Nahost

Griff Israel den Iran von innen heraus an?

Eine iranische Atomanalage südlich von Teheran Foto: picture alliance / ROPI

Fünf Tage nach dem direkten Großangriff des Iran auf Israel haben die Streitkräfte des jüdischen Staates (IDF) offenbar zurückgeschlagen. Die »New York Times« zitierte zwei Regierungsbeamte aus dem israelischen Verteidigungsbereich, die dies bestätigten.

Iranische Beamte hätten zudem erklärt, so die »New York Times« weiter, dass bei dem Militärschlag eine Luftwaffenbasis im zentraliranischen Isfahan beschossen worden sei. Ersten Erkenntnissen zufolge seien die in derselben Region befindlichen Atomanlagen nicht angegriffen oder beschädigt worden. Ein iranischer Offizieller sagte gegenüber Reuters, dass der Iran nicht direkt mit einem Gegenangriff reagieren werde.

Brisant: Dem Offiziellen zufolge könnte der Angriff nicht aus dem Ausland, sondern aus dem Iran selbst stattgefunden haben. »Die Diskussion tendiert eher in Richtung Infiltration als in Richtung Angriff«, sagte er zu Reuters.

Wie »Bild« unter Berufung auf einen Informanten in der israelischen Regierung berichtet, sei die Luftwaffenbasis deshalb angegriffen worden, weil von dort am Samstag Raketen auf Israel gefeuert worden waren. Der Zeitung zufolge habe Ministerpräsident Benjamin Netanjahu 24 Stunden im War Room verbracht, um den Angriff zu planen. Die israelische Regierung werde sich dazu aber nicht erklären.

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Iranische Medien berichteten über eine Explosion weit im Landesinneren. Laut der Nachrichtenagentur Fars war der Grund für die Explosion in der Nacht zu Freitag nahe der Metropole Isfahan noch unbekannt. Sie ereignete sich demnach nahe dem Flughafen der Millionenstadt.

In mehreren Provinzen des Landes wurde Staatsmedien zufolge die Luftabwehr aktiviert, an mehreren Flughäfen wurde der Betrieb eingestellt.

Keine direkten Schuldzuweisungen

Der US-Sender ABC News berichtete unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter, israelische Raketen hätten ein - zunächst nicht näher genanntes - Ziel im Iran getroffen. Hinweise auf mögliche Schäden oder Opfer gab es zunächst nicht.

Im Norden Israels wurde nach Armeeangaben kurz darauf Raketenalarm ausgelöst - Medien zufolge handelte es sich jedoch um einen Fehlalarm. Von iranischer Seite gab es nach dem Vorfall zunächst keine direkten Schuldzuweisungen.

In Isfahan befinden sich wichtige Einrichtungen der iranischen Rüstungsindustrie. Auch das größte nukleare Forschungszentrum des Landes ist in der Kulturstadt angesiedelt.

Der Iran hatte in der Nacht zum Sonntag Israel mit Hunderten Drohnen, Marschflugkörpern und Raketen angegriffen. Hintergrund war ein möglicherweise von Israel geführter Angriff auf das iranische Botschaftsgelände in der syrischen Hauptstadt Damaskus, bei dem Anfang April zwei Terror-Generäle der iranischen Revolutionsgarden getötet wurden. Israel hatte angekündigt, auf den iranischen Angriff reagieren zu wollen.

Nicht unerheblicher Teil

Seit vielen Jahren greifen die vom Iran unterstützten Terrororganisationen Hamas und Hisbollah Israel an. Iran überzieht einen nicht unerheblichen Teil des Nahen Ostens mit Terror. Die Teheraner Führung selbst droht Israel regelmäßig mit Vernichtung.

Irans Außenminister Hussein Amirabdollahian hatte Israel vor den jüngsten Ereignissen mit deutlichen Worten vor einem militärischen Vorgehen gegen sein Land gewarnt: »Für den Fall, dass das israelische Regime erneut zum Abenteurertum übergeht und gegen die Interessen des Iran vorgeht, wird unsere nächste Reaktion sofort und auf höchstem Niveau erfolgen«, sagte er am Donnerstag (Ortszeit) am Sitz des UN-Sicherheitsrats in New York in einem Interview des US-Fernsehsenders CNN.

Der Iran hoffe, dass Israel »den früheren ungeheuerlichen Fehler« nicht wiederholen werde, sagte Amirabdollahian. Er bezog sich damit auf den Luftangriff auf Irans Botschaftsgelände in Damaskus am 1. April. Israel hatte den iranischen Angriff auch mithilfe von arabischen Partnern in der Region abgewehrt.

Erwartete Abschlusserklärung

Mit Spannung wurde am Donnerstag erwartet, wie weit die auf der italienischen Mittelmeerinsel Capri tagenden G7-Außenminister in ihrer heute erwarteten Abschlusserklärung mit Kritik am Iran und der Ankündigung zusätzlicher Sanktionen gegen die Islamische Republik gehen. Die Außenminister beraten am Freitag über die Lage. Sie dürfte auch in den Statements von Außenministerin Annalena Baerbock und US-Außenminister Antony Blinken eine Rolle spielen.

Zum iranischen Großangriff auf Israel mit Hunderten Raketen und Drohnen sagte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am Donnerstagabend im ZDF-»heute-journal«, die Bundesregierung habe zusammen mit der EU den Ton gegenüber der Führung in Teheran deutlich verschärft und inzwischen »zig Sanktionsregime auf den Weg gebracht«.

Den Kritikpunkt, Sanktionen seien quasi nutzlos und zeugten von Hilflosigkeit, wies sie zurück. Sie zeigten Ländern wie dem Iran und Russland vielmehr, dass ihr Ziel, auf brutale Weise mit der friedlichen Weltordnung zu brechen, nicht toleriert werde. ja/dpa

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