Medizin

Verbessert eine zusätzliche Impfung den Schutz vor Covid-Infektionen?

Foto: imago images/Addictive Stock

Weltweit wurden bereits Milliarden Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Die Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe wird indes immer wieder in Frage gestellt. Angeblich beweise eine neue Studie mit Daten aus Israel, dass die natürliche Immunität nach einer Infektion einer Impfung überlegen sei (hier archiviert). Eine Impfung für Genesene sei gar »kontraindiziert«. Doch die Studien- Ergebnisse sind deutlich differenzierter als im verbreiteten Beitrag (hier archiviert) dargestellt.         

Bewertung

Die Studie betrachtet ausschließlich die Delta-Variante und hat keine Aussagekraft bezüglich anderer Varianten wie zum Beispiel Omikron. Sie ist auch kein Beleg dafür, dass eine Impfung für Genesene nicht zu empfehlen ist. Im Gegenteil: Die Autoren stellen fest, dass der Schutz sowohl bei geimpften als auch bei genesenen Personen im Laufe der Zeit abnahm und eine zusätzliche Impfstoffdosis den Schutz für eine bestimmte Zeitspanne wiederherstellte.    

Fakten

Die Studie basiert auf Daten des israelischen Gesundheitsministeriums für August und September 2021, als dort die Delta-Variante vorherrschend war. Für die inzwischen am weitesten verbreitete Omikron-Variante und andere Varianten hat die Studie daher keine Aussagekraft, so die Autoren.

Vor Kurzem veröffentlichte Studien deuten etwa darauf hin, dass eine Omikron-Infektion nur einen schwachen Schutz gegen eine erneute Ansteckung mit derselben oder anderen Varianten bietet.  

Ein Ergebnis der israelischen Studie war tatsächlich: Bei gleichem Zeitabstand waren zuvor infizierte Personen besser vor Delta geschützt als Personen mit zwei Impfungen, die sich zuvor noch nicht infiziert hatten. Aber daraus lässt sich nicht ableiten, dass bezüglich des Schutzes eine Infektion einer Impfung vorzuziehen ist. Auch kann man daraus nicht folgern, dass es für genesene Personen nicht mehr notwendig ist, sich impfen zu lassen. 

Zusätzliche Impfung erneuert Schutz

Im Gegenteil: Die Studie zeigt, dass der Schutz gegen die Delta-Variante sowohl bei geimpften als auch bei genesenen Personen im Laufe der Zeit abnahm und eine zusätzliche Impfstoffdosis ihn wiederherstellte. So schreiben die Autoren: »Wir haben festgestellt, dass eine einzelne Dosis des Impfstoffs (...) das Schutzniveau der ersten Monate nach der Genesung oder der Impfung wiederherstellte.« 

Die Risiken einer Infektion sind weit höher als die der Impfung. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) ist eine Impfung der sicherste Weg, um einen Schutz vor Covid-19 aufzubauen.

»Das alleinige Durchmachen einer Infektion mit Sars-CoV-2 reicht nicht aus, um spätere Covid-19-Erkrankungen zu verhindern. Daher sollen auch Personen mit einer oder mehreren zurückliegenden Sars-CoV-2-Infektionen geimpft werden«, so das RKI. Zwei Impfstoffdosen plus Auffrischungsimpfung bieten auch bei der Omikron-Variante einen sehr hohen Schutz gegen schwere Krankheitsverläufe. dpa

(Stand: 13.6.2022)

Links

Zitierte israelische Studie zu Immunität (archiviert)

Studie zu geringer variantenübergreifender Immunität ohne Impfung (archiviert)

Weitere Studie zu Immunität nach Omikron-Infektion (archiviert)

Studie zu Immunität nach Omikron- und Delta-Infektion (archiviert

RKI-Webseite zu Covid-Impfungen (archiviert)

BR-Faktencheck zu Infektionsschutz (archiviert)

dpa-Faktencheck zu Booster-Impfungen 

Facebook-Post (archiviert)

Blog-Eintrag mit Falschbehauptung (archiviert)

Großbritannien

Applaus für britischen Außenminister von der Hamas

Ein hochrangiger Funktionär der Terrorgruppe begrüßt die Sanktionen, mit denen das Vereinigte Königreich Israel belegt hat. Das sei ein »wichtiger Schritt in die richtige Richtung«

 10.09.2026

Skandal

Hasswelle gegen Ex-Soldaten bringt Adidas in Bedrängnis

Shalev Biton wurde wegen seiner Teilnahme an einer Adidas-Kampagne zur Zielscheibe israelfeindlicher Aktivisten. Nun entschuldigt sich der Sportartikelhersteller

von Sabine Brandes  10.09.2026

Syrien

Grossi: Von Israel zerstörter Reaktor hätte atomwaffenfähiges Material produzieren können

2007 zerstörte Israel den Atomreaktor Deir ez-Zor. 19 Jahre später bestätigt Atom-Aufseher Rafael Grossi, dass die Anlage atomwaffenfähiges Material hätte produzieren können

 10.09.2026

Jerusalem

Israels Nationalbibliothek errichtet Abteilung für Terrorgedenken

Der Hamas-Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 gilt als traumatisches Ereignis in der israelischen Gesellschaft. Mit einer umfassenden Materialiensammlung will die Nationalbibliothek es im kulturellen Gedächtnis verankern

von Burkhard Jürgens  10.09.2026

Diplomatie

Herzog wirbt für Dreiertreffen mit Zypern und Libanon

Derzeit gibt es zwar Gespräche zwischen Vertretern Israels und dem Libanon - aber auf Botschafterebene. Ein Traum von Israels Präsident Herzog geht weiter

 10.09.2026

Taglit

Emotionales Bootcamp mit Lior Raz

Israels Superstar kam kurz vor dem Start der fünften »Fauda«-Staffel nach Berlin, um sich für »Birthright« starkzumachen. Und für einen optimistischeren jüdischen Staat

von Sophie Albers Ben Chamo  10.09.2026

Westjordanland

Das System der Gewalt

Wie extremistische Siedler und politische Kräfte das Gebiet destabilisieren – und warum Ex-General Gadi Shamni vor einer Eskalation warnt

von Sabine Brandes  10.09.2026

Meinung

Wahlkampf in Israel: Schluss mit der Schlammschlacht!

Niemand erwartet, dass Politiker einander mit Samthandschuhen anfassen. Aber eine Wahl in einer Demokratie ist keine Realityshow voller Gekreische

von Sabine Brandes  10.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  10.09.2026