Jerusalem

Tod und Trauer

Am Dienstag raste ein palästinensischer Terrorist mit einem Pkw in eine Bushaltestelle im Jerusalemer Viertel Geula. Foto: Flash 90

Die Welle der Gewalt reißt nicht ab. Bei verschiedenen Anschlägen von Palästinensern am Dienstag wurden drei Menschen ermordet und mehr als 20 verletzt. Der Jerusalemer Bürgermeister forderte als Antwort eine Abriegelung der arabischen Viertel im Ostteil der Stadt.

Innerhalb einer Stunde sind am Dienstagmittag bei zwei Attentaten in Jerusalem drei Israelis getötet und mehrere verletzt worden. Zwei palästinensische Terroristen stiegen im Stadtteil Ost-Talpiot in einen Bus der Linie Egged, erschossen zwei Fahrgäste und verletzten vier weitere.

rettungskräfte Fast zur selben Zeit raste ein weiterer Terrorist mit seinem Pkw an einer Bushaltestelle in eine Gruppe von Fußgängern im Viertel Geula und stach anschließend auf die Verletzten ein. Der 60-jährige Rabbiner Jeschajahu Krischevsky kam dabei ums Leben. Rettungskräfte schilderten chaotische Szenen. Der Täter soll ein Mann aus Ostjerusalem mit israelischer Identitätskarte sein, der bei der Telekommunikationsfirma Bezeq angestellt ist. Die Leitung des Unternehmens zeigte sich geschockt und veröffentlichte ein Schreiben, in dem es die »grauenvollen Attentate« verurteilt.

Auch in dem beschaulichen Städtchen Raanana etwa 30 Minuten nördlich von Tel Aviv gab es zwei Messerattacken. An einer Bushaltestelle stach ein palästinensischer Mann aus Ostjerusalem auf einen Wartenden ein. Der konnte ihn jedoch abwehren und kam mit mittelschweren Verletzungen davon. Passanten überwältigten den Terroristen schließlich. Bei dem zweiten Überfall wurden vier Menschen von einem arabischen Mann aus Ostjerusalem mit einem Messer attackiert. Der Araber hatte in Raanana gearbeitet.

schockzustand Indes bleiben Racheakte nicht aus. Bei verschiedenen Zwischenfällen sind arabische Israelis von Juden angegriffen worden, wie am Dienstag in Netanja, wo ein junger arabischer Mann von einer Gruppe gewalttätiger jüdischer Teenager angegriffen und verletzt wurde. In Kiryat Ata unweit von Haifa hat ein jüdischer Mann auf einen anderen Juden eingestochen, weil er ihn wegen seiner dunklen Haut- und Haarfarbe für einen Palästinenser hielt.

Seit Rosch Haschana sind bei den blutigen Terrorattentaten und Steinewürfen von extremistischen Palästinensern acht Israelis getötet und Dutzende verletzt worden.

Das Land befindet sich derzeit in einem Schockzustand. Viele Menschen haben Angst, zur Arbeit zu gehen, wollen nicht mehr an der Bushaltestelle warten oder nur über die Straße laufen. Vor den Schulen und Kindergärten wird zusätzliches Sicherheitspersonal aufgestellt. Die Märkte, allen voran der bekannte Machane-Jehuda-Markt im Zentrum Jerusalems, sind wie leer gefegt.

abriegelung Bürgermeister Barkat hält derzeit die Abriegelung der Ostteile seiner Stadt für die wirkungsvollste Maßnahme. Nachdem er den Tatort des Anschlags auf den Bus besucht hatte, sagte er: »Wir dürfen sie hier nicht hereinlassen.«

Auch der rechtsgerichtete Nafali Bennett vom Jüdischen Haus fordert, zunächst keine Palästinenser aus Ostjerusalem und dem Westjordanland nach Israel zu lassen, um die Gewaltwelle einzudämmen. Oppositionsführer Isaac Herzog (Arbeitspartei) verlangt vom Premier »endlich Taten«. Er schlägt außerdem vor, den Tempelberg und die arabischen Stadtteile vorübergehend zu schließen.

sicherheitskabinett Israel werde eine Reihe von resoluten Maßnahmen unternehmen, die deutlich machen würden, dass Terror sich nicht auszahle. Dies sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Dienstag in der Knesset. Ohne die Schritte im Einzelnen zu erläutern, versprach er, dass damit die Sicherheit in Israels Städten unverzüglich wiederhergestellt werden wird.

Medienberichten zufolge werde das Sicherheitskabinett beschließen, dass die Armee ihre Präsenz in den Innenstädten deutlich erhöhen soll. Zudem sollen arabische Viertel in Ost-Jerusalem von Sicherheitskräften intensiver überwacht werden sowie Häuser von Terroristen innerhalb von wenigen Tagen nach den von ihnen verübten Anschlägen zerstört werden.

Präsident Reuven Rivlin sprach gestern bei der Eröffnung der Knesset-Wintersitzungsperiode von einer schweren Zeit im Angesicht der blutigen Anschläge. »Mörderische Terroristen und islamistische Fundamentalisten wollen uns schwächen. Sie wollen unseren Staat mit Angst und Terror zerstückeln. Aber sie können uns nicht besiegen. Wir werden sie bekämpfen. Israel ist ein Staat mit Gesetz und Ordnung, das sind seine Stärke und Widerstandskraft.« Dann rief Rivlin dazu auf, sich um Ruhe zu bemühen. »In diesen schweren Zeiten tragen wir alle dafür Verantwortung.«

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