Trauer

Tod des letzten Gründervaters

Schimon Peres sel. A. (1923–2016) Foto: Flash 90

Er war der letzte der Gründerväter des israelischen Staates. Der neunte Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger Schimon Peres ist am Mittwochmorgen in Tel Aviv gestorben. Für Israel geht damit eine Ära zu Ende. Der weltweit verehrte und hoch angesehene Politiker wurde 93 Jahre alt.

Vor zwei Wochen hatte Peres einen massiven Schlaganfall erlitten, von dem er sich nicht mehr erholte. Seitdem wurde er im Scheba-Krankenhaus in Tel Aviv von einem Ärzteteam sowie seinem Leibarzt und Schwiegersohn Rafi Walden behandelt. Am Dienstagabend jedoch berichtete das Krankenhaus, dass sich sein Zustand rapide verschlechterte, die Ärzte sprachen von einem multiplen Organversagen. Die Familie von Schimon Peres wurde an sein Bett gerufen, »um Abschied zu nehmen«.

Am Morgen darauf um sieben Uhr trat die Familie vor die Presse. Peres’ Sohn Chemi erklärte: »Mit großer Trauer nehmen wir heute Abschied von unserem geliebten Vater, dem neunten Präsidenten von Israel. Das Erbe unseres Vaters ist es, immer nach vorne zu schauen. Wir hatten das Glück, zu seiner Familie zu gehören. Doch heute spüren wir, dass die gesamte israelische Nation und die internationale Gemeinschaft diesen großen Verlust teilt. Wir teilen diesen Schmerz gemeinsam.«

biografie Peres wurde am 21. August 1923 als Szymon Perski im polnischen Wiszniew geboren. 1934 wanderten seine Familie und er ins damalige Palästina ein. Über sechs Jahrzehnte lang war er eine der Schlüsselfiguren der israelischen Politik. Zweimal war er Ministerpräsident, zwölfmal Mitglied des Kabinetts.

Im Jahre 1994 wurde er gemeinsam mit Yitzhak Rabin und Jassir Arafat mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Seitdem war er die Stimme des Friedens in seiner Heimat und der ganzen Welt. Bis zu seinem Tod setzte er sich voller Energie für eine Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern ein. »Die Palästinenser sind unsere nächsten Nachbarn. Ich bin mir sicher, dass sie auch unsere besten Freunde werden können« war einer seiner Leitsätze.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu äußerte seine »große persönliche Trauer über den Tod des von der Nation geliebten Schimon Peres«. Der amtierende Präsident Israels, Reuven Rivlin, schrieb: »Dies ist ein trauriger Tag für das israelische Volk und den Staat Israel. Wir verneigen uns alle. Ich werde die Erinnerung an ihn bei mir tragen, seinen Handschlag, seine klugen Ratschläge, die er mir immer voller Liebe gab. Vor allem aber die Hoffnung, die er seinem Volk einatmete.«

reaktionen Aus der ganzen Welt kommen derweil Beileidsbekundungen an. US-Präsident Barack Obama schrieb: »Es gibt wenige Menschen, die den Kurs der Menschheit ändern. Nicht nur durch ihre Rolle bei konkreten Ereignissen, sondern weil sie unsere moralische Vorstellungskraft erweitern und uns zwingen, mehr von uns zu erwarten. Mein Freund Schimon Peres war einer von diesen Menschen. Ein Licht ist erloschen, doch seine Hoffnung wird für immer scheinen.«

Die Beerdigung wird am Freitag in Jerusalem stattfinden. Es werden dazu Staatsoberhäupter aus der ganzen Welt erwartet, darunter Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Den Israelis wird die Möglichkeit gegeben, sich einen Tag vorher von ihrem legendären, geliebten Politiker zu verabschieden.

Jerusalem

Israel droht mit Räumung Gazas im Falle neuer Entführung

Fast drei Jahre nach dem beispiellosen Hamas-Massaker am 7. Oktober droht Israels Verteidigungsminister mit drastischen Folgen, sollte erneut ein Israeli verschleppt werden

 23.09.2026

Israelische Zeitungen

Wahlergebnisse

»Sieg der Extreme«

Nach dem AfD-Erfolg in Mecklenburg-Vorpommern wächst in Israel die Aufmerksamkeit für Deutschlands politische Verschiebung

von Sabine Brandes  22.09.2026

Debatte

Wehret den Anfängen gilt rechts und links

Ein Offener Brief an Bischof Christian Stäblein vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU Berlin/Brandenburg

von Cornelia Seibeld  22.09.2026

Reaktionen

Besorgnis in Israel nach Berlin-Wahl

Der Wahlsieg der Linken sorgt vor allem mit Blick auf Antisemitismus und das jüdische Leben in der deutschen Hauptstadt für Aufmerksamkeit in israelischen Medien

von Sabine Brandes  22.09.2026

Umfrage

Mehrheit sieht keine Chance für friedliche Zwei-Staaten-Lösung

Eine friedliche Koexistenz ist für eine Mehrheit der Israelis und eine noch größere Mehrheit der Palästinenser im Westjordanland und in Ostjerusalem derzeit nicht vorstellbar

 22.09.2026

Alei Zahav

Terroranschlag im Westjordanland: Vater rettet seinem Sohn das Leben und stirbt

»Papa, ich möchte dir für 16 gemeinsame Jahre danken. Danke, dass du mir zugerufen hast, als der Terrorist kam«, sagte der 16-Jährige Yoav bei der Beerdigung seines Vaters

 22.09.2026

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Jerusalem

Ein toter Israeli bei Terroranschlag im Westjordanland

Kurz vor Beginn von Jom Kippur kommt es zu zwei Terroranschlägen im von Israel besetzten Westjordanland. Ein israelischer Zivilist und einer der angreifenden Palästinenser werden getötet

 20.09.2026

Jerusalem

Präsident Herzog begnadigt verurteilten Ex-Soldaten Elor Asaria

Israels Präsident lässt einen Strafregistereintrag des ehemaligen Soldaten löschen, der 2016 einen am Boden liegenden, palästinensischen Attentäter tötete. Die israelische Armee war laut Berichten dagegen

 20.09.2026