Invasion

Trotz zahlreicher Warnungen: Israelische Uman-Pilger im Kriegsgebiet

Der Eingang zum Grab von Rabbi Nachman in Uman in 2021 Foto: Flash90

In der Ukraine herrscht Krieg. Täglich sterben Menschen. Einige ultraorthodoxe Pilger aus Israel hält das offenbar nicht davon ab, in das Krisengebiet zu reisen, um ihrer Tradition nachzugehen. Derzeit, berichten israelische Medien, befinden sich bereits mehr als tausend Beter in Uman.

NEUJAHRSFEST Jedes Jahr pilgern Zehntausende Ultraorthodoxe zum jüdischen Neujahrsfest in die zentralukrainische Stadt, wo sich das Grab von Rabbi Nachman von Bratzlav befindet. Während der Corona-Pandemie gab es bereits massive Probleme, weil viele von ihnen ungeimpft und ungetestet ein- und wieder ausreisten.

Mittlerweile seien den Berichten zufolge 50 Charterflüge gebucht worden, um vor den jüdischen Feiertagen noch mehr Männer nach Osteuropa zu befördern. Rosch Haschana beginnt in diesem Jahr am 25. September.

»Ihre Gebete sind uns wichtig. Bitte beten Sie, dass der Krieg in der Ukraine zu Ende geht.«

botschafter Yevgen Korniychuk

Doch sowohl die Regierung in Jerusalem als auch die in der Ukraine haben vor Reisen ausdrücklich gewarnt. Im vergangenen Monat teilte die ukrainische Botschaft in Tel Aviv mit, dass wegen der Invasion keine Touristen in dem Land erlaubt sind. Ob überhaupt Feierlichkeiten zum jüdischen Neujahr stattfinden werden, sei »ungewiss«.

WOHLERGEHEN Kiews Botschafter, Yevgen Korniychuk, hatte bereits im Juli per Facebook aufgerufen, von Reisen abzusehen: »Aus Sorge um das Leben und Wohlergehen der Besucher der Ukraine und angesichts des offensichtlichen russischen Krieges in unserem Land können wir trotz aller Bemühungen die Sicherheit der Pilger nicht garantieren und lassen Touristen und Besucher derzeit nicht in die Ukraine einreisen.«

Der Botschafter bat potenzielle Pilger, für das Ende des Krieges zu beten. »Ihre Gebete sind uns wichtig. Bitte beten Sie, dass vor Rosch Haschana der Krieg in der Ukraine, der aufgrund der offenkundigen und grausamen russischen Aggression ausbrach, zu Ende geht, und beten Sie für den Sieg der Ukraine.«

Offenbar lassen sich – wie bereits in Zeiten der Corona-Lockdowns – auch davon einige nicht abschrecken. Im Jahr 2020 steckten Hunderte von chassidischen Pilgern an der Grenze zwischen Belarus und der Ukraine fest, da sie versucht hatten, die Ukraine trotz eines generellen Einreiseverbots für Ausländer zu erreichen.

MOLDAWIEN Für die diesjährigen Wallfahrten seien bereits Dutzende von Charterflügen nach Moldawien gebucht worden. Die Pilger würden dann versuchen, auf dem Landweg nach Uman zu kommen. Von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Uman wurde betont, dass die Stadt weit von der Front entfernt ist und der Aufenthalt der Pilger dort sicher sei. Es wurde jedoch nicht erwähnt, ob auch die Reise dorthin ohne Gefahren ist.

Rabbi Nachman war der Begründer der chassidischen Bewegung von Bratzlav. Die Stadt Uman, in der sich das Grab des Rabbiners befindet, empfängt während der Feiertage etwa 30.000 Besucher, hauptsächlich aus Israel. Andere Pilger kommen auch aus anderen jüdischen Gemeinden auf der ganzen Welt.

Luftfahrt

Wie sicher sind Israel-Flüge?

Nach dem vereitelten Anschlag an Bord einer flydubai-Maschine werden immer mehr gravierende Sicherheitslücken bekannt

von Sabine Brandes  14.10.2026

Meldungen

Studium, Korruption, Aquädukt

Kurznachrichten aus Israel

von Sabine Brandes  14.10.2026

Reaktionen

EU kritisiert Wahlaufschub in den Palästinensergebieten

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas vertagt die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen bis in den Herbst 2027

 14.10.2026

Jahrestag der Geiselrückkehr

Schön, dass du wieder da bist!

Als ich Alon Ohel auf einer Straße in Tel Aviv sah, wollte ich ihn ansprechen – und ließ ihn weitergehen. Über Solidarität und die Kraft einer Gesellschaft

von Sabine Brandes  14.10.2026

Hamas-Terror

Ein Jahr Freiheit – doch die Narben bleiben

Vor einem Jahr war die Freude unbändig, als die letzten 20 lebenden Geiseln nach 738 Tagen in den Tunneln unter dem Gazastreifen nach Israel zurückkehrten

von Sabine Brandes  14.10.2026

Flughafen Ben Gurion

Unerlaubter Pilot an Bord: Maschine muss wieder umdrehen

Weil ein indonesischer Kapitän an Bord war, wurde einem Frachtflug von Ethiopian Airlines die Landung in Israel verweigert

von Sabine Brandes  13.10.2026

Krieg

Netanjahu fordert Ermittlungen gegen Soldaten im Film »NAZA«

Der Premier wirft den anonymen Beteiligten mögliche Straftaten im Zusammenhang mit der Weitergabe geheimer Informationen vor

von Sabine Brandes  13.10.2026

Interview

»Wenn wir weder denken noch irgendetwas tun müssen – was machen wir dann?«

Der israelische Mathematiker Assaf Hasson warnt vor oberflächlichen Antworten, undurchsichtigen Beweisen und einer Generation, die sich zu sehr auf Künstliche Intelligenz verlässt

von Sabine Brandes  13.10.2026

Oktoberfest

Wiesn am Mittelmeer

Die bayerische Festtradition wird in Israel neu interpretiert

von Sabine Brandes  13.10.2026