Nahost

Vier tote Geiseln übergeben

Immer wieder werden auch Särge mit toten Geiseln an die Streitkräfte (IDF) übergeben. Zuletzt geschah dies am Mittwoch. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Die palästinensische Terrororganisation Hamas hat nach eigenen Angaben die Leichen von vier israelischen Geiseln im Gazastreifen an Vertreter des Roten Kreuzes übergeben. Israelische Regierungsbeamte bestätigten heimischen Medien die Übergabe sterblicher Überreste. Später wurden die Toten im Institut für Forensische Medizin in Tel Aviv identifiziert und die Angehörigen informiert.

Der Kibbuz Nir Oz erklärte am Morgen, sein Bewohner Itzik Elgarat sei in der Geiselhaft in Gaza ermordet worden. Die Gemeinschaft berief sich auf Informationen aus dem Forensischen Institut Abu Kabir, wo die aus Gaza überführten Leichname untersucht wurden. Elgarat war am 7. Oktober, als er von palästinensischen Terroristen gefangengenommen wurde, 68 Jahre alt.

»Er war ein fester Bestandteil des sozialen Gefüges, liebte es, Zeit in der örtlichen Kneipe zu verbringen, Freunde zu bewirten und verschiedene Generationen zu verbinden«, hieß es. Elgarats große Vorliebe für Fußball und Backgammon sei weithin bekannt. Bei lokalen Spielen habe er geglänzt, »immer mit einem Lächeln und einem warmen Geist«.

Großes Herz

»Wir werden ihn in Erinnerung behalten für sein Lachen, sein großes Herz und seine Bereitschaft, immer für jeden da zu sein, der in Not ist«, so der Kibbuz. Itzik Elgarat hinterlässt zwei Kinder, zwei Schwestern und einen Bruder.

Auch Ohad Yahalomi sei in Gaza ermordet worden, so der Kibbuz. Dies gehe ebenfalls aus Angaben aus dem forensischen Institut hervor. Er sei ein hingebungsvoller und liebevoller Familienmensch gewesen, hieß es in der Erklärung aus Nir Oz. »Er war ein leidenschaftlicher Sportler und ein begeisterter Reisender, der jeden Weg und Pfad in der Wüste, die er so sehr liebte, genau kannte.« Ohad Yahalomi hinterlässt seine Frau und drei kleine Kinder.

Wie von der israelischen Regierung gefordert, wurde die Übergabe der Leichen diesmal nicht als makabres Spektakel mit bewaffneten Hamas-Kämpfern und lauter Musik bei der Aushändigung der Särge inszeniert. Laut dem Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu war darüber vorab Einigung mit den Terroristen erzielt worden. Seine Regierung hatte dies zur Voraussetzung für die Freilassung weiterer palästinensischer Häftlinge aus israelischen Gefängnissen gemacht.

Ramallah und Gaza

Im Gegenzug für die Übergabe der toten Geiseln sollten rund 600 Gefängnisinsassen freigelassen werden. Augenzeugen zufolge fuhr ein Bus mit Dutzenden Gefangenen vom Militärgefängnis Ofer im Westjordanland in Richtung Ramallah, hunderte andere wurden Medienberichten zufolge in den Gazastreifen gebracht.

Der arabische Fernsehsender Al-Dschasira zeigte Aufnahmen, wie sie bei der Wiedervereinigung mit ihren Angehörigen jubelnd in Empfang genommen wurden.

Die Häftlinge - darunter 50 mit lebenslangen Haftstrafen - hätten ursprünglich schon am Samstag vergangener Woche im Austausch für sechs israelische Geiseln freikommen sollen. Aus Wut über die entwürdigenden Hamas-Zeremonien bei früheren Übergaben lebender und toter Geiseln schob Israels Regierung dem aber einen Riegel vor und setzte die Haftentlassungen vorerst aus.

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Grausame Bedingungen

Angesichts der fälschlich vermeldeten Aushändigung toter Geiseln vor einigen Tagen, bei denen es sich - wie erst im Nachhinein festgestellt wurde - um die sterblichen Überreste anderer Menschen handelte, blieb die israelische Regierung diesmal vorsichtig. Sie wollte die Identität erst nach der forensischen Untersuchung der Leichen bestätigen.

Medienberichten und Angehörigen zufolge soll es sich wohl um die sterblichen Überreste von vier israelischen Männern im Alter zwischen 50 und 86 Jahren handeln. Dazu gehören neben Ohad Yahalomi und Itzik Elgarat auch Tsahi Idan und Shlomo Mantzur.

Drei von ihnen waren am 7. Oktober 2023 aus zwei Kibbuzim nahe der Grenze zum Gazastreifen entführt worden. Der vierte Mann wurde an jenem Tag beim Überfall der Hamas und anderer Terroristen auf den Süden Israels ermordet, seine Leiche nach Gaza verschleppt.

Internationale Empörung

Die Hamas nutzte die Geisel-Freilassungen bislang stets zur Machtdemonstration und machte das Schicksal der über viele Monate hinweg unter grausamen Bedingungen gefangengehaltenen Menschen zu einem Spektakel für Schaulustige. Oftmals wurden die Entführten auf einer Bühne vorgeführt und erhielten von bewaffneten Terroristen sichtbar Anweisungen, zu lächeln und der wartenden Menschenmenge zuzuwinken. Am vergangenen Wochenende musste ein Israeli zwei vermummte Hamas-Leute auf die Stirn küssen.

Auch das Prozedere bei der Übergabe vier toter Geiseln am vergangenen Donnerstag - darunter die Kleinkinder Kfir und Ariel Bibas, die auch deutsche Staatsangehörige sind - stieß international auf Empörung. Die Hamas hatte die Särge auf einer Bühne aufgebahrt, während sich zahlreiche jubelnde Schaulustige und Dutzende vermummte Terroristen am Ort der Übergabe versammelten und laute Musik gespielt wurde.

Islamisten haben noch Dutzende Geiseln in ihrer Gewalt
Sollte die Identität der nun ausgehändigten Leichen bestätigt werden, wäre die in der ersten Phase des Waffenruhe-Abkommens zwischen Israel und der Hamas vorgesehene Übergabe von 33 Geiseln aus dem Gazastreifen - darunter acht Tote - abgeschlossen. Im Gegenzug sollten 1904 palästinensische Häftlinge freikommen. Die erste Phase des Abkommens soll offiziell am Wochenende enden.

Restliche Geiseln

Nach Angaben der als Vermittler fungierenden Regierung Katars sieht die Vereinbarung vor, dass die erste Phase fortdauern kann, solange beide Konfliktparteien über die zweite Phase verhandeln. Diese soll zu einem endgültigen Ende des Kriegs sowie zur Freilassung der restlichen Geiseln führen.

Die Kämpfe könnten also weiter ausgesetzt bleiben - obwohl beide Kriegsparteien Berichten zufolge bislang, anders als vorgesehen, noch gar keine ernsthaften Verhandlungen über die zweite Phase geführt haben. Ausgegangen wird davon, dass jetzt noch 59 Geiseln im Gazastreifen festgehalten werden, von denen aber nur noch 27 am Leben sein sollen. ja/dpa

Kommentar

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