Gay Parade

Unterm Regenbogen

Gay Parade in Tel Aviv Foto: Flash 90

Schüchtern sind sie nicht. Die meisten zeigen ausgesprochen gern, was sie haben. Flatterhafte Kostüme, eingeölte nackte Haut, gestählte Muckis – wenn sich die Szene feiert, wird nichts verhüllt. Das Event ist eine Huldigung ans Sehen und gesehen werden. An diesem Freitag startet die »Gay Pride«-Woche 2012 in Tel Aviv wieder mit der kunterbunten Parade am Strand, zu der Zehntausende Schwule und Lesben in bester Feierlaune erwartet werden.

Graffitisprayer müssen jetzt viele Dosen im Gepäck haben. Wer dieser Tage mit der Stimmung in der Stadt gehen will, setzt auf Regenbögen. Überall wehen die Fahnen von Laternenpfosten und Balkonen, Cafés wie Restaurants haben ihre weißen Tischdecken durch bunt gestreifte ersetzt. Tausende von Gays aus dem ganzen Land und allen möglichen Ecken der Welt strömen schon seit Tagen nach TLV. Viele bezeichnen die Veranstaltung als »die heißteste des Jahres«. Und das nicht nur wegen der brütenden Temperaturen.

Drag-Queen Mehr als 50 Veranstaltungen – von Ausstellungen über Lesungen bis zu jeder Menge Partys – sollen schwule Besucher anlocken. Wieder macht die Gay Parade entlang der Promenade am Mittelmeer den Auftakt mit aufreizenden Tänzern und den schrillsten Drag-Queens, die die Szene zu bieten hat. Mittags wird die Parade in einer riesigen Strandfete enden, bei der DJs wie Ofer Nissim und Eliot, die Sängerin Dikla und der musikalische Repräsentant der Szene, Ivri Lider mit seiner Band TYP, für wellenbrecherische Rhythmen sorgen.

Die Tel Aviver Homosexuellen-Gemeinde hatte auf ihrer Website Besucher aus der ganzen Welt eingeladen: »Mit einer Szene, die mit den Gay-Hauptstädten in der ganzen Welt locker mithalten kann, einem hervorragenden Strand, super Wetter und leckerem Essen ist Tel Aviv ein Ziel, das ihr definitiv checken müsst.«. Eine Reise hierher werde zu einem unvergesslichen Erlebnis, so die Website gaytlvguide.com.

Auch israelische Politiker wollen wieder Farbe bekennen. Bürgermeister Ron Huldai, der sich stets für die Rechte von Homosexuellen in seiner Stadt einsetzt, wird die Parade eröffnen. Mit dabei auch Oppositionsführerin Shelly Jachimovich und der offen schwule Knessetabgeordnete Nitzan Horowitz (Meretz).

Bis zum letzten Tag vor dem großen Event hatten Asphaltraupen noch die Straße am Meer planiert, wo der traditionelle Zug mit den bunt geschmückten Wagen entlang zieht. Die Verwaltung hatte vor dem Auftakt noch in Auftrag gegeben, den feiernden Schwulen und Lesben den Weg zu ebnen. Eindeutig gibt Tel Aviv ihr Bestes, um dem Ruf als coolste Gay-Destination der Welt gerecht zu werden.

Andrea Kiewel

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