Nahost

Tag 500: Fasten für Freilassung

Am Samstag in Tel Aviv: Demonstranten verlangen eine Freilassung aller Geiseln und eine komplette Umsetzung des geltenden Abkommens zwischen Israel und den Terroristen. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Am 7. Oktober 2023 kam der palästinensische Terror aus Gaza nach Israel. Hamas-Terroristen und Mitglieder anderer Terrorgruppen ermordeten 1200 Menschen in Kibbuzim und bei einem Festival im Süden des Landes. Sie ließen selbst Kinder bei lebendigem Leib verbrennen. Außerdem verschleppten sie 251 Israelis und Angehörige anderer Nationalitäten. Sie vergewaltigten Frauen und töteten ganze Familien mit Handgranaten.

Heute, 500 Tage später, wollen Angehörige der 73 weiterhin von der Hamas festgehaltenen Geiseln und ihre Unterstützer 500 Minuten lang fasten – als Zeichen der Solidarität. Auch ist eine Demonstration für die komplette Umsetzung des geltenden Abkommens zwischen Israel und den Terroristen vorgesehen. Diese soll am Familienforum an der Jerusalemer Azza-Straße beginnen und zur Knesset führen. Das Motto des Protests: »Holt sie aus der Hölle«.

Die Verhandlungen über eine Fortsetzung der fragilen Waffenruhe im Gazastreifen nehmen derweil Fahrt auf. Die Gespräche über die zweite Phase des Abkommens zwischen Israel und der Hamas, in der alle noch lebenden israelischen Geiseln freikommen sollen, werden nach den Worten des US-Sondergesandten Steve Witkoff im Verlauf dieser Woche an einem noch unbekannten Ort fortgesetzt.

»Produktive und konstruktiv«

Er habe sehr »produktive und konstruktive« Telefonate mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu, Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani und dem ägyptischen Geheimdienstchef Hassan Raschad geführt, sagte Witkoff dem US-Sender Fox News.

Die USA, Ägypten und Katar hatten als Vermittler die derzeit geltende erste Phase der Waffenruhe und eine Vereinbarung über die Freilassung von Geiseln im Austausch gegen palästinensische Häftlinge eingefädelt. Sie gilt seit dem 19. Januar und endet am 1. März. Ob die zweite Phase des Deals, in der die Kämpfe endgültig enden sollen, tatsächlich zum Tragen kommt, ist jedoch ungewiss.

Regierungschef Netanjahu hatte am Sonntag bei einem Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio in Jerusalem gedroht, im Gazastreifen würden sich die »Tore zur Hölle« öffnen, sollten die Geiseln nicht freigelassen werden.

Hisbollah droht Israel

Ähnlich fragil ist auch die Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon. Der Chef der Schiitenmiliz, Naim Kassim, forderte in einer Fernsehansprache, Israel müsse sich wie vereinbart »am 18. Februar vollständig und ohne Ausreden zurückziehen«.

Lesen Sie auch

Dafür zu sorgen, sei Aufgabe des libanesischen Staates, sagte Kassim. Sollten über dieses Datum hinaus israelische Truppen im Libanon bleiben, handele es sich um eine Besatzung - und »jeder weiß, wie mit einer Besatzung umgegangen wird«, warnte er. Laut unbestätigten Medienberichten fordert Israel eine Verlängerung der Abzugsfrist bis zum 28. Februar. Libanons mit der Hisbollah verbündeter Parlamentssprecher Nabih Berri und der neue Präsident Joseph Aoun lehnen das ab.

Nach Darstellung Israels rückt die libanesische Armee, die das Einhalten der Waffenruhe sicherstellen und eine Rückkehr der Hisbollah in Gebiete im Süden des Libanons verhindern soll, nicht schnell genug nach. Die Hisbollah habe sich außerdem nicht wie vereinbart hinter den etwa 30 Kilometer nördlich der Landesgrenze gelegenen Litani-Fluss zurückgezogen.

Israel schickt Delegation nach Kairo

Die Hisbollah hatte den Konflikt im Norden am 8. Oktober 2023 begonnen, indem sie Israel unprovoziert mit Raketen angriff. Nachdem die Attacken über ein Jahr lang täglich erfolgt waren, holte Israel zum Gegenschlag aus. Viele Hisbollah-Terroristen wurden getötet, inklusive der gesamten Führung. Erst dann war die Terrorgruppe bereit, die Angriffe einzustellen.

Israels Sicherheitskabinett kommt unterdessen heute zu Beratungen über die zweite Phase des Gaza-Abkommens zusammen, wie Netanjahus Büro nach der Ankündigung des US-Sondergesandten Witkoff mitteilte. Am selben Tag werde eine Delegation israelischer Unterhändler zu Gesprächen in die ägyptische Hauptstadt Kairo reisen. Nach der Sitzung des Sicherheitskabinetts würden diese Unterhändler Anweisungen für die zweite Phase erhalten.

Demonstranten in Tel Aviv warfen Netanjahu am Wochenende erneut vor, eine Fortsetzung der Waffenruhe vereiteln zu wollen, um seine rechtsextremen Koalitionspartner nicht zu verprellen und sich an der Macht zu halten. Der Regierungschef steht unter dem Druck der Hardliner, die den Krieg in Gaza fortsetzen und die Hamas komplett vernichten wollen.

Rubio: Hamas muss zerstört werden

Am Wochenende traf eine von der neuen US-Regierung freigegebene Lieferung schwerer Bomben in Israel ein, die dabei behilflich sein könnten. Laut örtlichen Medienberichten handelt es sich um 1600 bis 1800 Sprengkörper.

US-Außenminister Rubio bekräftigte am Sonntag in Israel, die 2007 im Gazastreifen an die Macht gelangte Hamas dürfe dort nicht länger die herrschende Kraft bleiben. Solange sie Israel mit Gewalt drohen könne, werde Frieden unmöglich bleiben, sagte Rubio nach einem Treffen mit Netanjahu. Die palästinensische Terrororganisation müsse zerstört werden. dpa/ja

Nahost

Verdrehte Moral

Es ist geradezu atemraubend, mit welcher Inbrunst das Opfer-Täter-Verhältnis hierzulande verkehrt wird, wenn es um Israels Reaktion auf islamistische Terrororganisationen geht

von Jacques Schuster  27.04.2026 Aktualisiert

7. Oktober

Der Angriff auf den Kibbuz Holit: Erst Nachmittags kam Hilfe

IDF-Bericht: Rund 60 palästinensische Terroristen dringen am frühen Morgen in das Areal ein. Bei dem Massaker werden 13 Zivilisten ermordet. Neun Bewohner werden als Geiseln verschleppt

 27.04.2026

Studie

Kriege verändern Schlaf, Ernährung und Bewegung deutlich

Forscher der Hebräischen Universität Jerusalem warnen, dass Stress, Angst und Unsicherheit zu ungesunden Gewohnheiten führen

 27.04.2026

Reisen

Internationale Airlines bleiben weiter weg

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit empfiehlt EU-Fluggesellschaften, den Luftraum über Israel zu meiden

von Sabine Brandes  27.04.2026

Essay

Eva Erben: Was es bedeutet, Israeli zu sein

Die tschechische Holocaust-Überlebende kam 1948 mit ihrem Mann Peter nach Israel

 27.04.2026

Jerusalem

Herzog lehnt Netanjahus Begnadigungswunsch vorerst ab

Der Präsident spricht sich für neue Verhandlungen über einen möglichen Vergleich im laufenden Korruptionsprozess gegen den Regierungschef aus

 27.04.2026

Nahost

Trotz Waffenruhe: IDF-Soldat tot, neue Angriffe der Hisbollah

Ein IDF-Panzer bleibt liegen. Daraufhin schlägt eine mit Sprengstoff beladene Hisbollah-Drohne neben den Soldaten ein

 27.04.2026

Wahlen

Bennett und Lapid gründen gemeinsames Wahlbündnis

Die beiden Oppositionspolitiker wollen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Herbst ablösen

 27.04.2026

Israel

Netanjahu macht Krebsbehandlung öffentlich

Der Ministerpräsident wurde wegen eines bösartigen Prostatatumors behandelt

 24.04.2026