu mit Blick auf die Region »auf jedes Szenario vorbereitet«. Ein Drohnenangriff auf ein Atomkraftwerk in den Emiraten schürt die Sorge vor einer neuen Eskalation

 17.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

Haaretz berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Wirtschaft

Energiezentrum in Nahost

Die Gasfelder im östlichen Mittelmeer könnten für mehr Stabilität in der Region sorgen – gäbe es keine kriegsbedingten Ausfälle

von Sabine Brandes  17.05.2026

Eurovision Song Contest

Flaggen, Glitzer und Herzchen für Noam

Tausende feiern das ESC-Finale am Strand von Tel Aviv – mit Tanz, Drag Queens, spontanen »Michelle«-Gesängen und Jubel über Israels zweiten Platz

von Sabine Brandes  17.05.2026

Zoo

Eine Elefantin als Ehrenbürgerin

Trauer und Neubeginn: Israels berühmtestes Wildtier ist im Alter von 65 Jahren gestorben. Ihr ehemaliges Zuhause, der »Ramat Gan Safari Park«, zieht bald nach Tel Aviv

von Sabine Brandes  17.05.2026