Chanukka

Sufganiot und Start-up

Kein Wunder: Familien-Selfie am Hafen von Tel Aviv Foto: Flash 90

Chanukka steht ganz im Zeichen des Magischen. »Nes gadol haja poh« – ein großes Wunder ist hier geschehen, erinnert man sich zum Lichterfest. Doch Außergewöhnliches geschieht auch im heutigen Israel in Hülle und Fülle. Acht wundervolle Geschichten aus dem Heute für die acht Lichter von Chanukka.

Wein Gute Tropfen sind in Israel nicht selten. Die Qualität der hiesigen Weine hat mittlerweile weltweit einen guten Ruf. Doch es kommt nicht oft vor, dass ein Wein aus einer nahezu ausgestorbenen Sorte hergestellt wird. Zumal einer, die es bereits zu biblischen Zeiten gab. Doch genau die kommt mit dem Recanati Marawi auf den Tisch. Der alt-neue Wein ist durch den Jewish National Fund und Keren Kayemet L’Israel gefördert worden. Winzer und Önologe Eliaschiv Drori begann vor vier Jahren zu recherchieren, was aus den einheimischen Traubenarten des Altertums geworden ist, die bereits im Talmud erwähnt wurden. Er fand Marawi, als er Hunderte Arten wilder Reben untersuchte. »Es ist eine schmackhafte Traube, die auch einen feinen weißen Wein macht«, ist Drori von seinem Tropfen überzeugt.

Alija Obwohl viele Menschen in der ganzen Welt Israel nur aus den Nachrichten und im Zusammenhang mit dem Konflikt kennen, zieht es noch immer Tausende in jedem Jahr in den kleinen jüdischen Staat. Nicht nur zum Besuch, sondern um ihn zur Heimat zu machen. Bis Ende 2015 werden es mehr als 30.000 Einwanderer sein. Das ist eine Steigerung von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die größte Gruppe waren mit fast 8000 die Franzosen, gefolgt von rund 7000 Juden aus der Ukraine. Viele haben Angst vor Antisemitismus und fühlen sich vor allem nach den jüngsten Terroranschlägen in Europa nicht mehr sicher. Schon im Vorjahr sprach der Vorsitzende der Jewish Agency, Natan Sharansky, von einem »absoluten Rekordjahr«. Das wird in diesem Jahr noch getoppt.

Superfrucht Die Granatapfelsaison ist da – und mit ihr die dunkelroten Vitaminbomben auf sämtlichen Märkten des Landes. Die Rimonim, wie sie in der Landessprache genannt werden, werden weltweit immer bekannter für ihre Qualitäten: Sie gelten als Superfood, mit Kernen voller Antioxidantien und Vitamine. Außerdem sollen sie Entzündungen hemmen, das Risiko für Diabetes, Prostatakrebs, hohe Cholesterinwerte senken und vieles mehr. Israels Top-Rimon-Forscher, Michael Aviram vom Rambam-Zentrum in Haifa, weiß: »Die neueste Nachricht ist die, dass Granatapfel vor Herzerkrankungen schützt.« Denn die roten Früchte enthalten mehr Antioxidantien als Trauben- und Cranberrysaft oder Rotwein. Gut, dass die israelische Ernte viel hergibt: 60.000 Tonnen werden bis zum Ende des Jahres geerntet. 14.000 sind für den heimischen Markt bestimmt, der Rest wird exportiert.

Stipendium Israel steht an erster Stelle beim Erhalt von EU-Stipendien. 24 wurden von der Europäischen Union an junge israelische Forscher vergeben, insgesamt waren es 291. Auf die Einwohnerzahl umgerechnet steht der jüdische Staat damit prozentual an erster Stelle der gewährten Forschungsgelder. »Das ist ein weiterer Beweis für unseren Beitrag zu Forschung und Innovation«, freut sich Wissenschafts- und Technologieminister Ophir Akunis. Die Stipendien sind extrem prestigeträchtig und können bis zu sechs Millionen Schekel einbringen. Israels Mitgliedschaft im Forschungsprogramm der EU, »New Horizon 2020«, macht die Bewerbung für Israelis an den Ausschreibungen möglich.

Archäologie Die Grenzen Israels sind wie die Wände eines überdimensionalen Freilichtmuseums. An fast allen Ecken des Landes befördern Archäologen noch heute fast täglich Schätze ans Licht. Nicht selten werden komplette Gebäude und ganze Ansiedlungen ausgegraben. Einige der wichtigsten Funde waren die Rollen vom Toten Meer und viele historische Stätten wie Masada, Megiddo oder Tiberias. Doch auch die jüngsten Funde lassen staunen. Vor wenigen Tagen beförderten die Altertumsforscher in einer Höhle ein Objekt mit einer Bleikugel zutage, das Aufschluss über frühesten Metallhandel gibt. Wenige Tage zuvor wurde ein 2700 Jahre altes Siegel gefunden, das den Namen eines Königs aus biblischer Zeit aufweist: Hezekiah. In Lod legten die Archäologen ein atemberaubendes Mosaik aus römischer Zeit frei, das zwei Jahrtausende fast unbeschadet überstanden hat.

Kaffee Cofix ist nicht mehr aufzuhalten. Innerhalb von weniger als drei Jahren übertraf die Discount-Kaffeekette, die alles in ihrem Sortiment – ob Kaffee, frisch gepressten Orangensaft, Kuchen, Sandwiches oder warme Nudelgerichte – für fünf Schekel anbietet, sämtliche Erwartungen von Branchenkennern. Mittlerweile hat Cofix expandiert. Es gibt nicht mehr nur Cafés, sondern auch Bars und Supermärkte. Auch da gilt das Motto: Nichts kostet mehr als fünf Schekel (etwas mehr als einen Euro). Es gibt mittlerweile mehr als 100 Filialen im ganzen Land, dazu fast ein Dutzend Supermärkte – Tendenz steigend. Bis 2018 sind 30 weitere Geschäfte geplant. Doch Cofix will ganz hoch hinaus: Dafür gingen die Eigentümer vor rund einem halben Jahr an die Tel Aviver Börse (TASE). Cofix ist damit das erste (und bislang einzige) Café, das an der TASE gehandelt wird.

Start-up Wie schon in den Vorjahren, so hat Tel Aviv auch im vergangenen Jahr London, Berlin oder Paris hinter sich gelassen. Die Mittelmeermetropole ist nach dem Silicon Valley in den USA der heißeste Ort, wenn es um Start-ups geht. In der Stadt mit etwas mehr als 500.000 Einwohnern gibt es schätzungsweise 4200 aktive technische Start-ups. Lokale Firmen ziehen so viele ausländische Investoren an, wie an fast keinem anderen Ort der Welt. 47 Prozent aller Investitionen kommen von Geldgebern außerhalb Israels. Das sind 38 Prozent mehr als im europäischen Durchschnitt.

Sufganiot In Fett gebackene Krapfen, Sufganiot genannt, werden in Israel traditionell an Chanukka zubereitet. Hunderttausende der süßen Leckereien warten in den Bäckereien, um vernascht zu werden. Doch von wegen nur rote Marmelade. Die Konditoren lassen sich immer Neues einfallen, um ihre Kunden an Chanukka zu überraschen. Das Dallal in Neve Zedek etwa füllt neben hausgemachter Erdbeermarmelade auch Vanillecreme mit Schokosprenkeln ein, im Roladin kann man mit einer kleinen Plastikspritze selbst bestimmen, wie viel der Füllung man schmecken möchte. Und im Asia-Restaurant Taizu gibt es an allen Chanukka-Tagen ein ganz besonderes Dessert: eine Sufgania prall gefüllt mit Ananasstückchen und zarter Kokoscreme.

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