Interview

»Terror ist Teil des Alltags«

Herr Buskila, Sie haben am Sonntag einen viertägigen Hungerstreik vor dem Amtssitz des Ministerpräsidenten in Jerusalem beendet. Worum ging es?
Ich habe gegen die fehlende finanzielle Unterstützung für unsere Stadt protestiert. Wegen des anhaltenden Raketenterrors aus Gaza haben wir massive Ausgaben und kommen wirtschaftlich nicht auf die Beine.

Waren Sie allein beim Hungerstreik?
Die meiste Zeit waren wir zu dritt, zwei Mitarbeiter und ich. Am ersten und am letzten Tag waren etwa 50 Angestellte der Stadtverwaltung von Sderot dabei. Wenn wir nicht erfolgreich gewesen wären, hätten wir den Streik am nächsten Tag in Tel Aviv fortgesetzt.

Ihre Aktion hat also gewirkt?
Ja, wir haben eine Einigung mit dem Innen- und dem Finanzministerium erreicht, und uns wurde zugesichert, dass wir 22 Millionen Schekel zusätzlich bekommen.

Wofür soll das Geld ausgegeben werden?
Mehr als 7000 unserer knapp 20.000 Einwohner leiden unter posttraumatischem Stress, einige brauchen Pflege und Betreuung. Psychologen, Psychiater, Sozialarbeiter müssen bezahlt werden. Deswegen haben wir viel höhere Kosten als andere Gemeinden. Das Zweite, was finanziert werden muss, sind Bunker und Sicherheitsräume. Wir haben 150 öffentliche Schutzräume, die wir reinigen und instandhalten müssen.

Warum wurde Ihnen das Geld bisher vorenthalten?
Unser Budget wurde 2009 nach dem Gazakrieg eingeschränkt. Seitdem versuchen wir, mit weniger Geld auszukommen, aber wir haben gemerkt, dass das nicht funktioniert.

Wie sieht die Situation in Sderot aus?
Die Gesamtsituation ist seit 12 Jahren sehr schlecht. Nach dem Gazakrieg 2009 hat sie sich zwar entspannt, aber immer noch werden wir aus Gaza mit Raketen beschossen. Unser Leben ist alles andere als stabil.

Gab es in den letzten Tagen auch wieder Raketenbeschuss?
Natürlich. In der letzten Woche gab es zweimal Alarmstufe Rot, und Raketen landeten in unbewohntem Gebiet innerhalb der Stadt. Verletzte gab es zum Glück keine.

Hatte Ihr Hungerstreik mit dem jüngsten Beschuss zu tun, oder war er schon länger geplant?
Der Streik hatte zu tun mit der wirtschaftlichen Situation in der Stadt. Über die Sicherheitssituation beklagen wir uns nicht, die ist nun einmal Teil unseres Alltags. Als Bürger Israels wissen wir, dass wir mit dieser Situation leben müssen. So ist es nun einmal.

Was war Ihre erste Mahlzeit nach dem Hungerstreik?
Der Innenminister hat mich zum Essen eingeladen, es gab Suppe und dann Hühnchen mit Reis. Nach vier Tagen ohne Nahrung war das ungemein köstlich.

Mit dem Bürgermeister von Sderot sprach Ingo Way.

Hintergrund

Hamas will angeblich Verwaltung in Gaza abgeben

Die Terrorgruppe signalisiert Bereitschaft zur Übergabe von zivilen Einrichtungen – doch weigert sich nach wie vor, die Waffen niederzulegen

von Sabine Brandes  12.01.2026

Beerscheba

Plünderer vom Nova-Festival zu Haftstrafen verurteilt

Nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 gab es viele Beispiele von Mut und Solidarität. Drei Männer dagegen plünderten am Schauplatz des Massakers. Nun gibt es ein Urteil

 12.01.2026

Kommentar

Wir müssen unsere Kinder schützen

In Israel wurde ein 14-jähriger Junge bei Protesten gegen die Wehrpflicht von einem Bus erfasst und getötet. Hier reflektiert ein orthodoxer Rabbiner aus Jerusalem, was sich ändern muss

von Rabbiner Raphael Evers  12.01.2026

Nahost

Rubio telefonierte mit Netanjahu über mögliche US-Intervention

Vor dem Hintergrund der Proteste wächst in Israel die Sorge vor einer regionalen Eskalation

von Sabine Brandes  12.01.2026

Nahost

Israels Armee würde »mit Macht« auf iranischen Angriff reagieren

Im Iran gehen Tausende gegen die Führung des Landes auf die Straße. US-Präsident Trump erwägt laut Berichten Militärschläge. Der Iran warnte deshalb auch Israel

 11.01.2026

Iran

Iranisches Regime droht mit Angriff auf US-Stützpunkte

Seit rund zwei Wochen gehen Menschen im Iran auf die Straße. US-Präsident Trump warnte Teheran vor Gewalt gegen die Protestierenden. Laut Berichten erwägt er Militärschläge. Das Mullah-Regime warnt

 11.01.2026

Waffenruhe

Israelische Armee bereitet Offensive auf Gaza-Stadt vor

Sollte sich die Hamas nicht freiwillig entwaffnen, will die Armee den Angriff noch im März beginnen

 11.01.2026

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  10.01.2026

Knesset

In den Startlöchern

Israels Parteien bereiten sich auf die Wahl vor

von Sabine Brandes  10.01.2026