Israel

Tausende protestieren gegen Regierung und für Geisel-Deal

Bei den Protesten in Jerusalem kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Foto: copyright (c) Flash90 2024

Tausende Israelis haben am Dienstagabend den vierten Tag in Folge gegen die Regierung und für ein Abkommen zur Freilassung der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln protestiert. Die Demonstranten versammelten sich israelischen Medien zufolge mit Fackeln in der Hand in der Nähe des Parlamentsgebäudes in Jerusalem.

Sie forderten demnach auch erneut Neuwahlen. Die Mutter eines entführten Mannes warf Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Berichten zufolge in einer Ansprache vor, einem Geisel-Deal im Wege zu stehen. Medien zufolge kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und Demonstranten.

Mehrere Menschen versuchten Polizeiangaben zufolge, zu Netanjahus Privathaus zu marschieren und Absperrungen der Polizei zu durchbrechen. Einer Person sei dies gelungen. Es sei aber niemand zum Haus des Ministerpräsidenten vorgedrungen. Ein Demonstrant habe eine Fackel auf die Reiterstaffel der Polizei geworfen. Verletzt wurde den Angaben nach niemand.

Mehrtägige Protestaktion

Medien berichteten, die Einsatzkräfte hätten einige Demonstranten gewaltsam auseinandergetrieben, darunter die Schwiegertochter eines in den Gazastreifen verschleppten Mannes.

Seit Sonntag gibt es in Jerusalem erneut Großkundgebungen, die sich gegen die Regierung richten. Demonstranten bauten im Rahmen der mehrtägigen Protestaktion auch 100 Zelte vor dem Parlament auf. Am Samstag hatten zudem in Tel Aviv, Haifa und anderen Städten Menschen gegen Netanjahus Führung demonstriert. Angehörige der Geiseln werfen ihm immer wieder vor, kein ernsthaftes Interesse daran zu haben, die Freilassung der Geiseln zu erreichen.

Erfolglose Vermittlung

Israels rechtskonservativer Regierungschef weist die Kritik zurück. Er sei verpflichtet, alle Geiseln heimzuholen, sagte er kürzlich. Eine Neuwahl wiederum werde die Verhandlungen über eine Freilassung weiterer Geiseln lähmen und »ein Ende des Krieges herbeiführen, bevor die Ziele erreicht sind«, so Netanjahu. Israel will die islamistische Hamas im Gazastreifen zerschlagen.

Seit Wochen vermitteln die USA, Katar und Ägypten zwischen Israel und der palästinensischen Terrororganisation Hamas, um eine neue Feuerpause und einen Austausch aus Israel verschleppter Geiseln gegen palästinensische Häftlinge zu erreichen. Knapp 100 Entführte in der Gewalt der Islamistenorganisation dürften nach israelischen Schätzungen noch am Leben sein. dpa

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