Nahost

UNRWA beruft Gaza-Direktor nach Protest der Hamas ab

Im Gazastreifen machte die Hamas in den letzten Tagen gegen den Deutschen mobil - mit Erfolg. Foto: imago images/ZUMA Wire

Das UN-Flüchtlingshilfswerk für die Palästinenser (UNRWA) hat seinen Leiter im Gazastreifen, den Deutschen Matthias Schmale, auf unbestimmte Zeit aus der von der Terrororganisation Hamas regierten Küstenenklave abberufen. Zuvor hatten palästinensische Organisationen Schmale und seinen Stellvertreter David de Bold zur Persona non grata in Gaza erklärt.

ENTSCHULDIGUNG Die Nachrichtenagentur »Reuters« zitierte am Mittwoch einen UNRWA-Sprecher mit den Worten, Schmale und de Bold seien »zu Konsultationen und Diskussionen über die jüngsten Entwicklungen in Gaza« ins Jerusalemer Hauptquartier des Hilfswerks gerufen worden. Die stellvertretende UNRWA-Generalkommissarin Leni Stenseth werde vorübergehend das Gaza-Team leiten.

Vor Kurzem hatte Schmale im israelischen Fernsehen gesagt, die Angriffe des israelischen Militärs auf Stellungen der Hamas und anderer bewaffneter Gruppen im dicht besiedelten Gazastreifen während des elftätigen Konflikts im Mai seien »präzise« und »ausgeklügelt« gewesen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Nachdem die Hamas Schmale harsch für dessen Worte kritisiert und ihm Parteinahme für Israel vorgeworfen hatte, entschuldigte dieser sich prompt und warf israelischen Medien vor, seine Worte verzerrt dargestellt zu haben.

Ein Sprecher des Hilfswerks der Vereinten Nationen sagte gegenüber dem israelischen Sender Channel 12, Schmale sei zu Beratungen nach Jerusalem zurückgerufen worden und habe sich für eine längere Beurlaubung von seinem Posten entschieden.

De Bold werde von der Hamas ebenfalls als Persona non grata betrachtet, wie palästinensische Medien berichteten. Die Entlassung beider Männer durch die UNRWA werde angestrebt, hieß es weiter.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Ein Sprecher des Hilfswerks sagte aber, de Bold werde seine Arbeit vorläufig von Jerusalem aus fortsetzen. Dagegen wurde ein für Mittwoch geplanter Protest vor dem UNRWA-Hauptquartier nach Schmales Abgang abgesagt.

EMPÖRUNG In seinem TV-Interview hatte der UNRWA-Direktor Anfang letzter Woche auch seine Auffassung kundgetan, die israelischen Schläge im jüngsten Konflikt seien trotz ihrer Genauigkeit »grausamer« gewesen als im Gazakonflikt 2014. »Also ja, sie haben, mit einigen Ausnahmen, keine zivilen Ziele getroffen, aber die Bösartigkeit und Grausamkeit der Schläge waren stark zu spüren.«

Schmale hatte zudem angefügt, dass mehr als 60 Kinder in Gaza getötet worden seien, darunter 19, die eine UNRWA-Schule besucht hätten. »Die Präzision war also vorhanden, aber es gab einen inakzeptablen und unerträglichen Verlust an Leben auf der zivilen Seite«, so Schmale. Er sagte auch, dass einige der zivilen Todesopfer durch Hamas-Raketen verursacht wurden, die im Gazastreifen selbst landeten.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Trotz seiner durch und durch israelfeindlichen Klarstellung - Israel verteidigte sich bloß gegen den Dauerbeschuss aus den Gazastreifen - zogen die Bemerkungen die Empörung der Palästinenser auf sich. Kurze Zeit später gab der Deutsche eine Entschuldigung heraus.

»Die jüngsten Bemerkungen, die ich im israelischen Fernsehen gemacht habe, haben diejenigen beleidigt und verletzt, deren Familienmitglieder und Freunde während des gerade zu Ende gegangenen Krieges getötet und verletzt wurden. Ich bedauere aufrichtig, ihnen Schmerzen zugefügt zu haben, und wiederhole die folgenden Punkte, die ich in unzähligen Interviews und Tweets gemacht habe«, so Schmale.

Und weiter: »Es gibt keinerlei Rechtfertigung für das Töten von Zivilisten. Jeder getötete Zivilist ist einer zu viel. Es ist einfach unerträglich, dass so viele unschuldige Menschen mit ihrem Leben bezahlt haben«, schrieb er auf Twitter und fügte an, »militärische Präzision und Raffinesse« könnten »keine Rechtfertigung sein für einen Krieg.« mth

Syrien

Grossi: Von Israel zerstörter Reaktor hätte atomwaffenfähiges Material produzieren können

2007 zerstörte Israel den Atomreaktor Deir ez-Zor. 19 Jahre später bestätigt Atom-Aufseher Rafael Grossi, dass die Anlage atomwaffenfähiges Material hätte produzieren können

 11.09.2026

Rosch Haschana

Israel wächst – doch immer mehr Menschen verlassen das Land

Zum jüdischen Neujahr veröffentlicht das Statistikamt neue Zahlen. Die Geburtenrate ist mehr als doppelt so hoch wie in der OECD

von Sabine Brandes  11.09.2026

Sachsen-Anhalt

Empörung über AfD-Spitzenmann Siegmund wegen Rüstungsaussage 

Siegmund: »Weil wir bei späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen«

 11.09.2026

Neujahr

Hopfen, Malz und Honig

Zu Rosch Haschana können die Israelis nun auch passendes Bier im Supermarkt kaufen. Stilecht in der blau-weißen Dose

von Sabine Brandes  11.09.2026

Tel Aviv

Magen David Adom leistet im Jahr 5786 fast 1,9 Millionen Einsätze

Besonders stark beansprucht wurde auch die Notrufzentrale 101: Mehr als zwei Millionen Anrufe gingen innerhalb eines Jahres ein

 11.09.2026

Großbritannien

Applaus für britischen Außenminister von der Hamas

Ein hochrangiger Funktionär der Terrorgruppe begrüßt die Sanktionen, mit denen das Vereinigte Königreich Israel belegt hat. Das sei ein »wichtiger Schritt in die richtige Richtung«

 11.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  11.09.2026

Kommentar

Ja, du bist gemeint!

Im Leben gibt es Menschen, die erkennen, was vor sich geht, und andere, die einfach blind den Trends folgen. Warum ich an der Seite meiner jüdischen Freunde stehe

von Boy George  11.09.2026

Tel Aviv

Nach Unfall für tot erklärt - jetzt Mutter von drei Kindern

Eine Mutter in Israel, einst nach einem schweren Verkehrsunfall schon als verstorben gemeldet, bringt im Krankenhaus ihrer Rettung ihr drittes Kind zur Welt – mit Hilfe der eigenen Schwester

 11.09.2026