Israel

Unser Mann in Jakarta

Reist gen Osten: Naftali Bennett Foto: Flash 90

Keine Probleme, alle Angehörigen der israelischen Delegation erhalten ein Visum. So lautete die Nachricht aus dem Außenministerium in Jakarta. Israels Wirtschaftsminister Naftali Bennett und seine Mitarbeiter sind damit herzlich eingeladen, an der Ministerkonferenz der World Trade Organisation (WTO) im Dezember in Indonesiens Hauptstadt teilzunehmen.

Was auf den ersten Blick wie ein Routinebesuch eines Politikers aussieht, ist auf den zweiten eine kleine Sensation. Denn das größte muslimische Land unterhält mit dem jüdischen Staat keinerlei diplomatische Beziehungen. Und es ist der erste Besuch eines hochrangigen Politikers aus Israel seit Yitzhak Rabins Zusammentreffen mit dem damaligen indonesischen Präsidenten Suharto im Jahr 1993. Kein Wunder, dass Jerusalem von diesem Treffen viel erwartet. Der Austausch von Botschaftern und die offizielle Anerkennung durch Indonesien standen zwar schon öfters auf der Tagesordnung. Doch der Konflikt mit den Palästinensern verhinderte dies bisher.

Visum Nichtoffizielle Kontakte dagegen gibt es schon lange zwischen beiden Ländern. Israelis dürfen als Touristen nach Bali reisen, und auch israelische Geschäftsleute erhalten relativ problemlos ein Visum. Seit 2009 existiert eine israelisch‐indonesische Handelskammer, die in Jakarta ein Büro unterhält. Auf rund 450 bis 750 Millionen Dollar im Jahr wird das Handelsvolumen zwischen Israel und Indonesien geschätzt.

Sogar auf sicherheitspolitischer Ebene kooperiert man recht erfolgreich. Ausgerechnet von Israel erwarb Indonesien Anfang der 80er‐Jahre 30 ausrangierte, aber technisch aufgefrischte Douglas‐A‐4‐Skyhawk‐Kampfjets. Und im November 2012 reiste ein ranghoher Vertreter des indonesischen Sicherheitsrates nach Tel Aviv, um sich über die neuesten Abwehrstrategien gegen Attacken im Internet zu informieren und einer Konferenz mit seinen israelischen Kollegen beizuwohnen.

Die Eröffnung eines indonesischen Konsulats im Sommer 2012 in Ramallah bedeutete de facto auch eine Aufwertung der israelisch‐indonesischen Beziehungen. »Die Existenz eines solchen Konsulats ist kein Anzeichen dafür, dass wir die israelische Kontrolle über palästinensische Gebiete akzeptieren«, verkündete zwar Marzukie Alie, Sprecher des indonesischen Repräsentantenhauses. Gewiss, der Diplomat erhielt seine Akkreditierung von der Palästinensischen Autonomiebehörde, aber unter der Hand heißt es, dass die Pflege der Kontakte mit Israel wohl einen Großteil seiner Arbeitszeit in Anspruch nimmt.

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