Israel

Totale Ausgangssperre zu Pessach geplant

Eier werden im Hafen von Aschdod abgeladen. Foto: Flash 90

Nur noch zwei Tage bis zum Sederabend. Doch die Vorfreude auf die Festwoche ist dieser Tage in Israel extrem getrübt. Statt über Gästelisten und Rezepte wird in den Familien über Ausgangssperren und Notstand gesprochen – Pessach in Zeiten der Corona-Krise.

Das israelische Gesundheitsministerium gab an, dass bis zum Montag 51 Menschen an den Folgen einer Erkrankung mit Covid-19 gestorben sind. 8611 Personen sind infiziert. 141 Patienten befinden sich derzeit auf Intensivstationen der Krankenhäuser im ganzen Land, 107 werden künstlich beatmet. Rund 200 Israelis beklagen einen mittelschweren Verlauf. Der Großteil der Infizierten hat entweder leichte oder keine Symptome.

streit Derweil ist ein Streit in der Politik über den Umgang mit überwiegend ultraorthodoxen Orten ausgebrochen, in denen die Zahl der Infektionen überdurchschnittlich hoch ist. Die Regierung hatte am Freitag beschlossen, die charedische Stadt Bnei Brak zum Sperrgebiet zu erklären. Zuvor war eine Notverordnung erlassen worden, die es ermöglicht, dass das Betreten und Verlassen entsprechender Gebiete eingeschränkt werden kann.

In der Politik ist ein Streit über den Umgang mit überwiegend ultraorthodoxen Orten ausgebrochen.

Am Montagabend will das Kabinett über die Ausweitung der Notverordnung auf andere Gegenden entscheiden. Dabei geht es um Städte und Stadtviertel Jerusalems sowie jüdische Siedlungen im palästinensischen Westjordanland, darunter Tiberias, Aschkelon, Or Yehuda, Elad und andere. Angeblich soll zudem die totale Isolierung Bnei Braks um eine weitere Woche verlängert werden. Verteidigungsminister Naftali Bennett will 700 zusätzliche Soldaten zur Überwachung der Regeln abstellen.

Einwände Nach Angaben von israelischen Medien hatte der ultraorthodoxe Gesundheitsminister Yaakov Litzman und sein Kollege im Innenministerium, Arie Deri, gefordert, dass nicht ausschließlich charedische Gegenden abgesperrt werden. Man munkelt, dass die totale Ausgangssperre zu Pessach im ganzen Land wegen der Einwände der charedischen Politiker verhängt werden soll. Die wehren sich gegen eine »Benachteiligung der ultraorthodoxen Bewohner«.

Der säkulare Vorsitzende der Partei Israel Beiteinu, Avigdor Lieberman, beschuldigte die Politiker daraufhin, die öffentliche Sicherheit mit ihren Entscheidungen bezüglich der Pandemie zu gefährden. Auf Facebook schrieb er: »Es ist wichtig zu bedenken, dass die Arbeit, die Magen David Adom und die Sicherheitskräfte jetzt tun, heilig ist. Und es ist wichtig zu sehen, dass die meisten Ultraorthodoxen zuhören und sich an die Regeln halten. Was uns beängstigen muss, sind nicht die wenigen Gesetzesbrecher, sondern die charedische Führung.«

Das Gesundheitsministerium veröffentlichte am Montag die neuesten Zahlen: Die höchste Zahl von Infizierten gibt es in Jerusalem mit 1424 Fällen, gefolgt von Bnei Brak mit 1323 und Tel Aviv mit 387. Die jüdische Siedlung Elad hat mit 163 die höchste Anzahl pro Einwohner.

Derzeit herrscht Mangel an verschiedenen Lebensmitteln, vor allem an Eiern.

Eine andere Sorge vieler Israelis, neben der Angst vor dem hochansteckenden Coronavirus, ist derzeit die der Vorbereitungen für Pessach. Normalerweise laufen sie bereits Wochen vor dem Fest auf Hochtouren. Doch derzeit herrscht Mangel an verschiedenen Lebensmitteln im Land, vor allem an Eiern.

Der Mangel hat allerdings weniger mit der Gesundheitskrise als der Angst davor zu tun. Seit Wochen tätigen viele Hamsterkäufe und bunkern Lebensmittel – auch Eier. An Pessach werden sie vor allem für die allseits beliebten Mazzeknödel in der Hühnersuppe verwendet.

abhilfe »Was ist Pessach ohne Mazzebälle«, lamentieren die Köchinnen und Köche in den heimischen Küchen. Normalerweise kann Israel sich selbst mit Eiern versorgen, doch momentan fehlen angeblich 30 Millionen. Einige Flugzeugladungen, unter anderem aus Portugal und der Ukraine, sowie Cargoschiffe aus Spanien könnten Abhilfe schaffen.

Ein letztes Schiff wird am Dienstag, also noch rechtzeitig vor dem Seder, im Hafen von Aschdod erwartet. Die Regierung erklärte, eine ganze Flotte von Lkws auf den Weg geschickt zu haben, um die kostbare Fracht rechtzeitig in die Supermärkte und damit auf die festlichen Tafeln der Israelis zu bringen.

Nachrichten

Erfrischung, Iran, Design

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  24.06.2026

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  24.06.2026

Nachruf

Der Mann, der die Farben bewegte

Yaacov Agam, Israels wohl berühmtester Künstler, ist im Alter von 98 Jahren gestorben. Bekannt wurde der Pionier der kinetischen Kunst vor allem durch seinen Brunnen auf dem Dizengoff-Platz in Tel Aviv

von Sabine Brandes  24.06.2026

Jerusalem

Schin Bet ermittelt wegen Betäubungsmitteln in Babynahrung

Seit einer Woche versuchen das israelische Gesundheitsministerium und die Polizei zu ergründen, wie Sedative in Babynahrung landen konnten. Jetzt ist auch der Inlandsgeheimdienst beteiligt

 24.06.2026

Massaker des 7. Oktobers

»Ich stehe hier nicht als Statistik, ich bin Überlebende«

Ilana Gritzewsky, ehemalige Geisel in Gaza und Überlebende sexualisierter Gewalt, sprach vor dem UN-Menschenrechtsrat

von Sabine Brandes  24.06.2026

Wahlkampf

»Neuer Gesellschaftsvertrag«: Bennett stellt Reformprogramm vor

Ein Schwerpunkt seines Plans liegt im Bildungsbereich. Bennett fordert ein System, das sich am Niveau privater Schulen orientiert, aber öffentlich finanziert bleibt

 24.06.2026

Genf/Jerusalem

Neuer UN-Bericht beschuldigt Israel schwer – Jerusalem weist Vorwürfe entschieden zurück

Der UNHRC bezichtigt den jüdischen Staat schwerer Verstöße bis hin zu einem angeblichen Völkermord. Die Israelis wehren sich

 24.06.2026

Israel

Schönheit mit Narben

Designer entwerfen Kleidung für kriegsversehrte Soldaten, um im öffentlichen Raum auf ihre Schicksale aufmerksam zu machen. Zu Besuch bei einer Modenschau in Tel Aviv

von Sabine Brandes  23.06.2026

Terrorgefahr

Schin Bet warnt vor möglichem Angriff auf Eilat im Stil des 7. Oktobers 

Der Chef des Inlandsgeheimdienstes soll führende Mitarbeiter der Behörde angewiesen haben, mögliche Angriffsszenarien für die Hafenstadt im Süden zu untersuchen

 23.06.2026