Gewalt

Tage des blutigen Zorns

Die gewaltsamen Proteste dauern an. Foto: dpa

Die Tage des Zorns dauern auch in der zweiten Woche an – und werden blutiger. Am Freitag sollen mehr als 6000 gewalttätige Demonstranten auf die Straßen gegangen sein. An neun verschiedenen Stellen im Gazastreifen brachen Unruhen aus, dazu sah sich die israelische Armee mit rund 2500 protestierenden Palästinensern im Westjordanland konfrontiert, die Reifen anzündeten, Molotowcocktails und Steine warfen. Insgesamt sollen drei Palästinenser getötet und etwa 150 verletzt worden sein. Der geplante Besuch von US-Vizepräsident Mike Pence in Israel und den Palästinensergebieten ist währenddessen verschoben worden.

Die Gewalt hatte am Mittwoch vor einer Woche begonnen, nachdem US-Präsident Donald Trump Jerusalem offiziell als Hauptstadt Israels anerkannt hatte. Am Freitagnachmittag hatte ein Palästinenser versucht, einen israelischen Grenzpolizisten zu erstechen. Der Terrorist wurde angeschossen, erlag später seinen Verletzungen im Krankenhaus. Bilder zeigen den Verwundeten mit einem Sprengstoffgürtel. Es ist jedoch noch nicht geklärt, ob es sich dabei um eine Attrappe handelte. Die Sicherheitskräfte gaben an, dass sie sich auf weitere Unruhen in den kommenden Tagen vorbereiten.

Proteste Auch am Samstag dauerten die Proteste an, wieder brach an verschiedenen Stellen Gewalt aus, wobei mehrere Palästinenser verletzt wurden. Die erneuten Unruhen hatten begonnen, nachdem Offizielle im Weißen Haus hatten verlautbaren lassen, dass die Westmauer in der Altstadt bei einem Friedensabkommen ultimativ wohl zu Israel zugehörig erklärt werden würde. Die Kotel ist das höchste Heiligtum des Judentums und gehörte zum Zweiten Tempel.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte anschließend erzürnt über seinen Sprecher verkünden lassen: »Die Palästinenser werden keinerlei Änderungen der Grenzen von 1967 akzeptieren. Die amerikanische Haltung zeigt wieder einmal, dass die jetzige Regierung völlig aus dem Friedensprozess ausgestiegen ist. Sie unterstützt die Besatzung.«

Friedensprozess Nach Angaben der israelischen Tageszeitung Haaretz vermuten auch europäische Diplomaten, dass der Friedensprozess feststecke. Washington dementierte jedoch und erklärte, dass er lediglich »vorübergehend ein wenig abgekühlt« sei.

Währenddessen heißt es aus New York, dass Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen eine Resolution gegen die amerikanische Anerkennung Jerusalems entwerfen wollen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Angeblich soll der Vorschlag von Ägypten eingebracht werden, nachdem die Türkei das Thema aufgebracht hatte.

Dass eine derartige Resolution es jedoch durch die Abstimmung schafft, ist unwahrscheinlich, denn die USA haben ein Vetorecht im Sicherheitsrat.

Essay

Erinnerungen an Schawuot in Be’eri

Unsere Autorin ist in dem Kibbuz aufgewachsen, der durch das Massaker traurige Bekanntheit erlangte. Eines der prägendsten Feste ihrer Kindheit war das Wochenfest – wird jene Freude je wieder zurückkehren?

von Eshkar Eldan Cohen  21.05.2026

Wahlen

Arabisch-israelisches Zünglein an der Waage?

Der Aktivist Yoseph Haddad will den Sprung in die Politik wagen und könnte im festgefahrenen Rennen um die Knesset entscheidend sein

von Sabine Brandes  21.05.2026

Aschkelon

Israel schiebt Hunderte Flottillen-Aktivisten ab

Während die ausländischen Flottillenaktivisten vom Flughafen Ramon aus ausgeflogen werden, steht die israelische Teilnehmerin Zohar Regev in Aschkelon vor Gericht

 21.05.2026

Jerusalem

»Nicht das Gesicht Israels«: Sturm der Entrüstung gegen Ben-Gvir

Der rechtsextreme Politiker steht in der Kritik, weil er ein Video veröffentlichte, in dem Aktivisten der Gaza-Flotille gedemütigt werden. Auch Regierungschef Benjamin Netanjahu distanzierte sich von seinem Minister

von Sabine Brandes  21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Meinung

Das entspricht nicht der Essenz unseres Landes!

Man muss keine Sympathie für die Aktivisten der Gaza-Flotille haben, um die Art abzulehnen, wie Itamar Ben-Gvir mit ihnen umgegangen ist. Der Minister hat dem Ansehen Israels geschadet

von Sarah Cohen-Fantl  21.05.2026

Herzliya

Israelische Studie: Sexy Profilbilder können Dating-Erfolg mindern

Eine Untersuchung der Reichman University zeigt: Stark sexualisierte Fotos in Dating-Profilen erzeugen zwar Aufmerksamkeit, schmälern aber die Chancen auf eine ernsthafte Beziehung

 21.05.2026

Würdigung

»Wo andere laut schweigen, lässt sie sich nicht unterkriegen«

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland würdigt in seiner Laudatio auf die Jüdische Allgemeine die Verdienste der Redaktion - und ihren Mut

von Abraham Lehrer  21.05.2026