Koalitionsverhandlungen

»Trunken von Macht«

Gibt den Ton an: Yair Lapid Foto: Flash 90

Es war das Thema zum Wochenbeginn: Yair Lapid will der neue Ministerpräsident werden. Zwar ist seine »Jesch Atid« (Es gibt eine Zukunft) nach der Union aus Likud/Israel Beiteinu lediglich die zweitstärkste Partei im Land, doch er sei »trunken von Macht«, unterstellen ihm Kritiker etwa zwei Wochen nach den Parlamentswahlen. Nach dem Ausgang des Schabbats hatte Staatspräsident Schimon Peres den Auftrag zur Regierungsbildung an den alten, neuen Premier Benjamin Netanjahu übertragen. »Bilde eine Regierung, die sich dem Frieden verschreibt«, hatte ihm der Präsident mit auf den Weg gegeben.

Lapid hatte mehr als einmal öffentlich erklärt, er sei sicher, dass er bald Netanjahus Chefsessel übernehmen könne. Am Montag hatte er Forderungen präsentiert, die erfüllt sein müssten, bevor er sich an einer Regierung beteiligt. Unter anderem sind das die Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit den Palästinensern, die Reform des Militärdienstes und eine Reduzierung der Ministerposten.

Uncharmant Außerdem will Lapid das Außenministerium – wohl für sich selbst, wird gemunkelt – sowie das Bildungs-, Justiz- und Bauministerium für seine Fraktion herausschlagen. Besonders diplomatisch gibt sich der ehemalige Journalist dabei nicht. Sollten die Wünsche nicht erfüllt werden und seine Partei in die Opposition gehen, habe er vor, innerhalb von 18 Monaten Neuwahlen herbeizuführen, um dann Netanjahus Posten zu übernehmen, sagte er.

»Nicht besonders charmant von Lapid«, tönte es nach diesen Äußerungen quer durch die Parteien, die sich derzeit im Kfar Maccabia bei Ramat Gan zu Koalitionsverhandlungen treffen. »Er ist überzeugt, dass er schon das Land regiert«, ätzte ein Vertrauter Netanjahus. »Zipi Livni hatte in der vorherigen Knesset 28 Sitze und hat niemals Vergleichbares von sich gegeben. Lapid hat gerade einmal 19 Mandate.« Experten indes gehen davon aus, dass alles Taktik sei, um bei den Verhandlungen so viel wie möglich für Jesch Atid herauszuschlagen.

Ob die Strategie aufgeht, wird sich zeigen. Derzeit arbeitet er anscheinend gemeinsam mit dem Vorsitzenden vom Jüdischen Haus, Naftali Bennett, daran, die strengreligiösen Parteien aus der Regierung ausschließen. Denn es ist klar, dass die Ultraorthodoxen niemals der Rekrutierung ihrer Jeschiwa-Studenten in die Armee zustimmen würden.

Prognose

Israel stellt sich auf weitere drei Wochen Iran-Krieg ein

Militärsprecher Defrin zufolge setze man auf eine langfristige Schwächung der iranischen Führung – ohne festen Zeitplan

 15.03.2026

Großraum Tel Aviv

Einschläge durch iranischen Raketenangriff

Videos zeigen brennende Fahrzeuge und Krater. Es gibt Verletzte

 15.03.2026

Psychologische Kriegsführung

Teheran droht Netanjahu mit Tod

Iranische Revolutionsgarden veröffentlichen Erklärung, man werde den israelischen Premier »verfolgen, solange er lebt«

von Sabine Brandes  15.03.2026

Medizin

Kaiserschnitt im Parkhaus

Aufgrund der Raketenangriffe aus dem Iran haben israelische Krankenhäuser sämtliche Patienten in unterirdische Bereiche verlegt – und das innerhalb weniger Stunden

von Sabine Brandes  15.03.2026

Wetter

Sandsturm zieht über Israel und Gazastreifen

Die Luftverschmutzung im ganzen Land ist aufgrund von Feinstaubpartikeln hoch bis sehr hoch

 14.03.2026

Israel

Armee meldet 400 Angriffswellen gegen Iran in zwei Wochen

Besonders Raketenanlagen und Verteidigungssysteme standen im Fokus

 14.03.2026

Raketen aus Iran

Ein Kind und ein Erwachsener in Eilat verletzt

In der südisraelischen Stadt gab es mehrere Einschläge von Raketen- und Trümmerteilen

 14.03.2026

Beit Zazir

Herzog weist Trumps Angriffe zurück: Israels Souveränität »nicht zu verkaufen«

Der israelische Präsident spricht von einem »unverhohlenen Angriff auf die Symbole der Staatsführung« seines Landes

 13.03.2026

Alltag im Krieg

Mitgehört im Bunker ...

Schlaflos in Tel Aviv: Iranische Raketen halten in den Nächten die Israelis wach

von Sabine Brandes  13.03.2026