Jerusalem

Steinwürfe bei Corona-Kontrollen

Israelische Polzisten bei Zusammenstößen mit ultraorthodoxen jüdischen Männern in Mea Schearim, die gegen Corona-Maßnahmen protestieren Foto: Flash 90

Nach Auseinandersetzungen bei Corona-Kontrollen in Jerusalem hat die israelische Polizei 18 Menschen festgenommen. Wie die Polizei am Montag mitteilte, wurden Beamte mit Steinen und anderen Gegenständen beworfen. Zwei Polizisten seien leicht verletzt und Fahrzeuge beschädigt worden. Schwerpunkt des Einsatzes war demnach das vornehmlich von Ultraorthodoxen bewohnte Viertel Mea Schearim.

SYNAGOGE Auseinandersetzungen bei der Durchsetzung von Corona-Maßnahmen hatte es am Sonntagabend auch in Bnei Brak nahe Tel Aviv gegeben. Auslöser war ein Versuch der Polizei, eine Versammlung in einer Synagoge mit Hunderten Ultraorthodoxen aufzulösen. Nach Angaben der Polizei wurden 17 Menschen festgenommen.

Israel mit seinen rund neun Millionen Einwohnern steckt inmitten einer zweiten Corona-Welle. Nach einer massiven Zunahme der Fallzahlen gilt ein landesweiter Lockdown mit strengen Regeln wie Versammlungsbeschränkungen.

NEUINFEKTIONEN Innerhalb der strengreligiösen Gemeinschaft wurden zuletzt viele Neuinfektionen verzeichnet. In ultraorthodoxen jüdischen Wohnvierteln leben häufig größere Familien auf engem Raum zusammen.

Nach Daten des Gesundheitsministeriums vom Montag wurden binnen 24 Stunden 2905 Neuinfektionen verzeichnet. Es wurden am Sonntag vergleichsweise wenig Tests gemacht.

PROTESTE Zuvor war trotz der weiter verschärften Corona-Auflagen ist in vielen Städten Israels erneut gegen Premierminister Benjamin Netanjahu demonstriert worden. Allein durch das Viertel Florentin in Tel Aviv zogen am Samstagabend mehrere hundert, zumeist junge Menschen mit Trommeln und Fahnen. Sie sangen und stimmten Sprechchöre an. Einige trugen die israelische Fahne. Medienberichten zufolge gerieten andernorts in Tel Aviv Polizisten und Demonstranten aneinander.

Es habe Dutzende Verhaftungen gegeben, hieß es weiter. Die Polizei teilte mit, sie habe Hunderte Menschen wegen Verstoßes gegen Corona-Vorschriften zu Geldstrafen verurteilt, darunter auch eine Frau, die sich in Quarantäne hätte befinden müssen.

Wie Medien unter Berufung auf die Bewegung »Schwarze Flaggen« berichteten, protestierten im ganzen Land an Hunderten Orten in kleineren Gruppen geschätzt 100.000 Menschen.

EINSCHRÄNKUNGEN Parlament und Regierung hatten in dieser Woche eine umstrittene Einschränkung für Demonstrationen beschlossen: Wer protestieren will, darf dies demnach während des kompletten Lockdowns nur innerhalb eines Umkreises von 1000 Metern von seinem Zuhause und in Gruppen von maximal 20 Menschen.

Die befristete Einschränkung ist Teil der geltenden Lockdown-Maßnahmen. Die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens wurden wegen stark gestiegener Corona-Zahlen verhängt, sie sollen eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindern.

Kritiker dagegen sehen die neuen Protestbeschränkungen vor dem Hintergrund von Netanjahus bevorstehendem Prozess wegen Korruptionsvorwürfen. Netanjahu bestreitet alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe. dpa

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