Getötete Reporterin

Untersuchung von Ereignissen bei Beerdigung eröffnet

Die Beerdigung der Al-Jazeera-Reporterin Shireen Abu Akleh Foto: Flash90

Angesichts wachsender internationaler Empörung hat die israelische Polizei am Samstag angekündigt, dass eine Untersuchung der Ereignisse im Zusammenhang mit der Gewalt bei der Beerdigung der Al-Jazeera-Journalistin Shireen Abu Akleh eingeleitet wird.

SCHOCK Am Freitag waren Bilder um die Welt gegangen, die israelische Polizisten in schwarzer Sicherheitsausrüstung zeigten, wie sie mit Schlagstöcken auf palästinensische Männer einschlugen, die den Sarg trugen und umstellten. In einem Moment fiel der Sarg fast zu Boden. Die Bilder riefen Schock und Verurteilung in der ganzen Welt aus.

Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, nannte die Bilder »zutiefst beunruhigend«, US-Präsident Joe Biden sagte, der Vorfall müsse untersucht werden. Die Europäische Union gab an, sie sei »entsetzt«.

Die Zusammenstöße waren vor dem Saint Joseph’s Krankenhaus ausgebrochen, als nach Angaben der israelischen Polizei eine Gruppe von Männern versuchte, den Sarg von Abu Akleh zu Fuß unter mehreren palästinensischen Flaggen in die Altstadt zu tragen. Die Polizei wies die Menge an, den Sarg zum Leichenwagen zurückzubringen, »aber der Mob lehnte ab«.

»Die Beamten sind Gewalt ausgesetzt gewesen und haben anschließend Gewalt angewendet.«

Stellungnahme der israelischen Polizei

Anschließend, so die Stellungnahme, hätten die Beamten eingegriffen, um den Mob zu zerstreuen und ihn daran zu hindern, den Sarg zu nehmen, damit die Beerdigung wie geplant und gemäß den Wünschen der Familie ablaufen konnte. Man habe mit der Familie vereinbart, dass die Prozession zu Fuß erst am Jaffator beginnen würde. Die Version der Polizei stimmt mit einigen Berichten von der Beerdigung überein, doch im In- und Ausland wird gefragt, warum vonseiten der Polizei nicht mehr Zurückhaltung ob der sensiblen Situation gezeigt wurde.

PROZESSION Zunächst hatte Abu Aklehs Bruder Anton bestätigt, der Plan sei, den Sarg in einem Leichenwagen vom Krankenhaus zur Kirche zu bringen. Nach dem Gottesdienst werde er durch die Straßen zum Friedhof getragen. Später gab er an, Familie und Trauernde hätten direkt »eine kleine Prozession abhalten wollen«, sie seien jedoch beim Verlassen des Krankenhauses von Beamten »bombardiert« worden.

In einer Erklärung vom Samstag sagte die Polizei, sie habe eine »ruhige und würdige« Beerdigung für die Reporterin geplant, aber Hunderte von Randalierern hätten versucht, die Zeremonie zu sabotieren und der Polizei Schaden zuzufügen. »Die Beamten sind Gewalt ausgesetzt gewesen und haben anschließend Gewalt angewendet.«

In der Erklärung heißt es weiter: »Die israelische Polizei wird die Ereignisse untersuchen, die sich während der Beerdigung ereignet haben. Wir unterstützen unsere Beamten, aber als professionelle Organisation, die lernen und sich verbessern will, wird sie Lehren aus dem Vorfall ziehen«.

Laut Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders Kan kam die Ankündigung, nachdem der Minister für öffentliche Sicherheit, Omer Barlev, darauf gedrängt habe, eine Untersuchung zu eröffnen. Gemeinsam mit dem Polizeikommissar Kobi Shabtai sei sie dann angeordnet worden.

VORBILD Über 10.000 Palästinenser erwiesen Abu Akleh, die am Mittwochmorgen bei einem Feuergefecht zwischen israelischen Truppen und palästinensischen Extremisten in der Stadt Dschenin getötet wurde, die letzte Ehre, als der Trauerzug sich vom Stadtviertel Sheikh Jarrah zum Friedhof am Berg Zion schlängelte. Die 51-jährige Abu Akleh war eine erfahrene palästinensische Journalistin und für auch Vorbild für Frauen in der arabischen Welt.

Wer für ihren Tod verantwortlich ist, ist bislang unklar. Während die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) insistiert, dass die israelische Armee den tödlichen Schuss abfeuerte, erklärte Israel, dass es nicht feststellen kann, wer sie erschossen habe, ohne die Kugel zu untersuchen. Israel habe jetzt die USA um Unterstützung gebeten, berichtete der Fernsehkanal zwölf, um die PA zur Zusammenarbeit zu bewegen.

Krieg

Netanjahu ruft Iraner zum Sturz der Führung auf

In den kommenden Tagen wolle man Bedingungen schaffen, die es den Menschen im Iran ermöglichen sollen, »ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen«, kündigte der israelische Regierungschef an

 10.03.2026

Jerusalem

Israels Außenminister: Wir wollen keinen endlosen Krieg

Wann die Ziele im Krieg mit dem Iran erfüllt sind, wolle Israel mit den US-Partnern abstimmen, sagte Gideon Saar

 10.03.2026

Cyberkrieg

Vom Iran im Netz für tot erklärt

Hackerangriffe gegen Israel nehmen zu und Teheran verbreitet gezielt Falschmeldungen – auch über einzelne Personen

von Sabine Brandes  10.03.2026

Jerusalem

Wadephul macht Solidaritätsbesuch in Israel

Knapp eineinhalb Wochen nach Beginn der Angriffe auf den Iran reist der deutsche Außenminister nach Israel. Während eines Raketenalarms muss er Schutz in einem Bunker suchen

 10.03.2026 Aktualisiert

Nahost

Iran: Neue Raketen auf Israel gefeuert - Sirenen heulen

Die 34. Angriffswelle erfolgt laut Angaben des Mullah-Regimes in Teheran mit präzisionsgelenkten ballistische Raketen

 10.03.2026

Tel Aviv

Zwischen Alltag und Angriffen: So erleben Israelis den Krieg

Mal Espresso, dann wieder Sirenengeheul: Die Menschen versuchen, sich ein Stück Normalität zu bewahren. Eindrücke aus einer Stadt zwischen Alltag und Ausnahmezustand

von Cindy Riechau  10.03.2026

Rettungskräfte am Einschlagsort in Yehud

Nahost

Zweiter Todesfall nach iranischem Streubombenangriff in Yehud

Bürgermeister Greenberg spricht den Familien der Opfer sein Beileid aus

 10.03.2026

Analyse

»Regimewechsel in absehbarer Zeit nicht sehr wahrscheinlich«

Iran-Experte Raz Zimmt: Israel und USA wollen iranisches Atomprogramm und Raketenpotenzial schwächen, Fähigkeit zum Wiederaufbau dauerhaft einschränken

 10.03.2026

Israel

Ärzte warnen: Kriegsstress kann Herzinfarkt auslösen

Zwei Kardiologen verweisen auf medizinische Daten, die nach dem 7. Oktober 2023 gesammelt wurden. In diesem Zeitraum hätten Krankenhäuser ungewöhnliche Entwicklungen registriert

 10.03.2026