Politik

Vereinte Front gegen Netanjahu

In den Startlöchern: Livni und Olmert Foto: Flash 90

Es wirkt, als würden sie sich gemeinsam auf den Wahlkampf vorbereiten. Ex-Premier Ehud Olmert und die einstige Kadima-Vorsitzende und Außenministerin Zipi Livni stoßen dieser Tage in dasselbe Horn. Beide lobten Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nach dessen Interview im israelischen Fernsehen für »seinen Mut«. Abbas hatte Ende vergangener Woche erklärt, er wolle zurück an den Verhandlungstisch mit Israel.

Zudem sagte er, dass er zwar gern in seine Geburtsstadt Safed in Obergaliläa zurückkehren würde – jedoch lediglich als Tourist. »Ich glaube, dass die Westbank und Gaza Palästina sind. Der Rest ist Israel. Jetzt und für immer.« Zudem betonte er, es werde keine dritte Intifada geben, solange er an der Macht sei. Regierungspolitiker hatten Abbas als »Rhetoriker« bezeichnet und seinen Aussagen wenig Bedeutung beigemessen.

Anders die Opposition: Von Kadima über die Arbeitspartei bis zur linken Meretz hießen alle die »klaren Worte« willkommen. Auch Verteidigungsminister Barak und Präsident Schimon Peres zeigten sich beeindruckt. Livni meinte, dass alle, die daran interessiert seien, den jüdischen und demokratischen Staat zu schützen, Abbas’ Geste annehmen sollten. »Doch leider ist Frieden ein Schimpfwort geworden. Wer auch immer von einer Einigung redet, wird als verrückter Linker beschimpft.«

Entscheidung Bisher haben weder Olmert noch Livni entschieden, ob sie bei den Knessetwahlen am 22. Januar dabei sein werden. Livni äußerte zwar auf ihrer Facebook-Seite, dass sie eine Rückkehr in die Politik erwäge, bislang jedoch blieb es dabei. Es scheint, als mache sie es von Olmerts Entscheidung abhängig. Im Fernsehen sagte sie am Wochenbeginn: »Wir müssen zusammenarbeiten, um Netanjahu zu Fall zu bringen.«

Nachdem Letzterer Abbas bezichtigt hatte, seine Worte entsprächen nicht seinen Taten, holte Olmert zum verbalen Schlag gegen die amtierende Regierung aus: »Netanjahu schadet mit seinen Aussagen dem Staat Israel. Er ist verantwortlich für die eingeschlafenen Friedensgespräche und spielt damit der Hamas in die Hände.«

Viele Israelis halten Olmert für den einzig ernst zu nehmenden Herausforderer Netanjahus und warten auf seine Rückkehr in die Politik. Über seiner Kandidatur aber würde eine dunkle Wolke schweben, nachdem die Staatsanwaltschaft bekannt gab, gegen das milde Urteil im Korruptionsverfahren Einspruch zu erheben. Olmert war vor einigen Wochen lediglich zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Glosse

Wir stehen zum Existenzrecht Pakistans!

Absurder als im rot-rot-grünen Berlin wird’s nicht mehr

von Philip Fabian  13.10.2026

Replik

Einspruch, euer Ehren!

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ging in diesem Jahr an Philippe Sands. Ausgerechnet ein Mann, dessen Autorität auf juristischer Präzision und universellen Maßstäben gründet, nimmt es mit dem Völkerrecht erstaunlich ungenau

von Leeor Engländer  13.10.2026

Medien

Israel verweigert »taz«-Korrespondentin Arbeitsvisum

Diaspora-Ministerium: »Antiisraelische Akteure und diejenigen, die Israel verleumden, sollten keinen Fuß in das Land setzen«

 13.10.2026

Israel

Ein Toter und 24 Verletzte bei Explosion von Blindgänger

Ein mutmaßlicher Blindgänger explodiert in Nordisrael. Es gibt ein Todesopfer und zahlreiche Verletzte. Berichten zufolge waren Schüler und ein Lehrer in der Gegend gewandert

 12.10.2026

Katharina von Schnurbein

»Ich habe das Gefühl, den richtigen Weg gegangen zu sein«

Die EU-Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein wechselt von Brüssel nach Berlin. Sie folgt dort Felix Klein nach. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  12.10.2026

Korruption

Bestechungsring in der Vorstadt

Umschläge voller Bargeld, Luxusuhren und teure Autos: Der Bürgermeister von Kfar Saba und seine Frau sollen Geschäftsleuten gegen Zahlungen lukrative Aufträge verschafft haben. 17 Verdächtige wurden festgenommen

von Sabine Brandes  12.10.2026

Gesellschaft

Herzog: Gewalt übersteigt Kapazitäten der Polizei

Israels Präsident nennt die Kriminalität in arabischen Gemeinden eine Katastrophe. Die Aufklärungsquote bei Tötungsdelikten liegt bei nur zwölf Prozent

von Sabine Brandes  12.10.2026

Avi Gil (in Uniform), links von Benjamin Netanjahu

Explosives Interview

»Die Geiseln hätten früher zurückkehren können«

Der ehemalige Militärsekretär des Premiers, Avi Gil, erhebt schwere Vorwürfe: Warnungen vor dem 7. Oktober seien ignoriert, Abkommen aus politischen Gründen verhindert und Protokolle manipuliert worden. Netanjahu weist die Anschuldigungen zurück

von Sabine Brandes  11.10.2026

Nahost

IDF: Terrorinfrastruktur in Gaza zerstört

Israelische Armee und Sicherheitsbehörden haben nach eigenen Angaben im Gazastreifen Waffenlager, eine Raketenabschussrampe und eine Kommandozentrale zerstört. Verteidigungsminister Katz droht dem neuen Hamas-Chef

 11.10.2026