Interview

»Trump zwingt jetzt alle, ihre Positionen zu überdenken«

Chuck Freilich

Interview

»Trump zwingt jetzt alle, ihre Positionen zu überdenken«

Der frühere stellvertretende nationale Sicherheitsberater Israels Chuck Freilich über die umstrittenen Gaza-Pläne des US-Präsidenten

von Michael Thaidigsmann  05.02.2025 12:02 Uhr

Herr Professor Freilich, was halten Sie von Donald Trumps Plan, den er gestern vorgestellt hat und der vorsieht, dass Amerika den Gazastreifen übernimmt und wieder aufbaut? Ist das realistisch?
Ich glaube nicht, dass es realistisch ist. Realistisch ist aber, dass Trump mit seinem Vorgehen jetzt alle zwingt, ihre langjährigen Positionen zu überdenken. Und das ist eine positive Sache.

Warum?
Weil er Druck auf die Palästinenser und die arabischen Staaten ausübt, neue Positionen zu formulieren. Er zwingt sie förmlich, sich längst vergessenen Wahrheiten zu stellen, wie zum Beispiel der, dass Jordanien und Ägypten gemeinsam mit Israel für die Entstehung des Palästina-Problems verantwortlich waren und sie deswegen auch zu seiner Lösung beitragen müssen.

Können Sie sich vorstellen, dass arabische Staats- und Regierungschefs einer vorübergehenden oder dauerhaften Aussiedlung oder Vertreibung von Palästinensern aus Gaza zustimmen?
Ich glaube nicht, dass irgendein arabischer Führer dem zustimmen kann. Allerdings ist Gaza in seinen derzeitigen Grenzen schlichtweg nicht überlebensfähig. Die Bevölkerung verdoppelt sich dort etwa alle 20 Jahre, und es gibt unter den obwaltenden Bedingungen einfach keinen Platz, um dort ein stabiles Gemeinwesen aufzubauen. Also muss entweder das Territorium vergrößert oder die Bevölkerung verringert werden. Nichtstun ist jedenfalls keine Option.

Lesen Sie auch

Trump widmet dem Nahen Osten in den ersten Wochen seiner zweiten Amtszeit viel Aufmerksamkeit. Wollte er nicht nach dem Prinzip »America first« handeln?
Ich denke, für ihn gilt immer noch »America first«. Aber Trump geht auch eine Reihe wichtiger außenpolitischer Themen zügig an - ganz, wie er es zuvor versprochen hatte.

Sind neue Abkommen im Rahmen der Abraham-Abkommen, insbesondere zwischen Israel und Saudi-Arabien, mit dem umstrittenen Gaza-Plan nun weniger wahrscheinlich geworden?
Die Saudis wollen ein Abkommen mit den USA. Sie werden sich schlussendlich auch bereit erklären, den Preis dafür zu zahlen und ihre Beziehungen zu Israel zu normalisieren. Der Trump-Plan könnte kurzfristig zu einer Verzögerung in diesem Prozess führen. Aber ich bezweifle, dass das lange anhalten wird. Trump hat ja bereits angekündigt, dass er beabsichtigt, bald nach Saudi-Arabien zu reisen.

Chuck Freilich ist ehemaliger stellvertretender nationaler Sicherheitsberater in Israel und lehrt an der Columbia University in New York und an der Universität Tel Aviv. Er ist außerdem Senior Editor des »Israel Journal of Foreign Affairs«. Das Interview führte Michael Thaidigsmann.

Bildung

Fragt mich!

Der deutsch-israelische Psychologe Ahmad Mansour besucht regelmäßig Schulen. Hier erzählt er, wie aus Sprachlosigkeit ein offener Austausch über Antisemitismus, Israel und den Nahostkonflikt entstehen kann

von Ahmad Mansour  04.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  04.09.2026

Jerusalem

Netanjahu: Sturz des Regimes im Iran »zentrale Mission« Israels

»Ich bin zuversichtlich, dass wir in der Lage sind, diese Bedrohung ein für alle Mal zu beseitigen«, sagt der Ministerpräsident

 04.09.2026

Jerusalem

»... dann werden wir Iran in die Steinzeit zurückversetzen«

Für den Fall eines erneuten Angriffs auf Israel droht Verteidigungsminister Israel Katz dem Mullah-Regime mit massiven Vergeltungsschlägen

 04.09.2026

Knesset-Wahlen

Ein Wegweiser durch den Dschungel der israelischen Politik

Am 27. Oktober wählt Israel. Sie wollen mitreden, aber können die Parteien nicht auseinanderhalten? Willkommen im Klub. Die Israelis können es auch nicht

von Guy Katz  04.09.2026

Rehovot

Israelische Forscher melden Erfolg bei Krebsforschung

Forscher des Weizmann Institute of Science entdeckten gemeinsam mit amerikanischen Wissenschaftlern einen bislang unterschätzten Mechanismus bei der Entstehung genetischer Mutationen

 04.09.2026

Interview

»Die meisten arabischen Staaten wollen, dass Israel gewinnt«

Dan Schueftan gilt als wichtigster israelischer Sicherheitsexperte. Er sieht Jerusalem so stark wie nie zuvor – und Europa auf einem ideologischen Irrweg

von Detlef David Kauschke  03.09.2026

Umfrage

Umfrage: Netanjahu-Lager holt auf, beide Blöcke bei 53 Mandaten

Noch vor einer Woche hatte dieselbe Umfrage ein deutlich anderes Bild ergeben. Damals lag die Opposition mit 57 Sitzen vorn

 03.09.2026

Missbrauch

Razzia gegen Kinderehen

Die Polizei ermittelt gegen eine strengreligiöse sektenähnliche Gruppe wegen illegaler Hochzeiten von Minderjährigen

von Sabine Brandes  03.09.2026