Israel

Staus wegen Netta

Netta Barzilai: »Kapara Aleichem Tel Aviv« Foto: Flash 90

Achtung: Staus wahrscheinlich. Netta kommt!» Mit diesen Worten lud die Stadtverwaltung per WhatsApp und SMS zum Konzert der Eurovision-Sängerin Netta Barzilai auf den Rabin-Platz ein. Und Netta kam! Dazu Zehntausende von Israelis, die ihre «Beautiful Creature» und den Hit-Song «Toy» gebührend feierten.

Auch das Verwaltungsgebäude stimmte ein und blinkte an seiner Fassade abwechselnd mit den Worten «Netta», «Toy», einem Herzmotiv und der israelischen Flagge in Blau-Weiß. Netta Barzilai hatte am Samstag den 63. Eurovision Song Contest in Lissabon mit 529 Punkten gewonnen. Auch in Jerusalem feierten Hunderte im Mahane-Yehuda-Markt und tanzten ausgelassen zu Israels Lied.

Hits Der Songwriter von «Toy», Doron Medaile, erinnerte daran, dass man auch in frohen Zeiten daran denken sollte, dass nicht alles zum Freuen ist. «Aber heute schämen wir uns nicht, Spaß zu haben.» Bevor «Toy» durch die Stadt dröhnte, gab es in Tel Aviv einen nostalgischen Ausflug zu einstigen Eurovision-Hits aus dem jüdischen Staat. Avi Toledano war dabei, der es zweimal auf den zweiten Platz geschafft hatte, Orna und Moshe Datz boten ein Duett mit «kan noladeti» (Hier bin ich geboren), und die Gesangsikone Gali Atari gab «Halleluja» zum Besten, mit dem Israel 1979 den Sieg nach Hause holte.

Dann kündigte Medaile seine Netta an, die mit einem «Kapara Aleichem Tel Aviv» auf die Bühne stürmte. Der Satz ist die ultimative (umgangssprachliche) Liebeserklärung, den sie bei jedem Auftritt lauthals in die Menge ruft. Nicht nur der Rabin-Platz war in diesem Moment überfüllt, auch auf den umliegenden Straßen konnte man sich wegen des Andranges kaum fortbewegen. Nur Tanzen ging noch. Und das taten die Massen ausgiebig, denn Netta sang «Toy» gleich doppelt. Oder besser gesagt sangen Netta und die Israelis zusammen. Denn die meisten kennen das Lied mittlerweile ganz und gar auswendig – Glucks- und Gacker-Geräusche inklusive.

Energiebündel Nach derartigen Anstrengungen muss sich allerdings auch ein Energiebündel wie Netta ausruhen. «Nächstes Jahr in Jerusalem», rief sie noch, «dann seid ihr alle da, meine Süßen», und dann war sie verschwunden. In Richtung Bett.

Im Morgengrauen des Montags war die Künstlerin auf dem Ben-Gurion-Flughafen gelandet und hatte energetisch verkündet: «Wir sind hier alle heiser, weil wir die ganze Nacht lang gefeiert und nicht geschlafen haben. Dies ist ein großartiger Moment für mich, für die israelische Delegation und für das Land. Ich freue mich, dass wir es geschafft haben, Grund zur Freude zu geben in einem Land, das nicht so viele Gründe zum Feiern hat.» Sie dankte den «wundervollen Menschen, die mich begleitet haben, die mir auf dem ganzen Weg versicherten, dass der Sieg unser ist. Viele Glückwünsche für uns und für ganz Israel.»

Nachrichten

Eurovision, Syrien, Ehrung

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  27.01.2026

Nachkriegsordnung

Hamas will 10.000 eigene Polizisten im Gazastreifen

Die Terroristen begründeten ihre Forderung unter anderem damit, dass sich entlassene Polizisten so nicht zu Terrorgruppen zusammenschließen würden

 27.01.2026

Jerusalem

Rekord: Über 1000 Nieren-Spender auf einem Foto

Der Organisation Matnat Chaim zufolge ist Israel führend bei Lebend-Spenden. Das wird mit diesem Foto besonders deutlich

 27.01.2026

Nahost

Grenzübergang Rafah soll diese Woche geöffnet werden

Zunächst wird offenbar nur der zivile Personenverkehr passieren dürfen – zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren

 27.01.2026

Tel Aviv

»Die Leute weinten, wir umarmten uns«

Der Kommandeur der israelischen Such- und Rettungseinheit der Armee, Oberstleutnant Eliasaf V., spricht im Sender »Kan« über die Bergung der sterblichen Überreste der letzten Gaza-Geisel Ran Gvili

 27.01.2026

Sydney

Australien verweigert jüdischem Islamgegner die Einreise

Australien hat in der vergangenen Woche seine Gesetze gegen Hassverbrechen verschärft. Ein jüdischer Influencer, der ein »Islamverbot« fordert, darf das Land nicht betreten

 27.01.2026

Interview

»Es tut mir weh, so viel Antisemitismus zu sehen«

Die Schoa-Überlebende Zuzi Hamori spricht über die mutige Aktion, mit der ihre Mutter ihr das Leben rettete, den schweren Neuanfang in Israel und den Judenhass in der alten Heimat

von Sabine Brandes  27.01.2026

Interview

»Die AfD verrät immer wieder unsere nationalen Interessen«

CDU-Fraktionschef Jens Spahn über das Gedenken am 27. Januar, linken Lifestyle-Antisemitismus, die Frage nach einer Zusammenarbeit mit der AfD und Versäumnisse der CDU in der Migrationspolitik

von Philipp Peyman Engel  27.01.2026

Nahost

Israel bereitet Evakuierung Zehntausender Touristen für Ernstfall vor

Nach Angaben des Generaldirektors des israelischen Tourismusministeriums, Michael Izhakov, existiert ein detaillierter Notfallplan für den Fall, dass der Luftraum geschlossen werden muss

 27.01.2026