Gaza

Terror durch den Tunnel

Der Hamas ist kaum ein Mittel zu grausam oder zu teuer, um Israel Schaden zuzufügen. Bomben, Raketen und Granaten, Selbstmordattentate und Entführungen. Doch das, was Israels Armee nun entdeckte, ließ sogar hartgesottene Sicherheitsexperten sprachlos werden. Ein betonierter Tunnel, fast zwei Kilometer lang, der vom Gazastreifen in das israelische Kernland reicht.

Gebaut wurde die Untergrundpassage vielleicht sogar mit Beton, dessen Einfuhr Israel jüngst in das Palästinensergebiet erlaubt hatte. Obwohl Jerusalem die Lieferung von Baumaterialien ins Hamasgebiet gestoppt hatte, gab die Regierung schließlich dem Druck von internationalen Hilfsorganisationen nach und lockerte die Restriktionen. Das Material war für soziale Projekte bestimmt und ausschließlich an private Bauherren adressiert. Doch offensichtlich bediente sich die Hamas fleißig und errichtete damit unter anderem die Terrortunnel. Nun will Israel derartige Lieferungen wieder verbieten.

Arbeiten Die Arbeiten an dem Gang müssen Monate gedauert und Millionen von Dollar gekostet haben, schätzt der Inlandsgeheimdienst Schin Bet. Der gefundene Tunnel ist Teil eines regelrechten Systems, heißt es. Er verläuft 300 Meter unter israelischem Boden. Bislang sei er offenbar noch nicht benutzt worden, gibt die Armee an, doch keine Frage, dass er für strategische Terrorattacken gedacht war, etwa Anschläge in Israel oder Entführungen von Israelis in den Gazastreifen, durch die die Organisation ihre Macht im Palästinensergebiet stärken könnte.

Armeechef Benny Gantz hatte vor einigen Tagen, nachdem er offenbar von dem Fund unterrichtet worden war, auf einer Konferenz ein solches Szenario beschrieben. »Ein neuer Krieg könnte ausbrechen, wenn ein Tunnel voller Explosionsmaterial direkt unter einem israelischen Kindergarten in die Luft fliegt.«

Schmuggeltunnel vom Gazastreifen nach Ägypten sind im Vergleich zu diesem primitive Gänge unterhalb der Erdoberfläche, durch die in der Regel nur eine Person hindurchkriechen kann. Oft schon sind beim Bau Unfälle passiert, nicht selten mit Schwerverletzten und Toten. Viele der Gänge sind nach der Revolution im Nachbarland vom ägyptischen Militär zerstört worden.

Geheimdienst
Dieser jedoch hat eine ganz andere Qualität. Mehrere Menschen können sich ohne Probleme von einer Seite auf die andere bewegen. »Und nur die Hamas ist in der Lage, ein derart großes Projekt zu stemmen«, ist sich der Geheimdienst sicher.

Im Jahr 2006 hatte die Terrorgruppierung bereits einen ähnlichen Tunnel benutzt, um einen Anschlag auf den israelischen Armeeposten Keren Schalom und die Besatzung eines Panzers durchzuführen. Bei der Terrorattacke wurden zwei Soldaten getötet und ein weiterer entführt. Es war Gilad Schalit.

Food-Trend

Der Mann fürs Eingemachte

Saure Gurken, Kraut und Rote Bete – für Eli Rosenblit ist Fermentieren mehr als Konservieren. Es ist Leidenschaft und israelische Lebensart. Ein Besuch in Herzliya

von Sabine Brandes  17.08.2026

Israel

Kushner wirbt bei Netanjahu für Gaza-Friedensplan

Trumps Schwiegersohn auf schwieriger Mission: Jared Kushner will einen Kompromiss ausloten, obwohl zwischen Israel und der Hamas bei den Verhandlungen über Gazas Zukunft noch eine tiefe Kluft liegt

 17.08.2026

Gesellschaft

Er starb – und rettete sechs Leben

Die Organspende des gefallenen israelischen Soldaten Shahar Gamla lässt auch ein siebenjähriges Mädchen gesund werden

von Sabine Brandes  17.08.2026

Machtkampf im Likud

Persönliche Wahlliste und »fake ballots«

Während die Parteimitglieder über Kandidaten abstimmen, sorgt Streit um reservierte Plätze und angeblich »gefälschte Stimmzettel« für Aufregung

von Sabine Brandes  17.08.2026

Nahost

Ben-Gvir will mehr Menschen im Gazastreifen töten lassen

Jede Nacht sollten »30 bis 40« Menschen »entfernt« werden, fordert der israelische Polizeiminister

 17.08.2026

Tel Aviv

Immer weniger Israelis kehren aus dem Ausland zurück

Der Knessetabgeordnete Gilad Kariv wirft der Regierung vor, die Rückkehr von Israelis aus dem Ausland nicht zu einer politischen Priorität gemacht zu haben

 17.08.2026

Straßenverkehr

KI-Ampeln sollen in Israel 771 Stunden pro Tag sparen

Das staatliche Straßeninfrastrukturunternehmen Netivei setzt auf Ampeln, die sich mithilfe künstlicher Intelligenz laufend an die aktuelle Verkehrslage anpassen

 17.08.2026

Tel Aviv

Yoseph Haddad gründet Partei

Der arabisch-israelische Aktivist startet im Vorfeld der für den 27. Oktober vorgesehenen Knesset-Wahlen eine Kampagne

 17.08.2026

Westjordanland

US-Delegation will attackiertes Dorf Qusra im Westjordanland besuchen

Nach einem Bericht des israelischen Senders Kanal 12 wollen sich die US-Vertreter vor Ort ein eigenes Bild von der Lage machen. Diese bleibt angespannt

 17.08.2026