Israel

Stillstand am Jom Haschoa

Am Vormittag schrillten im ganzen Land – wie hier in Tel Aviv – Sirenen, um der Schoa-Opfer zu gedenken. Foto: Flash 90

Für zwei Minuten stand ganz Israel still. Am Donnerstagmorgen um zehn Uhr (Ortszeit) hielten die Menschen in ihren Häusern, in Büros und Fabriken, Krankenhäusern und Geschäften, Autofahrer auf den Straßen, Fußgänger und Radfahrer, Schulkinder und Studenten für zwei Minuten inne. Sie alle gedachten der sechs Millionen von den Nazis ermordeten jüdischen Männer, Frauen und Kinder, als die Sirene durch das Land schrillte.

Im Anschluss an die zwei Gedenkminuten werden vielerorts Zeremonien zur Erinnerung an die Opfer und die Überlebenden des Holocaust abgehalten. In der Knesset beginnt die jährliche Namenslesung der Getöteten.

Yad Vashem Den Auftakt bildete die zentrale Gedenkfeier am Mittwochabend in der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem. Dort sprachen verschiedene Politiker, Überlebende und der Oberrabbiner von Israel. Sechs Überlebende zündeten sechs Fackeln an – eine jede stand symbolisch für eine Million ermordeter Menschen.

Regierungschef Benjamin Netanjahu warnte vor dem aktuellen Antisemitismus in Europa und in der arabischen Welt. »Hetze kommt vor der Zerstörung. Heute lesen und hören Millionen bedrohliche Lügen über Juden. Sie sagen, dass wir die Abkömmlinge von Affen und Schweinen sind, dass wir das Blut von unseren Feinden trinken.« Diese Hetze komme vom islamistischen Extremismus und der arabischen Welt.

»Doch in den vergangenen Jahren wird sie von Aufwiegelung aus der westlichen Welt begleitet, die nicht weniger zerstörerisch ist, von britischen Parlamentariern, schwedischen Offiziellen und französischen Vordenkern«, sagte der Premier. Wenn Antisemiten über Jahre hinweg Juden und den jüdischen Staat als die Feinde der Menschlichkeit bezeichneten, dann würden diese Lügen kein Ende nehmen.

Armut Präsident Reuven Rivlin bat die 190.000 in Israel lebenden Schoa-Überlebenden um Vergebung, da sich der Staat nicht ausreichend um sie gekümmert habe. Auch Netanjahu bestätigte: »Wir haben nicht genug getan.« Kurz zuvor hatte die zentrale Organisation für die Überlebenden, »The Foundation for the Benefit of Holocaust Victims«, Zahlen veröffentlicht, wonach etwa ein Viertel von ihnen unterhalb der Armutsgrenze lebe.

Dies rief mittlerweile verschiedene Initiativen ins Leben, die den Holocaust-Überlebenden dabei helfen wollen, ihr Alter in Würde zu erleben. Die Organisation »International Fellowship of Christians and Jews« veröffentlichte zum ersten Mal einen Aufruf an Israelis, ihre Herzen und Geldbörsen zu öffnen und für die Überlebenden zu spenden, die in Armut leben. »Es geht um das Bewusstsein und das Erinnern«, betonte ein Sprecher. »Erinnert euch an den Holocaust und auch an die Überlebenden!«

Nahost

Historische Verhandlungen zwischen Israel und Libanon

Zum ersten Mal seit mehr als 40 Jahren führen Beirut und Jerusalem direkte Gespräche auf politischer Ebene. Können sie zu einem Durchbruch im aktuellen Konflikt führen?

von Amira Rajab, Cindy Riechau  14.04.2026

Ramallah

Fatah-Funktionär bietet Terror-Häftlingen Entscheiderrollen an

Tayseer Nasrallah spricht von einer »echten und ernsthaften Vertretung der palästinensischen Gefangenen«. Dabei handelt es sich auch um Täter, die wegen tödlicher Terroranschläge gegen Israelis verurteilt wurden

 14.04.2026

Jom Haschoa

Erinnerungen im Wohnzimmer

Am Holocaustgedenktag kommen in Israel Menschen bei »Sikaron Ba‘Salon« zusammen, um Überlebenden zuzuhören

von Sabine Brandes  14.04.2026

Automatisierter Handel

»Geistiger Schaden«: Bnei Brak will Verkaufsautomaten nachts schließen

Stadtrat Rabbiner Ze’ev Lipschitz, der die Änderung eingebracht hatte, spricht von ökologischen, körperlichen und vor allem »spirituellen« Schäden durch Automaten

 14.04.2026

Jerusalem

Israel begeht den Jom Haschoa im Zeichen des Krieges – Netanjahu kritisiert Europa

Der Kontinent leide an »tiefer moralischer Schwäche«, sagt der Ministerpräsident

 14.04.2026

Nahost

Darüber sprachen Merz und Netanjahu

Kurz vor direkten Gesprächen von israelischen und libanesischen Vertretern greifen zwei deutsche Regierungsmitglieder zum Telefonhörer. Wer mit wem spricht und wie Berlin auf die Gespräche blickt

 13.04.2026

Ungarn

Netanjahu gratuliert Wahlsieger Magyar – und lobt Orban

Israels Premier: »Orban ist ein wahrer Freund Israels, der fest an der Seite Israels stand angesichts ungerechter internationaler Verleumdungen«

 13.04.2026

Diplomatie

Israel und Libanon verhandeln in Washington

Streben nach einem Friedensabkommen, Waffenruhe und Normalisierung: In Washington treffen sich Israel und Libanon zu direkten Gesprächen. Aber wie realistisch sind die Ziele?

 13.04.2026

Waffenruhe

Mangel an Flügen könnte für teuren Sommer sorgen

Reisexperten warnen, dass die Rückkehr der ausländischen Airlines ein langsamer Prozess sein könnte

von Sabine Brandes  13.04.2026