Justiz

Streit wegen Mordanklage

Die Tötung eines palästinensischen Terroristen spaltet die Regierung in Israel. Am Donnerstag hatte ein israelischer Soldat einen Mann erschossen, der gefesselt auf dem Boden lag. Zuvor war der Palästinenser mit einem Messer auf Soldaten losgegangen und dabei verletzt worden.

Nachdem er bereits elf Minuten außer Gefecht gewesen sei, geben Ermittler an, habe der Soldat den Palästinenser plötzlich mit einem einzigen Schuss in den Kopf getötet. Nun ist er des Mordes angeklagt und muss sich vor dem Militärgericht in Jaffa verantworten.

Doch gerade diese Anklage wollen einige Politiker aus dem rechten Lager nicht akzeptieren und meinen, der Beschuldigte werde »von den Medien gelyncht«. Auch die Familie des Soldaten macht Stimmung gegen die Entscheidung.

Ethik-Code Aber Regierungschef Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Mosche Yaalon beharren darauf, dass sie es nicht billigen werden, wenn Soldaten die Justiz in die eigenen Hände nähmen. »Der Soldat hat den Ethik-Code der Armee verletzt«, sagten beide übereinstimmend.

Das Geschehen wurde von einem palästinensischen Mann gefilmt und von der NGO Betselem (»The Israeli Information Center for Human Rights in the Occupied Territories«) veröffentlicht. Der angeklagte Soldat gab zunächst an, dass er befürchtete, der Terrorist könne unter seiner Jacke Explosionsmaterial tragen. Doch die Tatsache, dass der Verletzte durchsucht worden war, macht diese Aussage unglaubwürdig. Dass er seinem Kommandanten gegenüber sagte: »Terroristen müssen sterben« und nach der Tat einem rechtsextremistischen Aktivisten die Hand schüttelte, der sich in der Nähe befand, trägt nicht zur Entlastung des Soldaten bei.

Dennoch ist die Armee politisch unter Beschuss geraten. Ihr wird von den Rechten vorgeworfen, einen Soldaten im Stich zu lassen, der in Zeiten des Krieges für die Verteidigung gehandelt habe.

Militärsprecher Motti Almoz sagte daraufhin: »Es gibt jeden Tag Dutzende Vorfälle in der Armee, auf dem Land, in der Luft, auf dem Wasser. Alle werden entsprechend professioneller Kriterien untersucht. Wenn nötig, wird auch die moralische Dimension betrachtet.«

Vertrauen Präsident Reuven Rivlin erklärte, er könne wesentlich ruhiger schlafen, weil er wisse, dass die Sicherheit Israels in den Händen von Armeechef Gadi Eizenkot liegt. »Ich habe vollstes Vertrauen in ihn und die Armee. Ich vertraue der Fähigkeit des Militärs, alles zu untersuchen und die Lehren daraus zu ziehen.«

Auf den Vorwurf rechtsgerichteter Politiker, dass das Militär mit der Anklage linke Kritiker ruhigstellen wolle, antwortete Almoz: »Es geht nicht darum, jemandem zu gefallen. Nicht Betselem, nicht dem Ausland. Wir untersuchen die Vorfälle wegen unserer eigenen Werte und unseres Charakters.« Naftali Bennett vom Jüdischen Haus nannte die Mordanklage »hysterisch«.

Doch die Armee betont, dass sie die Normen setze, und verbat sich die Einmischung der Politik. »Dieser Vorfall ist ernst und muss untersucht werden. Wir werden nicht von einem Verfahren Abstand nehmen.«

Gleichzeitig betonte Almoz, dass der Soldat ein faires Verfahren erhalte. Die Armee stünde zu Soldaten, die Fehler aufgrund falscher Einschätzungen der aktuellen Situation machten. »Aber dieser Fall ist anders.«

Hamas

Missbrauch als Waffe

Auf Basis von Tausenden Videos, Fotos und Zeugenaussagen dokumentiert ein neuer Bericht systematische sexuelle Übergriffe der Terroristen am 7. Oktober und danach

von Sabine Brandes  24.05.2026

Tel Aviv

Hilfe für das »Liebling Haus«

Das Besucherzentrum der »Weißen Stadt« wird nach Raketenschäden mit deutscher Hilfe repariert

von Sabine Brandes  24.05.2026

Studie

Wird Israel unbezahlbar?

Die Lebenshaltungskosten im Land gehören zu den höchsten weltweit. Dafür gibt es zahlreiche Gründe – manche sind hausgemacht

von Sabine Brandes  24.05.2026

Essen

Balagan auf der Zunge

Zwischen Frena-Ofen und French Malawach: Das EAT Tel Aviv Food Festival zeigt, wie Israels Küche Traditionen aus aller Welt aufgreift, neu mischt und daraus ein lebendiges Geschmacks-Chaos macht

von Sabine Brandes  24.05.2026

Essay

Erinnerungen an Schawuot in Be’eri

Unsere Autorin ist in dem Kibbuz aufgewachsen, der durch das Massaker traurige Bekanntheit erlangte. Eines der prägendsten Feste ihrer Kindheit war das Wochenfest – wird jene Freude je wieder zurückkehren?

von Eshkar Eldan Cohen  21.05.2026

Wahlen

Arabisch-israelisches Zünglein an der Waage?

Der Aktivist Yoseph Haddad will den Sprung in die Politik wagen und könnte im festgefahrenen Rennen um die Knesset entscheidend sein

von Sabine Brandes  21.05.2026

Aschkelon

Israel schiebt Hunderte Flottillen-Aktivisten ab

Während die ausländischen Flottillenaktivisten vom Flughafen Ramon aus ausgeflogen werden, steht die israelische Teilnehmerin Zohar Regev in Aschkelon vor Gericht

 21.05.2026

Jerusalem

»Nicht das Gesicht Israels«: Sturm der Entrüstung gegen Ben-Gvir

Der rechtsextreme Politiker steht in der Kritik, weil er ein Video veröffentlichte, in dem Aktivisten der Gaza-Flotille gedemütigt werden. Auch Regierungschef Benjamin Netanjahu distanzierte sich von seinem Minister

von Sabine Brandes  21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026